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Museen & Galerien

Anregend lehrreich: »Cézanne: Metamorphosen« in Karlsruhe

Roland Happersberger

Landschaft: »L’Estaque«, 1879-83.

Landschaft: »L’Estaque«, 1879-83. (Foto: Museum of Modern Art/Scala/frei)

Studie: »Jacke auf einem Stuhl«.

Studie: »Jacke auf einem Stuhl«. (Foto: Privatsammlung/frei)

Vielleicht musste er eigene Linien finden, weil er die Linien der Natur nicht leicht traf.

Das ist ein Gedanke, der einem beim Besuch der schönen Schau „Cézanne. Metamorphosen“ in der Karlsruher Kunsthalle kommen kann. Der französische Maler, 1839 geboren, erst spät anerkannt und 1906 gestorben, ist zweifellos einer der Gründerväter der Moderne, obwohl er das gar nicht sein wollte, sondern sich als Fortsetzer und Erneuerer einer jahrhundertealten Tradition sah. Das macht die Karlsruher Schau unter anderem sinnfällig, indem sie zeigt, wie viel Cézanne aus Barockgemälden im Louvre (El Greco und Rubens wetterleuchten durch manches Werk) kopierte, wie viele Gestalten er – auch, weil er nackte, modellstehende Leiber in natura scheute – aus diesen Vorlagen übernahm. Einerseits, so zeigen viele Studienblätter, suchte er die Umrisse seiner Vorlagen – viele sind zu sehen – mit zeichnenden Strichen exakt zu erfassen, andererseits transformierte er sie auf seinen Gemälden in einen vereinfachenden, zusammenfassenden, also eigentlich abstrahierenden Stil. In manchen Bildern ist das sichtlich suchend, der Betrachter fragt sich, was gewisse Techniken, den Pinsel zu setzen, sollen. Cézanne scheint auch nicht überzeugt gewesen zu sein, denn er kommt wieder davon ab. So unsicher tastend er oft zu sein scheint: In den Meisterwerken – bezwingend klaren Landschaften in Öl oder – ganz reduziert, fast zart – auf Papier und den berühmten (Apfel-) Stillleben ist ihm Eigenes, Klares, Neues gelungen.

 

Die Karlsruher Schau hat anderes im Sinn als bisherige Cézanne-Ausstellungen, die das Werk nach Gattungen getrennt – hie die Landschaft, dort das Porträt – präsentiert haben. Sie hängt ihre rund 100 zum Teil hochkarätigen Leihgaben gemischt. Der Betrachter, der sich darauf einlässt – und er wird so charmant dazu verführt, dass er kaum anders kann – entdeckt unerwartete Bezüge. Da ähneln Faltenwurf und Schatten eines über einen Stuhl geworfenen Kleidungsstücks eminent den Strukturen der Felsen und Höhlungen einer Landschaft, ja, es ließe sich überspitzt sagen, ihm wird jedes Motiv zur Landschaft. Höchst lehrreich zum Beispiel ist die Gegenüberstellung einer Seine-Uferlandschaft von Armand Guillaumin mit Cézannes Kopie. Die Szenerie ist identisch. Aber Cézanne denkt nicht daran, sich vom impressionistischen Zauber des Originals bezaubern zu lassen. Seine Fassung ist konturenreicher, flächiger, auch stumpfer in den Farben und durchaus herb. Aber auch ungemein klar und fesselnd.


Info

»Cézanne: Metamorposen« – bis 11.2.2018, Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, Hans-Thoma-Straße 2-6, Di, Mi, Fr, Sa, So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr. Infotelefon: 0721-9263359.

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