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Museen & Galerien

Rund um den Dom: »Zwischen Himmel und Erde« in Worms

Von Roland Happersberger

1807 abgerissen: Rekonstruktion der Johanneskirche durch den Karlsruher Bauforscher Julian Hanschke.

1807 abgerissen: Rekonstruktion der Johanneskirche durch den Karlsruher Bauforscher Julian Hanschke. (Foto: KVG Worms/frei)

Virtuell: Computeransicht der Johanneskirche.

Virtuell: Computeransicht der Johanneskirche. (Foto: KVG Worms/frei)

Unter den drei berühmten rheinischen romanischen Kaiserdomen in Speyer, Mainz und Worms ist letzterer, weil ihm in napoleonischer Zeit Bischof und Kirchensprengel genommen worden ist, am unbekanntesten.

Baukünstlerisch indes ist er vielleicht der reichste. Während in Mainz und Speyer – nur ein Beispiel – jedes Segment der Hochschiffwände gleichartig gegliedert ist, spielen die Wormser Baumeister fantasievoll fast in jedem Joch andere Gestaltungsmöglichkeiten durch. Und der eckige Westchor mit seiner die Grenzen des Architektursystems sprengen wollenden Rose hat nicht seinesgleichen.

 

Wenn man 2018 1000 Jahre Dom zu Worms feiert, dann bezieht sich das auf einen Bau, von dem nur noch die Unterteile der Westtürme bestehen. Alles andere hat man im 12. Jahrhundert neu gebaut. Über die Datierung der einzelnen Bauabschnitte – man baute von Ost nach West – haben sich Wissenschaftler lange gestritten. Denn niemand weiß, wie viel vom Dom bei der überlieferten Weihe 1181 schon stand.

Im Fokus: Taufkirche St. Johannes

In der ehemaligen Kirche des Andreasstifts hat das städtische Museum jetzt mit jungen Wissenschaftlern in ansprechendem Baustellen-Look eine Schau „Zwischen Himmel und Erde – 1000 Jahre Dom zu Worms“ gestaltet, die ihr Thema weniger systematisch, als vielmehr in anregenden Ausschnitten anpackt. Es gibt grundlegende Informationen zur Baugeschichte und interessante Originale – Ornamente, Tierskulpturen –, die am Bau selbst verwitterungshalber längst durch Kopien ersetzt wurden. Das gibt dem Dombesuch manche Anregung. Der interessanteste Teil der Ausstellung befasst sich aber mit einem Bau, den es gar nicht mehr gibt, der Taufkirche des Doms, St. Johannes, die einst auf dem heute freien Platz vor dem südlichen Domquerschiff stand: ein reichgestalteter spätromanischer Zentralbau, der, wo es praktisch war, schon den gotischen Spitzbogen benutzte. Auf einem großen Bildschirm erscheint sie in zahlreichen Innen- und Außenperspektiven fast so, als wäre sie fotografiert – die Computertechnik macht’s möglich. Die virtuelle Rekonstruktion – der Raumeindruck erinnert an St. Gereon in Köln – ist seriös, weil es eine detaillierte gezeichnete Außenansicht gibt und Skizzen jeder einzelnen Wand, die ein Wormser Bauunternehmer zwar laienhaft, aber verlässlich anfertigte, als die Johanniskirche 1807 auf Abbruch versteigert wurde. Nur einige Säulen und Kapitelle sind übrig.

 

Dem, der lieber hört als schaut, bieten Kopfhörer vier historische Begebenheiten, die mit dem Dom im Zusammenhang stehen, und im Nibelungenmuseum ist als zweiter Teil der Schau der Königinnenstreit im mittelhochdeutschen Original des Nibelungenlieds zu hören – weil der sich auf der Domtreppe zugetragen haben soll.


Info

»Zwischen Himmel und Erde« – bis 14.10., Museum der Stadt Worms, Andreasstift, Weckerlingplatz 1, Di-So 10-17 Uhr. Info: www.museum-andreasstift.de.

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