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Museen & Galerien

Sehr viel Anfang: »Der Garten der Avantgarde« in Wiesbaden

Von Roland Happersberger

Franz Marc: Das Äffchen, 1912.

Franz Marc: Das Äffchen, 1912. (Foto: Lenbachhaus München/frei)

Explosion von Farbe und Form: „Ein Zentrum“ von Kandinsky

Explosion von Farbe und Form: „Ein Zentrum“ von Kandinsky (Foto: Gemeentemuseum Den Haag )

Das Alte wankte, viel Neues lag in der Luft zu Zeiten der Avantgarde.

Während das Gros der bildenden Künstler am Hergebrachten festhielt, schuf eine Avantgarde, die hundert Jahre später als „Klassische Moderne“ zu hohen Ehren gekommen ist, nie gesehene Explosionen von Form und Farbe. Ihre Bilder sind heute unbezahlbar. Damals fand sich indes kaum jemand, der sie bezahlte. Die wenigsten öffentlichen Sammlungen waren der Moderne bereits aufgeschlossen; Künstler trachteten danach, sich privaten Sammlern anzuschließen, die ihnen ein Salär aussetzten und dafür ein Vorkaufsrecht auf die entstehenden Werke hatten.

 

So kam es, dass die Anwesenheit eines einzigen Sammlers eine Stadt zum Kulminationspunkt neuer Kunst machen konnte. In Wiesbaden war dies Heinrich Kirchhoff (1874-1934). 1908 kam er aus dem Ruhrgebiet, mit erheblichen Finanzmitteln ausgestattet, des warmen Klimas wegen nach Wiesbaden und ließ sich hier eine Villa mit großem, nach eigenen Plänen üppig ausgestaltetem Garten bauen, in dem er mit wesentlichen Protagonisten der damaligen Kunstszene immer wieder ausgiebig promenierte. Selbstbewusst war er zum Sammler zeitgenössischer Kunst geworden: „Ich weiß genau, was Kunst und was Scheißdreck ist“, soll er gesagt haben. Kirchhoff interessierte sich zunächst für den deutschen Expressionismus und die Berliner Secession – Liebermann, Corinth, Slevogt –, später stieß er diese Werke großteils ab, erwarb Abstraktes – Kandinsky – und vor allem Expressionistisches – Nolde, Kokoschka, Marc, Chagall. Jawlensky nahm die freundschaftliche Förderung Kirchhoffs zum Anlass, sich 1921 in Wiesbaden niederzulassen. Glühende, strahlende Farben scheinen Kirchhoff vor allem angezogen zu haben.

 

Erstmals 1917, also vor genau 100 Jahren, und dann immer wieder, öffnete das Wiesbadener Museum seine Schauräume Kirchhoffs Bildern, bis man sie 1933 – unter nunmehr nationalsozialistisch-diktatorischer Direktion – als entartet zurückgab.

 

Nach Kirchhoffs Tod im Jahr 1934 wurde die Sammlung verkauft und dabei zerstreut. Für ihren Rang spricht, dass Vieles in öffentlichen Sammlungen landete, von wo es auf Zeit zurückkehrte. Denn das Wiesbadener Museum hat es unternommen, mit Leihgaben aus privater und öffentlicher Hand Kirchhoffs „Garten der Avantgarde“ zu rekonstruieren. Wunderschöne Bilder sind zu sehen. Die Schau zeigt auch , dass Kirchhoff direkt und mittelbar andere Sammler inspirierte, bis hin zu Frank Brabant, der einen Teil seiner Schätze dem Wiesbadener Museum stiften wird.


Info

»Der Garten der Avantgarde« – bis 25.2., Wiesbaden, Museum, Friedrich-Ebert-Allee 2, geöffnet: Mi, Fr-So 10-17 Uhr, Di, Do 10-20 Uhr; Info: Telefon 0611-3352170.

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