Region mit Zukunft - page 20

Auf dass der Nachwuchs die Karrierechancen vor Ort erkenne
Für Fachkräftesicherung gibt
es kein Patentrezept. In vielen
Regionen der Bundesrepublik
sind deshalb individuell zuge-
schnittene Projekte, Initiati-
ven und Netzwerke entstan-
den. In der Westpfalz widmet
sich der Verein ZRWdem The-
ma. Eine Partnerschaft mit
dem Innovationsbüro Fach-
kräfte für die Region soll dem
Verein jetzt weitere Anstöße
geben.
Die letzte Befragung der Stu-
dierenden andenbeidenHoch-
schulen der Westpfalz brachte
ein – leider – nicht unerwarte-
tes Ergebnis. Mit der Stadt und
dem Umfeld waren die Nach-
wuchskräfte sehr zufrieden,
ZRW geht Entwicklungspartnerschaft mit dem in Berlin ansässigen Innovationsbüro Fachkräfte für die Region ein
aber bei der Einschätzung der
Karrierechancen in der West-
pfalz gab es schlechte Noten.
„Symptomatisch“, nennt ZRW-
Projektmanager Arne Schwö-
bel dies: „Das Image ist weit
von der Realität entfernt. Die
Unternehmen hier suchen
händeringend Fachkräfte und
Führungspersonal.“ Der Nach-
wuchs konzentriere sich aber
auf die Metropolen und erken-
ne die Karrierechancen vor Ort
nicht.
Der für den ZRW besonders
interessanten Frage, wie eine
Region und ihre Unternehmen
sich bekannter machen kön-
nen bei Jugendlichen, wie sie
diese Zielgruppe erkennen und
gezielt ansprechen können,
widmete sich imNovember be-
reits eine Tagung in Kaiserslau-
tern. Auch 2018 ist das Thema
ein Arbeitsschwerpunkt des
Innovationsbüros Fachkräfte
für die Region. Dieses Büro ist
beimDeutschen Industrie- und
Handelskammertag in Berlin
angesiedelt. Es wird mit Mit-
teln des Bundesministeriums
für Arbeit und Soziales finan-
ziert. In der Datenbank des Bü-
ros war der ZRW bereits länger
vertreten, seit Dezember ist die
sogenannte Entwicklungspart-
nerschaft nun offiziell besie-
gelt.
Interessante Impulse habe
bereits ein Austausch mit einer
Initiative imEmsland gebracht,
erzählt Schwöbel. „Die Region
steht vor vergleichbaren Her-
ausforderungen,
allerdings
wird dort schon deutlich län-
ger auf regionaler Ebene zu-
sammengearbeitet.“ Der ZRW
seinerseits sei ein Beispiel da-
für, quasi von Null ein Netz-
werk aufgebaut zu haben, das
sich sowohl durch politische
Unterstützung als auch Enga-
gement aus derWirtschaft her-
aus auszeichne.
Man sei sich bewusst, „dass
es Regionen gibt, die mit mehr
Ressourcen arbeiten können
als wir“, sagt Schwöbel. Doch
das Fachbüro habe eine große
Erfahrung und biete, kostenlos
für die Partner, gute Veranstal-
tungen und Service an, den es
zu nutzen gelte.
|kgi
Ein Beispiel macht Schule
Ein Verein, der antritt, Wirt-
schaft, Wissenschaft, Politik
und Forschung zu verzahnen,
damit die Potenziale seiner
Region sichtbarer werden
und ihr Stellenwert nach in-
nen wie nach außen gehoben
wird. Was in der Westpfalz
der ZRW ist, fehlte im Saar-
land bisher. Nun hat sich in
Saarbrücken ein Netzwerk ge-
gründet und dabei genau in
Richtung Pfalz geschaut.
Wirtschaftsregion Saarbrü-
cken, kurz Wirs, nennt sich der
am 18. Januar gegründete Ver-
ein. Noch stecke man in den
Kinderschuhen, erzählt Lukas
Köppen, Wirs-Geschäftsführer
und Regionalentwickler im Re-
gionalverband Saarbrücken.
Gerade erst sei beispielsweise
die Internetpräsenz fertigge-
stellt.
Angetreten ist das Netzwerk,
um gemeinschaftlich die Wirt-
schaftskraft und damit die Zu-
kunft der Region zu sichern. Es
geht um die Schaffung und Si-
cherung von Arbeitsplätzen,
die Nutzung der Kompetenzen
aus Wissenschaft und For-
schung für mittelständische
Unternehmen und die Erhö-
hung des Bekanntheitsgrads
der Wirtschaftsregion außer-
halb des Saarlandes und eben-
so um die Steigerung der Le-
bensqualität, kurze Entschei-
dungswege und die Grenzen
überschreitende Kooperatio-
nen.
Um dieses Ziel zu erreichen,
werde der Verein regionale
Wirtschaftsakteure zusam-
menführen, ihnen eine Platt-
form zum gegenseitigen Aus-
tausch bieten und Synergien
schaffen, letztlich zweckdienli-
che Projekte initiieren, unter-
Neues Netzwerk in Saarbrücken nimmt sich den Verein Zukunftsregion Westpfalz zum Vorbild
stützen oder selbst durchfüh-
ren. „Über die Verzahnung von
Wirtschaft, Wissenschaft, For-
schung, Politik und Verwal-
tung soll derWirtschaftsstand-
ort der Region Saarbrücken at-
traktiver, bekannter und auch
außerhalb des Saarlandes
sichtbarer gestaltet werden.
Wir verstehen uns als Kontakt-
stelle zwischen Wirtschaft,
Wissenschaft und Forschung,
Kreditwirtschaft und Politik
sowie als Impuls- und Ideenge-
ber für die positive Entwick-
lung und zukunftsorientierte
Gestaltung unserer Region“,
wirbt Wirs.
Es ist kein Zufall, dass dieser
Ansatz sich wie eine Zusam-
menfassung der Arbeit liest,
die der ZRW seit 2012 leistet.
Die saarländische Initiative hat
sich die Westpfälzer zum Vor-
bild genommen, wie Köppen
berichtet. „Wir haben auch Bei-
spiele aus Hannover und der
Metropolregion Rhein-Neckar
analysiert“, blickt Köppen auf
die Zeit der Vorbereitungen zu-
rück. „Doch die Struktur der
Westpfalz, die Herausforde-
rungen vor denen die West-
pfalz steht, und die Lösungen,
die gefunden wurden, passen
am besten auf unsere Situati-
on.“
Wie die Westpfalz mit Kai-
serslautern sei die Region Saar-
brücken (der Regionalverband
umfasst zehn Städte und Ge-
meinden und hat 330.000 Ein-
wohner) durch ein Zentrum
gekennzeichnet, in dem sich
die Wirtschaftskraft bündelt.
Die klassische Wirtschaftsför-
derung mit Unternehmensak-
quise und Flächenvermarktung
sei etabliert, zu kurz komme je-
doch das Standortmarketing,
die Kommunikation von Wirt-
schaft, Wissenschaft und For-
schung beispielsweise.
Für ZRW-Geschäftsführer
Hans-Günther Clev war es kei-
ne Frage, den Saarländern be-
hilflich zu sein. Fragen zur Sat-
zung, Tipps fürs Organisatori-
sche, Erfahrungen bei der Pro-
jektauswahl – Clev stand für
einen intensiven Austausch be-
reit. „Wirs ist für den ZRW kei-
ne Konkurrenz“, betont Clev
und ergänzt: „Auchwir werden
ja von der Metropolregion
Rhein-Neckar beraten.“ Was
etwa die Wirtschaftsstruktur,
den Arbeitsmarkt und die Be-
völkerungsentwicklung ange-
he, sei die Wirtschaftsregion
Saarbrücken der Westpfalz na-
he. Perspektivisch seien daher
Kooperationen nicht ausge-
schlossen, sagt Clev. „Die Hand
ist ausgetreckt.“
Das benachbarte Saarland
hat der ZRW schon länger im
Blick. So kommen einige Mit-
glieder des Vereins aus diesem
Bundesland. Für Unterneh-
men, aber auch für Tagesaus-
flügler und Touristen spielen
Grenzen zudem ohnehin keine
Rolle.
|kgi
Der Gründungsvorstand des Ver-
eins Wirtschaftsregion Saarbrü-
cken besteht aus juristischen Per-
sonen. Diese sind Creditreform
Saarbrücken Dr. Uthoff KG, Ianeo
Solutions GmbH, Landeshaupt-
stadt Saarbrücken, Markus Zieg-
ler Steuerberatungsgesellschaft
mbH, Mittelstadt Völklingen,
MType media GmbH, Regional-
verband Saarbrücken, Sparkasse
Saarbrücken, TÜV Nord Bildung
GmbH & Co. KG und Bildungs-
zentrumVölklingen. Zu den
Gründungsmitgliedern gehören
außerdem die Data One GmbH
und die Klaus Faber AG.
|kgi
ZUR SACHE
Die Wirs-Gründer
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Seite 20 |
DIE RHEINPFALZ
Samstag, 24. März 2018
Verein Zukunftsregion Westpfalz
Arne Schwöbel (links) und Jan
Kuper vom Innovationsbüro
mit der Partnerschaftsurkun-
de.
FOTO: BIENE/FREI
Das erste Bild von Wirs: Die Gründungsinitiatoren mit dem unterzeichneten Gründungsdokument.
In der Mitte Peter Gillo, Direktor des Regionalverbandes Saarbrücken.
FOTO: KÖPPEN/FREI
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