Region mit Zukunft - page 8

Mobilfunknetz in der Region enger knüpfen
Schwarze Löcher? Weiße Fle-
cken?Wieman es auch nennen
mag, ärgerlich ist das Phäno-
men ja ohne jeden Zweifel.
Dass im Zuge fortschreitender
Digitalisierung die Mobilfunk-
versorgung nicht an Bedeu-
tung verliert, dürfte unstrittig
sein.Wennnun dasMobilfunk-
netz in der Region in naher Zu-
kunft enger geknüpft wird, ist
dies das Resultat einer gemein-
samen Initiative der Planungs-
gemeinschaft Westpfalz und
des Vereins ZRW.
Die Bundesregierung will in Sa-
chen digitaler Infrastruktur er-
klärtermaßen an die Weltspitze
preschen. Da gibt es wohl noch
einiges zu tun. In dem Dörfchen
Friedelhausen im Kuseler Land
war vor wenigen Jahren noch
der Datenfluss derart zäh, dass
sich komplexe Internet-Seiten
erst gar nicht aufbauten, Nutzer
beim Surfen zwischenzeitlich
anderweitig Zerstreuung su-
chen konnten. Das hat sich in-
zwischen grundlegend geän-
dert. Aber: Wer mit dem Smart-
phone außerhalb eines lokalen
Netzes agiert und auf Funk setzt,
hat keine Chance.
„Der Breitband-Ausbau wird
ja bereits mit erheblichem För-
dermitteleinsatz von Bund und
Ländern flächendeckend voran-
getrieben“, stellt Arne Schwöbel
fest. Während aber nun alles
über Breitband spreche, passie-
re in puncto Mobilfunk wenig.
„Dabei liegt im mobilen Bereich
die Zukunft der Internetnut-
zung“, weiß der Projektmanager
des Vereins Zukunftsregion
Westpfalz. Umso ärgerlicher sei
es, dass „man in einigen Teilen
der Region nicht mal vernünftig
mobil telefonieren kann“.
Friedelhausen ist – neben Un-
terjeckenbach und Kappeln – ei-
ner von drei weißen Flecken im
Westpfälzer Initiative liefert Impuls zu flächendeckendem Ausbau – Viele Lücken mit Inlandsroaming zu schließen
Kreis Kusel. Weitere finden sich
in der Südwestpfalz (Wiesbach)
und in Zweibrücken (im Stadt-
teil Wattweiler), auch im Don-
nersbergkreis
(Reichtsthal,
Rathskirchen, Rudolfskirchen)
und imLandkreis Kaiserslautern
(Karlstal, Frankelbach und Lang-
wieden). In diesen Orten gibt es
praktisch keinen Empfang. Und
in vielen weiteren ist er denkbar
schlecht.
Dies haben der ZRW und die
Planungsgemeinschaft West-
pfalz bei einer Untersuchung
herausgefunden. Und gehan-
delt: Dass das Thema aufs politi-
sche Tapet kommt, ist einer In-
itiative der Westpfälzer zu ver-
danken. Den Stein hat übrigens
der neue Landrat des Donners-
bergkreises, Rainer Guth, ange-
stoßen, wie ZRW-Geschäftsfüh-
rer Hans-Günther Clev erklärt.
BeimMobilfunk-Empfang Ab-
hilfe zu schaffen, sei gar nicht so
schwer – zumindest was die
technische Seite betrifft. Roa-
ming ist das Stichwort. „Das gibt
es ja schon – etwa beim Notruf“,
erläutert Schwöbel. Und es ist
bei Auslandsaufenthalten ja
mittlerweile gang und gäbe. Te-
lefoniert man im europäischen
Ausland, springt der Empfang
zwischen verfügbaren Netzen,
sucht das Gerät jenes mit der
mutmaßlich höchsten Signal-
stärke. Auch zwischen hierzu-
lande bestehenden Netzen lässt
sich mit SIM-Karten aus dem
Ausland springen. Dass Einhei-
mischen diese Chance verwehrt
ist, hängt indes anwettbewerbs-
und kartellrechtlichen Hürden.
Wenn nun die rechtlichen
Hürden in den kommenden Jah-
ren genommen werden, hängt
dies mit einer Initiative zusam-
men, die Akteure aus der West-
pfalz auf den Weg gebracht ha-
ben. Inlandsroaming soll die Si-
tuation auch in derWestpfalz er-
heblich verbessern. Zwar sind
die Netzbetreiber bereits dazu
verpflichtet,
flächendeckende
Versorgung zu leisten. Sie errei-
chen aber die geforderte Nutz-
eranzahl, indem sie die Städte
und Ballungszentren gut aus-
statten. „Aber noch nicht mal da
ist die Versorgung bei 100 Pro-
zent der Bevölkerung gewähr-
leistet“, weiß Clev. Auf demWeg
dahin hat die Bundesregierung
angekündigt, fünf Modellregio-
nen mit neuestem Mobilfunk-
standard auszustatten, um dort
modernste Technologie zu tes-
ten undweiterzuentwickeln. „Es
wäre natürlich schön, wenn wir
von solch einem Projekt profi-
tieren könnten“, hofft Hans-
Günther Clev.
|cha
Roaming-Fürsprecher erhebt Stimme in Berlin
Den Stein angestoßen hat der
neue Landrat imDonnersberg-
kreis. Ihn ins Rollen zu brin-
gen, das hat letztlich der Ver-
ein Zukunftsregion Westpfalz
(ZRW) geleistet. Dessen Bemü-
hungen resultierten auch dar-
in, dass nun ein Fürsprecher
der Initiative zum Inlands-Ro-
aming an genau der richtigen
Stelle in Berlin seine Stimme
erhebt.
„Wir haben ja schnell gemerkt,
dass da nur auf bundespoliti-
scher Ebene etwas auszurichten
ist“, sagt Hans-Günther Clev
rückblickend. Also hat der ZRW-
Geschäftsführer mit dafür ge-
Bundestagsabgeordneter Herzog macht sich im Ausschuss „Digitale Agenda“ für Thema stark
sorgt, das Anliegen an die Abge-
ordneten des Bundestages he-
ranzutragen. Der ZRW und der
Verband
Metropolregion
Rhein-Neckar haben die 31
Bundestagsabgeordneten der
Region angeschrieben. Zumin-
dest eine Handvoll habe darauf
reagiert, konstatiert Clev. Einer
aber habe umgehend die Initia-
tive ergriffen und sich gleich an
die Bundesnetzagentur ge-
wandt: Der SPD-Bundestagsab-
geordnete Gustav Herzog hat
Nägel mit Köpfen gemacht und
die Fachleute um Stellungnah-
me zu dem Vorschlag gebeten.
Klar ist seither, dass es nicht
ganz so einfach ist, den „Schal-
ter umzulegen“ und Roaming –
also das stete Wechseln zwi-
schen den Netzen hin zum je-
weils signalstärksten – auch im
Inland zu ermöglichen. Was da-
bei technisch kein größeres
Problem darstellt, birgt rechtli-
che Hürden.
Trotzdem: Denkbar sei sehr
wohl, die damit verbundenen
kartellrechtlichen Hindernisse
zu überwinden. So hatte es in
der Antwort an Herzog gehei-
ßen. Und inzwischen hat sich
einiges getan: Eine deutliche
Willenserklärung dazu ist im
Koalitionsvertragen der neuen
Bundesregierung festgeschrie-
ben. Gustav Herzog selbst kann
nun an richtiger Stelle darauf
pochen, dass die Ziele weiter-
verfolgt werden. Denn jetzt ist
der Zellertaler Politiker auch im
Beirat der Bundesnetzagentur
angekommen. Der Sozialdemo-
krat sitzt imAusschuss „Digitale
Agenda“ und übernimmt damit
Mitverantwortung für die Breit-
bandversorgung. Dabei soll der
Fokus auch verstärkt auf die
Funkübertragung gelegt wer-
den. Herzog verspricht denn
auch, sich in seiner Funktion als
Beirat „für eine zeitnahe und
kostengünstige Bereitstellung
von flächendeckendem mobil-
funk- und kabelgebundenem
Breitband“ einzusetzen.
|cha
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Seite 8 |
DIE RHEINPFALZ
Samstag, 24. März 2018
Verein Zukunftsregion Westpfalz
Überall ungestört telefonieren: Künftig soll Inlandsroaming den Mobilfunkempfang auch in der
Westpfalz verbessern.
FOTO: STUDIOLAMAGICA/STOCK.ADOBE.COM
Dank der westpfälzischen Initi-
alzündung hat das Thema Mo-
bilfunkversorgung in ländlich
geprägten Regionen sogar Ein-
zug in den Koalitionsvertrag der
Bundesregierung gehalten. Dar-
in ist unter der Überschrift „An
die Weltspitze im Bereich der
digitalen Infrastruktur“ unter
anderem vereinbart:
„Wir forcieren den Ausbau
der Mobilfunkversorgung (...).
Die Frequenzpolitik und die (...)
Festlegungen der Regulierungs-
behörde müssen sicherstellen,
dass es zu einer verlässlichen
und lückenlosen Mobilfunkver-
Bundesregierung verspricht Mobilfunkausbau
sorgung insbesondere im länd-
lichen Raum kommt. Um den
Ausbau in bisher unterversorg-
ten Gebieten wirtschaftlicher
zu machen, wollen wir den Mo-
bilfunkanbietern für ein natio-
nales Roaming durch entspre-
chende Änderungen im Tele-
kommunikations- und Kartell-
recht Absprachen erlauben.
Die Lizenzvergabe werden
wir mit Ausbauauflagen kombi-
nieren (...). Es muss die Vorgabe
gelten: Neue Frequenzen nur
gegen flächendeckende Versor-
gung. Denn innovative, zu-
kunftsfähige Mobilitätsangebo-
te werden gerade für Menschen
im ländlichen Raum nur mög-
lich sein, wenn eine Versorgung
mit der neuesten Mobilfunk-
technologie (5G) an Bundes-
fernstraßen und in zeitlicher
Perspektive abgestuft auch im
nachgeordneten Straßennetz
und an allen Bahnstrecken si-
chergestellt ist. (...) Wir werden
bestehende Funklöcher und
weiße Flecken beim Mobilfunk
und mobilem Internet zügig
schließen und dazu mit den
Ländern und den Mobilfunkan-
bietern eine bundesweite Ge-
samtstrategie erarbeiten.
|cha
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Als Mitglied imVerkehrsaus-
schuss macht sich Gustav Her-
zog gern vor Ort ein Bild. Sein
Augenmerk gilt auch verstärkt
der Digitalisierung.
FOTO: HAMM
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