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Donnerstag, 12. April 2018 Drucken

Museen & Galerien

Sex und Sinnlichkeit: »Aufgeladene Begegnungen« in Hochstadt

Von Kai Scharffenberger

Katharina Ritschi: Mamma. Finliner auf Papier. 2013.

Auch zarten, zaghaften Annäherungen gibt die Ausstellung Raum: etwa mit Daniel Odermatts „Zuversicht“ (2015).

Auch zarten, zaghaften Annäherungen gibt die Ausstellung Raum: etwa mit Daniel Odermatts „Zuversicht“ (2015). (Fotos: Katalog/frei)

Mann und Frau üben sich in Umarmungen. Bei Lovis Corinth in impressionistisch aufgelockerter Rubens-Körperpracht.

Bei Conrad Felixmüller in kantiger Härte. Bei Max Beckmann in klumpiger Verschränkung. Bei Elfriede Lohse-Wächtler in seltsam-indischer, exotischer Stilisierung. Vier druckgraphische Blätter aus den Jahren 1915 bis 1922, Erotisches von Vertretern der Klassischen Moderne, denen im Kunsthaus zu Hochstadt ein noch ganz frisches Bild des 1983 in Speyer geborenen Malers Daniel Odermatt antwortet: mit einer Leerstelle. Wo in Odermatts „Umarmung“ der Mann liegen müsste, durchschneidet eine breite weiße Diagonale die im Übrigen figürliche Szene. Die Hand der umarmenden Frau greift ins ungegenständliche Nichts – und damit vielleicht ins Imaginäre. Denn Odermatts Gemälde spielt nicht bloß mit der Dekonstruktion eines figurativen Fotorealismus’ durch abstrakte Elemente, sondern es reflektiert auch über die Rolle des Bildes als Projektionsfläche.

 

 

 

: Geliebte Frau von Conrad Felixmüller. Radierung 1921.

Geliebte Frau von Conrad Felixmüller. Radierung 1921.

: Blaupause von Stephan Müller. Mischtechnik, 2017.

Blaupause von Stephan Müller. Mischtechnik, 2017.

: Kraftvolle Begegnung der Geschlechter: „Umarmung “ von Lovis Corinth, Radierung, 1915.

Kraftvolle Begegnung der Geschlechter: „Umarmung “ von Lovis Corinth, Radierung, 1915.

: Liebespaar (Umarmung) von Elfriede Lohse-Wächtler, 1921/22.

Liebespaar (Umarmung) von Elfriede Lohse-Wächtler, 1921/22.

Vier junge Pfälzer Künstler ausgewählt

Für seine „Aufgeladenen Begegnungen“ hat Hubert Portz, der seit zehn Jahren in Hochstadt das private Kunsthaus Désirée betreibt, insgesamt vier junge (respektive jüngere) Pfälzer Künstler ausgewählt, um deren Werke mit Graphiken aus seiner Kunstsammlung zu kombinieren. Neben Daniel Odermatt sind Marie Gouil und Katharina Ritschi – beide 1987 geboren – und der Mittvierziger Stephan Müller mit von der erotischen Partie. Dazu kommen Gedichte von Else Lasker-Schüler bis Kate Tempest, von Georg Heym bis Robert Gernhardt, die Portz nicht nur in den eigens zur Schau gedruckten Katalog einstreute, sondern teilweise auch auf die Wände seiner Ausstellungsräume tapeziert hat.

 

Aus dieser Verknüpfung von Alt und Neu, von Wort und Bild ergeben sich spielerische Variationen und Korrespondenzen. So scheint zum Beispiel die nackte Dame, die Stephan Müllers expressiv gemalte „Traumwelt“ dominiert, just die Körperhaltung jener „kleinen Kokotte Berthe“ aufzugreifen, die Lasar Segall 1921 lithographierte. Und dem massiven „Brautkleid“, das Marie Gouil in Beton gegossen hat, stellen Verse Ernst Jandls einen recht immateriellen Mann zu Seite, der „die Frau mit seinen Augen und seinen Händen sucht“.

Veritable Hingucker

Veritable Hingucker in der attraktiven Schau sind zwei monumentale Fineliner-Zeichnungen von Katharina Ritschi. In minutiös ziseliertem Detailreichtum liefern sie quasi technische Baupläne zu einem hydraulischen Penis-Wolkenkratzer und einer von Schaltkreisen und Turbinen durchwirkten Cyborg-Brust. Geschlechtsmerkmale erscheinen bei Ritschi als monströse Maschinen, als kalte Sexualtechnologie ohne erotisches Knistern.


Info

»Aufgeladene Begegnungen« – 15.4. bis 21.5., Hochstadt, Kunsthaus Désirée, Hauptstr. 143 (hinter der Sparkasse), geöffnet: Sa 14-17 Uhr, So 13-17 Uhr (Eröffnung: Sa 14.4., 16 Uhr), Infotelefon: 06347-9828570.

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