Region mit Zukunft - page 9

Heimatpflege im besten Sinne
Die Kompetenzen bündeln,
sich der eigenen Stärken be-
wusst werden und diese auch
nach außen tragen, gemein-
sam die Zukunft gestalten: In
der Westpfalz wird einiges ge-
tan, um die Region voranzu-
bringen. Auch der Innenminis-
ter von Rheinland-Pfalz, Roger
Lewentz, weiß um ihre Bedeu-
tung.
Herr Minister Lewentz, Ihr Mi-
nisterium unterstützt die West-
pfalz in vielfältiger Weise. War-
um? Mit welcher Zielsetzung?
Von der Städtebauförderung
über die Dorferneuerung bis hin
zur Konversion und dem Breit-
bandausbau sind in den vergan-
genen fünf Jahren über 1,5Milli-
arden Euro in die Westpfalz ge-
flossen. Aber in einer sich ver-
netzendenWelt geht es auch um
handlungsfähige Strukturen, ei-
ne positive Selbst- und Fremd-
wahrnehmung und weiche Fak-
toren. Sichtbar werden, gemein-
sam handeln, wissen, wohin
manwill. Das funktioniert in der
Westpfalz, dank demVerein Zu-
kunftsregion Westpfalz (ZRW)
und vieler engagierter Bürgerin-
nen und Bürger. Ganz konkret
fördert das Innenministerium
den ZRW jährlich mit 155.000
Euro.
Was erhoffen Sie sich davon?
Für gute Projekte gibt es immer
Menschen und Institutionen,
die sich engagieren oder diese
Interview: Innenminister Roger Lewentz über die Unterstützung für den Verein ZRW und die Stärken der Westpfalz
finanziell unterstützen. Aber
auch sie brauchen ein Funda-
ment, auf dem sie aufbauen
können. Kurzum, der Verein er-
möglicht, dass diese Projekte
wachsen können. Er bringt Bür-
gerinnen und Bürger zusam-
men, organisiert im Hinter-
grund und hilft, Hürden zu be-
wältigen. Er hat den nötigen
langen Atem und packt unbüro-
kratisch vor Ort an. Solche Ei-
genschaften tun einer langfristi-
gen Regionalentwicklung gut.
Sie haben auch Einblick in ande-
re Regionen und den Vergleich.
Wo sehen Sie die Westpfalz in
den nächsten Jahren?
Ich glaube zuerst einmal, dass
die Westpfalz mit dem Verein
Zukunftsregion Westpfalz auf
einem wirklich guten Weg ist.
Einen Vergleich muss niemand
scheuen. Richtung, Tempo und
Motivation ergänzen sich prima.
Die Region kommt nicht von
ganz oben, aber das wissen alle.
Ich glaube, für dieWestpfalz gilt
das Motto „Aufholen, Einholen,
Überholen“. Wenn Wirtschaft,
Verbände, Initiativen und die
politisch Handelnden weiter an
einem Strang ziehen, kann die
Westpfalz noch sehr viel errei-
chen. Es braucht immer Men-
schen, die gemeinsam vorange-
hen. Und das Gute in der West-
pfalz ist, dass niemand darauf
wartet, dass jemand von außen
kommt und sagt, was zu tun ist.
Das ist entscheidend. Je mehr
Menschen ihre Region selbst
mitgestalten, umso erfolgrei-
cher ist diese letztlich.
Viele wissen gar nicht, welche
Job-Möglichkeiten es in der
Westpfalz eigentlich gibt. Was
kann eine Region dagegen unter-
nehmen?
Ein gutes Beispiel hierfür ist die
internationale Schule, ein wirk-
licher Standortvorteil.
Sie
kommt nicht nur den vielen in-
ternational ausgerichteten Un-
ternehmen zugute, sondern
auch den am Nato-Standort
Ramstein beschäftigten auslän-
dischen Experten. So etwas
kann am Ende ausschlaggebend
sein imWettbewerb umdie bes-
ten Köpfe.
Die Westpfalz ist auch mit den
Hochschulen, Forschungsinstitu-
ten und vielen Unternehmen in
Sachen Digitalisierung schon gut
aufgestellt. Ist das das Zukunfts-
thema der Region?
In puncto Digitalisierung ist die
Westpfalz richtig stark. Wir un-
terstützen dabei nach Kräften.
Einerseits unterstützen wir mit
dem Breitband-Kompetenz-
zentrum auch in der Westpfalz
die Kommunen und Landkreise
beim Breitbandausbau durch
Beratung und Fördermittel in
Millionenhöhe,
andererseits
setzen wir auch auf Projekte, die
die neuen Kapazitäten nutzen
können. Die „herzlich digitale
Stadt“ und die „Digitalen Dör-
fer“ zeigen mir, dass sich in der
Westpfalz technisches Know-
how und das Gefühl für das
Sinnvolle und Machbare verbin-
den. Neues muss im Alltag hel-
fen. So hat der Verein ZRW be-
reits frühmit Unterstützung des
Landes freie WLan-Angebote in
Innenstädten auf den Weg ge-
bracht und sich zuletzt mit für
die Mobilfunkversorgung im
ländlichen Raum eingesetzt.
Derzeit ist der Begriff „Heimat“
in aller Munde. Wie passen inno-
vative Regionalentwicklung und
„Heimat“ zusammen?
Ich persönlich verbindemit dem
Begriff „Heimat“ sehr viel Positi-
ves. Rheinland-Pfalz ist meine
Heimat. Der Rhein, dieMittelge-
birge, die unterschiedlichen Re-
gionen, darunter die Westpfalz.
Die Heimat aktiv weiterzuent-
wickeln, bedeutet für mich Hei-
matpflege im besten Sinne. Ge-
nau diese betreibt der Verein
Zukunftsregion Westpfalz. Dort
werden behutsam aus der Regi-
on heraus an den richtigen Stel-
len Veränderungen herbeige-
führt, damit die Westpfalz auch
in Zukunft lebendig, lebens-
und liebenswert bleibt.
|msw
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Samstag, 24. März 2018
DIE RHEINPFALZ
| Seite 9
Verein Zukunftsregion Westpfalz
Die Westpfalz hat viele reizvolle Seiten. Hier ist der Blick vom Luitpoldturm im Landkreis Südwestpfalz zu sehen.
FOTO: STEFAN ENGEL/FREI
Roger Lewentz, rheinland-
pfälzischer Innenminister
FOTO: MDI RLP/TORSTEN SILZ/FREI
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