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Donnerstag, 05. April 2018 Drucken

Museen & Galerien

Illusion und Auflösung: »Räume der Anderen II« in Landau

Von Kai Scharffenberger

Raumverfall: Stefan Bircheneders „Knusperflocke“, 2017.

Raumverfall: Stefan Bircheneders „Knusperflocke“, 2017. (Foto: frei)

Raumverschränkung: Marina Sailers „Olympus“.

Raumverschränkung: Marina Sailers „Olympus“. (Foto: frei)

Wie Künstler der Gegenwart Raum konstruieren und befragen, untersucht Landaus Städtische Galerie in einer zweigliedrigen Ausstellung.

Der finale Teil vereint neun verschiedene Positionen. Dass dabei mancher Künstler mit nur einem Werk in der Schau vertreten ist, während andere ganze Räume bespielen, führt nicht unbedingt zu einem Ungleichgewicht in der Wahrnehmung, da es gerade die Solitäre sind, welche die größte Aufmerksamkeit erregen.

 

Dies gilt insbesondere für Stefan Bircheneders unmittelbar faszinierendes Bruchbuden-Interieur „Knusperflocke“. Der 1974 in Vilshofen geborene Maler ist auf verlassene Industriehallen und Abriss-Szenarios abonniert. Mit augentäuschendem Realismus und einer handwerklichen Akribie, die verrät, dass der Künstler ursprünglich eine Ausbildung zum Kirchenmaler und Restaurator absolvierte, erschuf Bircheneder in „Knusperflocke“ eine innenarchitektonische Momentaufnahme der Vergänglichkeit. Wobei aus dem lustvoll inszenierten Einbruch chaotischen Verfalls in die noch erkennbare Ordnung der spezifische Reiz des Gemäldes erwächst.

Spiel mit Raum und Fläche

So überzeugend sind leider nicht alle „Räume der Anderen“. Franziska Schemel zum Beispiel, die mit immerhin fünf Arbeiten in Landau präsent ist, umgibt Fotografien von Unterführungen und von Tanzperformances auf Baustellen mit gemalten Flächen, die letztlich abstrakt bleiben, aber die Raumsituation der Fotos doch irgendwie aufgreifen und fortsetzen. Gedanklich ist dieses Spiel mit Raum und Fläche und dem Illusionspotenzial beider Medien gut nachvollziehbar – ästhetisch wirkt es jedoch etwas banal. Eine an sich gute Idee hatte auch Bénédicte Peyrat, indem sie die obere Rotunde der Villa Streccius mit aquarellierten Leinwänden auskleidete, die auf das Pseudo-Rokoko des Raums reagieren: Den Stuck-Rocailles der Zimmerdecke entsprechen Peyrats künstlich verblassende Figurenbilder, die den Dunst des 18. Jahrhunderts mit einem knubbelnasigen Karikaturenstil kombinieren, der an Loriot erinnert. Das ist nett und witzig – aber eben auch nicht mehr als das. Zweifel kommen einem auch vor den Gemälden Marina Sailers: Wie die Malerin Innen und Außen, Architektur und Natur, miteinander verschränkt, ist zweifellos kunstvoll – aber etwas kitschig sind diese Werke gleichwohl.

 

Unter den restlichen Arbeiten sind es zwei Bilder des Malers Lars Reiffers, an denen man hängenbleibt. Sie zeigen, in fotorealistischer Manier, museale Räume. Einmal eine historische Abteilung mit einer in Vitrinen wohlgeordneten Fülle archäologischer Objekte, einmal eine „Vater und Sohn“-Szene im Louvre von beiläufigem Charme. Beide Werke verblüffen durch technische Virtuosität. Von Reiffers hätte man, wie auch von Stefan Bircheneder, gern mehr gesehen in dieser Schau.


Info

»Die Räume der Anderen II« – bis 6.5., Landau, Städtische Galerie Villa Streccius, Südring 20, geöffnet: Di, Mi 17-20 Uhr, Do-So 14-17 Uhr; Info: Telefon 06341-898472, www.villa-streccius.de.

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