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Donnerstag, 31. Januar 2019 Drucken

Museen & Galerien

Isolation und Groteske: Ana Laibach & Amadeus Certa in Mannheim

Von Kai Scharffenberger

Obszöne Puppe: Ana Laibachs Gemälde „Wasser knapp“ gehört in den Kontext ihrer Radiotagebücher.

Obszöne Puppe: Ana Laibachs Gemälde „Wasser knapp“ gehört in den Kontext ihrer Radiotagebücher. (Foto: Port 25/frei)

Ana Laibach hört Radio, und das täglich.

Und während sie so Nachrichten und Musiksendungen lauscht, bringt die Künstlerin Zeichnungen zu Papier, die zu Radiotagebüchern anwachsen und nun, da Laibach zusammen mit dem jungen Maler Amadeus Certa den Mannheimer Kunstpreis der Heinrich-Vetter-Stiftung erhielt, eine Koje im Jungbusch-Kunstraum Port 25 tapezieren. Was ist in diesem gezeichneten und geschriebenen Kalendarium verzeichnet? Chinas Mondexkursion zum Beispiel. Oder Trumps „Shutdown“. Freilich sieht man nicht, wovon man liest. Denn Ana Laibach illustriert das, was via Radio in ihre private Sphäre sickert, mit einem wiederkehrenden Bestand kurioser, bisweilen obszön verrenkter, gezeichneter Stofftiere und Puppen. So entstehen merkwürdige Stillleben, die das Weltgeschehen in vermeintlicher Kinderbuchmanier kommentieren.

Eindrücke aus der Ausstellung (Bildergalerie)

Wilder und herzhafter Mix aus Asger Jorn, James Ensor und Janosch

Laibach liebt – es ist nicht zu übersehen – das Groteske. Und das nicht nur in ihren Radiozeichnungen, sondern auch in ihrer Malerei, über deren Entwicklung die Schau im Port 25 einen guten Überblick verschafft. Egal, ob man nun den „Blödmann“ von 2007 oder das „Enfant terrible“ von 2018 nimmt – die 1966 in Braunschweig geborene Künstlerin, die an der Karlsruher Kunstakademie bei Max Kaminski studierte und nun selbst an der Uni Landau lehrt, schafft es, kindlich-naive Elemente und fratzenhafte Figuren mit einer expressiven, dynamischen Bildsprache so zu verknüpfen, dass etwas Interessantes entsteht. Für alle, die Schubladen mögen, könnte man sagen: Laibachs Malerei ist ein wilder und herzhafter Mix aus Asger Jorn, James Ensor und Janosch. Wobei die Malerin neuerdings gerne – und sehr effektvoll – in nahezu informelle Gefilde abdriftet („Scheiterhaufen I“) oder zu extrem knalligen Neonfarben greift.

Einsame, isolierte Gestalten

Die zweite Position der Kunstpreis-Schau wirkt ruhiger, introvertierter. Amadeus Certa, der 1992 in Mannheim geboren wurde und 2016 sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie abschloss, setzt auf einsame Gestalten, die er am liebsten vor monochromer Fläche isoliert. Außerdem wird deutlich, dass Certa gerne Fußballer als Miniaturspieler vor erhabener Bergkulisse inszeniert. Insgesamt aber dürfte der junge Maler sein ästhetisches Profil gerne noch etwas schärfen; da ist, was stilistische Eigenart und auch technische Virtuosität betrifft, sicher noch Luft nach oben.


Info

Ana Laibach, Amadeus Certa: »Wenn Tiger schießen lernen« – bis 17.3., Mannheim, Port 25, Raum für Gegenwartskunst, Hafenstr. 25, geöffnet: Mi-So 11-18 Uhr, www.port25-mannheim.de.

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