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Donnerstag, 11. Oktober 2018 Drucken

Museen & Galerien

»Konstruktion der Welt« in Mannheim: Kritik des Fortschritts

Zynisches Robotertheater: „Epkot“ heißt die Installation der Beobachter der Bediener von Maschinen.

Zynisches Robotertheater: „Epkot“ heißt die Installation der Beobachter der Bediener von Maschinen. (Foto: Hardy Müller/frei)

Sowjet-Kunst: „Beim Bau neuer Werkhallen“ (1926) von Alexander Deineka.

Sowjet-Kunst: „Beim Bau neuer Werkhallen“ (1926) von Alexander Deineka. ( | Foto: A. SergeewDOPPELTERZEILENUMBRUCH)

„We do the living for you. We do the killing for you“, skandieren sechs rollende Roboter. Sie sehen aus wie die Uropas von R2-D2 aus „Star Wars“ und bilden zusammen „Epkot“, die „Experimental Prototype Killers of Tomorrow“.

Ihr Job ist es, so die Fiktion, die Sicherheit der Festung Europa zu gewährleisten und den „Tsunami der Einwanderung“ zu stoppen, indem sie Eindringlinge an den Außengrenzen des Schengen-Raums liquidieren. Was das Kollektiv „Beobachter der Bediener von Maschinen“, kurz BBM, in dieser Kombination aus Installation und Hörspiel entwickelt, mag Zukunftsmusik sein – realitätsfern ist die Vision freilich nicht.

Das bitterböse Robotertheater beschließt in der Mannheimer Kunsthalle die „Konstruktion der Welt“. Zuvor geht es, in zwei großen Kapiteln und auf zwei Ebenen des neuen Hauses, um die Frage, wie Kunst die ökonomischen Rahmenbedingungen unseres Lebens reflektiert. 250 Werke von mehr als 130 Künstlern wurden zu diesem Zweck versammelt.

Der erste, von Eckhart Gillen und Ulrike Lorenz kuratierte Teil der Schau fokussiert die Epoche zwischen den beiden Weltkriegen und erzählt in einer Art Parallelgeschichte für Deutschland, die Sowjetunion und die USA, wie der technische Fortschritt zwischen 1919 und 1939 ein neues Welt- und Menschenbild bedingt. Dabei fällt auf, dass sich, bei allen ideologischen Unterschieden, Amerika und Sowjetrussland in Sachen unkritischem Zukunftsoptimismus zunächst durchaus gleichen. In Deutschland dagegen lenken neusachliche Maler den Blick auch immer wieder auf die Schattenseiten der modernen Arbeitswelt. Ein Gemälde-Dreiklang verdichtet die unterschiedlichen Haltungen exemplarisch: Hier erhebt Charles Sheeler ein Fabrikgelände zur „Klassischen Landschaft“, dort macht der Russe Alexander Deineka zwei mit dem Bau neuer Werkhallen befasste Frauen zu Prophetinnen einer schönen neuen Welt. Dagegen erscheinen die Fabrikarbeiter auf Karl Völkers „Industriebild“ fast wie Häftlinge beim Freigang.

Am Ende des ersten Teils stehen Depression, Diktatorenkitsch und bildnerische Omen des neuen Krieges. Der zweite Teil, für den Sebastian Baden verantwortlich zeichnet, beleuchtet schlaglichtartig die globalisierte Gemengelage der Gegenwart. Und das mal eher dokumentarisch wie in der Videoinstallation von Harun Farocki und Antje Ehmann, die eine Art Weltreise zu ganz verschiedenen Arbeitsplätzen unternimmt. Mal eher verspielt, wie im Robotertheater von BBM, aus dem wir, bei aller Lust an der hier zur Schau gestellten Technik, lernen, dass die gegenwärtig denkbare Zukunft der reinste Horror ist. | Kai Scharffenberger


»Konstruktion der Welt: Kunst und Ökonomie« – 12.10.18 bis 3.2.19, Mannheim, Kunsthalle, Friedrichsplatz 4, Eröffnung: Do 11.10., 19 Uhr; geöffnet: Di-So 10-18 Uhr (Mi bis 20 Uhr); www.kuma.art

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