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Aus der Reihe getanzt: »Swing Heil!« in Saarbrücken

Andreas Braun und Lisa Ströckens: Swing heil!

Andreas Braun und Lisa Ströckens: Swing heil! (Foto: Kerstin Kraemer/frei)

Man kann bei der Swing-Jugend in der Nazi-Diktatur schon von musikalischem Widerstand sprechen.

Sie waren zuallermeist keine politischen Rebellen, aber sie wollten sich nicht ihren Lebensstil, ihr Outfit, ihre Musik vorschreiben, kurz sich nicht von der Nazi-Diktatur gleichschalten lassen: die Swing Kids, junge Menschen, ältere Gymnasiasten zumeist, die in den Weltkriegsjahren vor allem in den Großstädten die Haare länger wachsen ließen als die anderen, karierte Sakkos und Hüte trugen, in den Tanzcafés die eigentlich verpönte Swingmusik hörten und – alles in allem – in Abgrenzung zur Hitlerjugend amerikanische Lebensart kopierten.

 

Die Swingjugend war zunächst ein Phänomen des Hamburger Bildungs- und Großbürgertums, zeigte sich dann auch in anderen Großstädten und breitete sich vor allem ab 1943 aus, als die Oberschüler der Jahrgänge 1926 bis 1928 als Luftwaffenhelfer zum Militär eingezogen wurden.

 

Das Verhältnis der Diktatur zum Swing war amibivalent; eigentlich sollte er als „entartet“ unterdrückt werden. Dies geschah jedoch nie in letzter Konsequenz; es gab Clubs, in denen unter deutschen Fantasietiteln Musik von Benny Goodman oder Louis Armstrong gespielt wurde. Die Swingjugend war der Diktatur jedoch höchst suspekt, sie wurde verfolgt, viele junge Menschen hat man zur „Umerziehung“ in Jugendkonzentrationslager gesteckt.

 

Der Saarbrücker Schauspieler und Kabarettist Peter Tiefenbrunner hat sich mit seiner Kollegin Barbara Scheck auf die Spur der Swing-Jugend gesetzt. Zusammen schrieben sie ein dokumentarisches Theaterstück mit Live-Musik, Film- und Toneinspielungen. Lisa Ströckens und Andreas Braun zeigen den kurzen Weg von lebenshungrigen Stadtjugendlichen zu KZ-Häftlingen. Auch die beiden Autoren spielen mit. Dazu musiziert ein Jazz-Quartett.


Info

»Swing heil!«: Fr/Sa 12./13.1., 19 Uhr, Saarbrücken, Schlosskeller. Kartentelefon: 0681-506-6006. |hap

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