Region mit Zukunft - page 18

„Mit Pfunden wuchern“
Die Vielseitigkeit des Land-
kreises Kaiserslautern bildet
ein Kalender ab, den die Kreis-
verwaltung aufgelegt hat. Der
Grund: Der Landkreis feiert in
diesem Jahr sein 200-jähriges
Bestehen. Ralf Leßmeister
sitzt seit Anfang Dezember auf
demStuhl des Landrats. ImGe-
spräch erzählt er von bevorste-
henden Aufgaben und wenig
herausgestellten Potenzialen.
Ihr Büro ist hell, die Aussicht
schön.
Ja, mein Blick fällt schnur-
stracks auf unser eingehülltes
Kreisgebäude,
die Baustelle
(lacht). Zweiwöchentlich wird
der Zeit- und Kostenplan ge-
prüft.
Damit sind wir bei den „Baustel-
len“ des Landkreises angekom-
men.
Richtig, mein Vorgänger hat mir
als symbolischen Staffelstab ein
Leerrohr für den Breitbandaus-
bau übergeben, den ich immer
vor Augen habe. Eines unserer
wichtigsten Projekte für 2018.
Wie sieht es aktuell damit aus?
Wir sind in der Phase der euro-
paweiten Ausschreibung, die
Markterkundungsphase bezüg-
lich der unterversorgten Berei-
che ist abgeschlossen. Ich rech-
ne damit, dass wir im Spät-
herbst mit den Bauarbeiten be-
ginnen können. 3888 Haushal-
te, 101 Unternehmen und 81 In-
stitutionen werden in das Aus-
bauszenario einbezogen. Es soll
ein Glasfasernetz mit einer Län-
ge von rund 380 Kilometern
verlegt werden. Der Kostenauf-
wand wird bei etwa 6,5 Millio-
nen Euro liegen. Es gibt noch ein
weiteres Programm für den
Schulausbau. Im Kreis sollen 41
von 49 Schulen, von der Grund-
schule bis zumGymnasium, ans
schnelle Internet angebunden
werden. Das wurde mit rund
zwei Millionen Euro beziffert.
Das sind hohe Summen. Wer
Interview: Ralf Leßmeister, Landrat des Landkreises Kaiserslautern, sieht große Potenziale in der Region
trägt die Kosten dafür?
Es gibt ein Förderprogramm –
das sogenannte Kommunale In-
vestitionsförderprogramm 3.0,
mit dem wir auf Zuschüsse in
Höhe von 90 Prozent zurück-
greifen können. Der Bund trägt
50, das Land 40 Prozent. Bei den
Schulen muss der Träger den
Rest zahlen, also Landkreis, Ver-
bandsgemeinde und die priva-
ten Schulträger.
Welche anderen Themen stehen
auf Ihrer Agenda?
Intern sind wir, was die Beleg-
schaft angeht, dabei, sie weiter
zu entwickeln. Um unseren gu-
ten Stand zu halten, müssenwir
perspektivisch denken und im
Hinblick auf den demografi-
schen Wandel Leitungsfunktio-
nen und Führungskräfte auf-
bauen. Wir versuchen darauf
Einfluss zu nehmen, indem wir
vorausschauend planen und
junge Mitarbeiter fördern. Au-
ßerdem werden wir dieses Jahr
zwei zusätzliche neue Ausbil-
dungsplätze schaffen, sodass
wir insgesamt drei Anwärter für
den gehobenen Verwaltungs-
dienst und drei Auszubildende
zu Verwaltungsfachangestell-
ten einstellen werden.
Wie geht die Sanierung des
Kreisgebäudes voran?
Wir sind etwa zwei Wochen
hinter demZeitplan, aber das ist
kompensierbar. Unsere Zielpla-
nung liegt bei Anfang 2019. Ob
wir dieses anspruchsvolle Ziel
halten können, hängt von der
Witterung und eventuell einge-
henden Bieterklagen ab.
Werden Sie dann umziehen?
Ja, hier im Gebäude der Stadt-
werke Kaiserslautern habe ich
auch eine schöne Aussicht, aber
die Vorteile der kurzen Wege
und der dann wieder zusam-
mengeführten Verwaltungsein-
heiten im Kreisgebäude über-
wiegen. Zurzeit sind wir ja auf
sieben Standorte verteilt, da
gibt es schon einige Reibungs-
verluste und räumliche Kom-
promisse.
Apropos Standort: Wie schätzen
Sie die Bedeutung des Vereins
Zukunftsregion Westpfalz
(ZRW) ein?
Der Verein ist ein wichtiger Zu-
sammenschluss für unsere re-
gionalen Gebietskörperschaf-
ten. Wir haben gemeinsame In-
teressen, nämlich unsere Regi-
on in vielfältigen Bereichen zu
stärken, noch intensiver zusam-
menzuarbeiten und uns auszu-
tauschen. Es gilt hierbei, die Ak-
tivitäten zu bündeln und nach
außen geschlossen aufzutreten.
Und es geht vor allem darum,
auf dieQualitäten derWestpfalz
als Region hinzuweisen und
diese nach außen zu tragen.
Wo sehen Sie großes Potenzial?
Zum Beispiel im Tourismus. Da
haben wir noch Nachholbedarf
gegenüber der Weinregion Vor-
derpfalz. Wir können mit ande-
ren Pfunden wie zum Beispiel
unser großartigen Waldregion,
einem gut ausgebauten Rad-
und Wanderwegenetz und un-
seren Naturdenkmälern wu-
chern.
Sehen Sie eine positive Entwick-
lung bezüglich der Wirtschaft?
Wir erhalten zunehmend An-
fragen von Unternehmen aus
der Rhein-Neckar-Region und
stellen mithin eine Verlagerung
des Ansiedlungsinteresses in
unsere Region fest. Interessiert
sind vor allem Logistikunter-
nehmen, die sich an der A 6 und
der A 63 orientieren. DesWeite-
ren begleitet unsere Wirt-
schaftsförderungsgesellschaft
derzeit eine so genannte Poten-
zialanalyse für Industrie- und
Gewerbeflächen in interkom-
munaler Zusammenarbeit mit
der Stadt.
Wie sieht es mit Kooperationen
mit dem Landkreis Kusel oder
dem Donnersbergkreis aus?
Derzeit sind wir an der gemein-
samen Planung für das „Auto-
freie Lautertal“. Darüber hinaus
sind wir als zuständige Ret-
tungsdienstbehörde auch für
den Rettungsdienst in den
Landkreisen Kusel und Don-
nersberg zuständig. Weitere
Kooperationsprojekte sind an-
gedacht. Ungeachtet dessen
fehlt es mir jedoch an einer
identitätsstiftenden gemeinsa-
men Kampagne. Hier könnten
beispielsweise der Bezirksver-
band Pfalz und der ZRW unter-
stützen. Wie bereits erwähnt,
fällt die Westpfalz in der öffent-
lichen Wahrnehmung etwas
hinten runter. Das müsste nicht
sein. Der ZRW hat beispielswei-
se den „Tag der Westpfalz“ ver-
anstaltet. Das ist ein guter An-
satz.
Wie schätzen Sie die Stellung des
Vereins ein?
Er ist sehr wichtig, sein Tun er-
folgt interkommunal und er
animiert dazu, über das Kirch-
turmdenken hinauszugehen.
Der Pfalz-Tourist orientiert sich
ja bekanntlich auch nicht an
Landkreis- oder Stadtgrenzen.
Das verinnerlicht der ZRW.
Wie sehen Sie die Rolle der West-
pfalz in Rheinland-Pfalz?
Da müssen wir unsere Kompe-
tenzen und Pfunde stärker her-
ausstellen.
Die Vorderpfalz
macht das sehr deutlich und
medienwirksam. Wir müssen
da noch stärker in die Offensive
gehen. Wir brauchen ein ein-
heitliches Auftreten und eine
Marktstrategie, die Pfälzerwald,
Mountainbiking, Wandern, Na-
turdenkmäler und unsere Se-
henswürdigkeiten stärker be-
spielt. Das könnte der ZRWviel-
leicht koordinierend überneh-
men.
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Seite 18 |
DIE RHEINPFALZ
Samstag, 24. März 2018
Verein Zukunftsregion Westpfalz
Misst dem Breitbandausbau eine hohe Bedeutung bei und schätzt die Vielfalt derWestpfalz: Landrat
Ralf Leßmeister in seinem Interimsbüro mit Leerrohren für schnelles Internet, dem Jubiläumskalen-
der vor sich und einem Rollup im Hintergrund.
FOTO: KLEIN
Der Landkreis Kaiserslautern
feiert in diesem Jahr sein 200-
jähriges Bestehen. Hierfür
sindmehrere Veranstaltungen
und auch ein Jubiläumswo-
chenende in der zweiten Jah-
reshälfte geplant. Die Details
dazu werden noch festgelegt
und bekanntgegeben.
Ralf Leßmeister ist der 16.
Landrat des am 1. April 1818
gegründeten „Landcommisa-
riats“, dessen Gebiete mit den
heutigen nicht mehr überein-
stimmen. 1900 wurde der da-
malige Kanton Winnweiler
mit seinen 23 Gemeinden aus-
gegliedert. Zwanzig Jahre spä-
Zur Sache: 200 Jahre Landkreis Kaiserslautern
ter wurden die 33 Gemeinden
des Kantons Landstuhl dem
Landkreis Kaiserslautern zu-
geführt. Im selben Jahr erhielt
die Stadt Kaiserslautern den
Status einer kreisfreien Stadt
und schied somit aus dem Zu-
ständigkeitsbereich des Land-
kreises aus.
Im Zuge der Verwaltungsre-
form von 1969 bis 1972 wur-
den zahlreiche Gemeinden zu-
sammengeschlossen und
neun Verbandsgemeinden ge-
bildet. Im Zuge der laufenden
Gebietsreformsind daraus sie-
ben geworden, die sich bis
Sommer 2019 voraussichtlich
auf fünf dezimieren. Heute
zählt der Landkreis 50 Kom-
munen, indenen rund105.000
Einwohner leben. Etwa 20.000
Angehörige der militärischen
Streitkräfte kommen hinzu.
Anlässlich des 200-jährigen
Bestehens wurde ein Monats-
kalender gedruckt, der nicht
käuflich zu erwerben ist, und
sieben Rollups. Jede der sieben
Verbandsgemeinden hat ein
solches Banner mit charakte-
ristischen Fotomotiven erhal-
ten. Sie sind in den Verwaltun-
gen zu sehen, werden aber
auch bei feierlichen Anlässen
auf Bühnen präsentiert.
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