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Donnerstag, 08. November 2018 Drucken

LEO-Kalender

Archäologie des Lebens: »Great Tamer« in Ludwigshafen (mit Bildergalerie)

Pietà mit Astronaut: aus „The Great Tamer“.

Pietà mit Astronaut: aus „The Great Tamer“. Mehr Szenefotos in der Bildergalerie. (Foto: Julian Mommert/frei)

Schwer atmend schwebt ein Astronaut herbei, drei Nymphen oder Göttinnen beschnuppern einen splitterfasernackten Adonis, nicht minder unbekleidete Männerkörper brechen aus dem ährenbestandenen Bühnenboden hervor, im Adamskostüm tanzt Mann auf der Weltkugel und zwischendurch wird seziert.

Man kennt das Bild, das hier nachgestellt wird – es ist Rembrandts berühmte „Anatomie des Dr. Tulp“. Das alles zum guten alten Johann-Strauss-Walzer „An der schönen blauen Donau“, der hier freilich kontinuierlich verfremdet wird.

Viel Haut: Szenenbilder aus dem Tanztheater "Great Tamer"

Wahrlich außergewöhnlich

Dimitris Papaioannous Tanztheaterstück „The Great Tamer“, das 2017 in Athen Premiere feierte und nun bei den Festspielen Ludwigshafen gastiert, erschafft einen Reigen traumartiger, surrealer Bilder, die sehr merkwürdig sind, dabei aber gleichzeitig voller Verweise auf Kunst- und Kulturgeschichte stecken: Hier entsteht eine Pietà, dort klingt antiker Mythos an, eine andere Szene wiederum erinnert an Charlie Chaplins Performance in „Der große Diktator“. Insgesamt kann man „The Great Tamer“ als eine Art Archäologie des menschlichen Lebens begreifen, als eine Forschungsreise durch den Kreislauf von Geburt und Tod.

Der 1964 in Athen geborene Dimitris Papaioannou, dessen außergewöhnlich starke Bildfindungen auf akribischer Arbeit mit den Körpern der Performer basieren, gilt als einer der innovativsten Choreographen der internationalen Tanzszene. Einem größeren Publikum wurde der Grieche bekannt, als er 2004 die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Athen gestaltete.| kai


Info

Dimitris Papaioannou: »The Great Tamer« – Sa 10.11., 19.30 Uhr, Ludwigshafen, Theater im Pfalzbau, Restkarten: Tel. 0621-5042558, www.theater-im-pfalzbau.de. 

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