Region mit Zukunft - page 10

„Wichtiger Partner von Staat und Politik“
Die Institution beruht auf „Kö-
niglicher Allerhöchster Ver-
ordnung“: Bayern-König Lud-
wig I. war es, der mit einem Fe-
derstrich den Grundstein für
die Handelskammern gelegt
hat. Besagte Verordnung hatte
der Regent im Jahre 1842 erlas-
sen. Im Jahr darauf ist in Kai-
serslautern die Kammer für
die Pfalz entstanden. Grund
genug für die heutige IHK
Pfalz, den 175. Gründungstag
zu feiern.
Die erstenAnsätze dazu, eine In-
teressenvertretung von Handel-
und Gewerbetreibenden zu eta-
blieren, gab es schon länger. Be-
reits ein Vierteljahrhundert zu-
vor waren Überlegungen dazu
angestellt worden, die Bemü-
hungen allerdings liefen zu-
nächst ins Leere. Bei der königli-
chen Regierung stießen die Plä-
ne auf wenig Gegenliebe. Dies
aber sollte sich ändern: Im Jahr
1842 war der Weg frei: Am 19.
September 1842 erließ König
Ludwig I. die „Königliche Ver-
ordnung“, die der Gründung von
zunächst sieben Handelskam-
mern auf bayerischem Hoheits-
gebiet die Bahn ebnete. Bayern
war damit der erste deutsche
Staat, der eine allgemein gültige
rechtliche Regelung des Han-
delskammerwesens einführte.
Die Daten und historischen
Hintergründe hat die IHK Pfalz
anlässlich ihres Jubiläums zu-
sammengetragen und veröf-
fentlicht. Sie widmet ihrer Ge-
schichte auch mehrere Kapitel
in ihrem Magazin und infor-
miert zudem auf ihrer Internet-
präsenz über die eigene Ge-
schichte. Zu entnehmen ist den
Aufzeichnungen, dass sich der
genaue Gründungstag in gut
Industrie- und Handelskammer Pfalz feiert 175. Gründungsjubiläum – Als Selbstverwaltung der Wirtschaft etabliert
fünf Wochen jährt: Der 30. April
1843 ist das mithin wichtigste
Datum. An jenem Tag des Jahres
1843 hatten sich 15 Kaufleute
und Fabrikanten aus der gesam-
ten Pfalz in Kaiserslautern ver-
sammelt, um ihre Interessen-
vertretung aus der Taufe zu he-
ben.
Der König selbst hatte die ers-
ten Mitglieder bestimmt, die
sich zur konstituierenden Sit-
zung im Ratssaal des Stadthau-
ses von Kaiserslautern einge-
funden hatten. Wenn auch die
IHK Pfalz heute ihren Hauptsitz
am Rhein hat, so stand die Wie-
ge doch in der Westpfalz.
Bei der Gründungsversamm-
lung war es laut IHK-Darstel-
lung allererste Amtshandlung
der Gründungsväter, eine Dan-
kesadresse an den König zu ver-
fassen. Namens des gesamten
pfälzischen Handels- und In-
dustriestandes äußerten die 15
Unternehmer ihre Genugtuung
darüber, dass sie ihre Interessen
künftig gebündelt wahrnehmen
durften. Damit war der Grund-
stein für eine Selbstverwaltung
der Wirtschaft gelegt.
König Ludwig I. war es, der
Kaiserslautern als Standort für
die Kammer der Pfalz auser-
wählt hatte. Das scheint kaum
verwunderlich, war doch die
Westpfalz-Stadt – die in jenen
Tagen gut 8000 Einwohner
zählte – Sitz der größten pfälzi-
schen Getreidebörse sowie des
Fruchtmarkts. Damit war Kai-
serslautern zweifellos ein be-
deutendes regionales Wirt-
schaftszentrum. Auch den Vor-
sitzenden der Versammlung be-
stimmte der König selbst. Der
damalige Kaiserslauterer Bür-
germeister Adam Weber wurde
beauftragt, die konstituierende
Sitzung zu führen.
Die Kammern verpflichteten
sich dazu, die Regierung in wirt-
schaftlichen Fragen zu beraten.
Gleichzeitig durften sie Anre-
gungen und Ansichten vortra-
gen. Hatte der König zunächst
noch alle Belange der Kammer
kontrolliert – vom Sitz der Insti-
tution über die Zahl der Mitglie-
der bis hin zur Ernennung der-
selben – so löste sich die Interes-
senvertretung der Gewerbetrei-
benden in der Folge von staatli-
cher Einflussnahme.
Heute sieht sich die IHK Pfalz
nach eigenemSelbstverständnis
als „wichtiger Partner des Staa-
tes, für den sie im Rahmen der
Selbstverwaltung der Wirt-
schaft eine Vielzahl anAufgaben
erledigt“. Zudem fungiert sie
nach eigener Darstellung als
„Meinungsführer der regiona-
len Wirtschaft“ und sei damit
ein kritischer Partner der Poli-
tik. Vor allem in den vergange-
nen 25 Jahren habe sich die IHK
zunehmend zum Dienstleister
für ihre Mitgliedsunternehmen
entwickelt, dies stets mit dem
Anspruch einer effizienten und
wirtschaftlichen Erfüllung ihrer
Aufgaben.
|cha
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Seite 10 |
DIE RHEINPFALZ
Samstag, 24. März 2018
Verein Zukunftsregion Westpfalz
Domizil „Haus der Wirtschaft“: Die Industrie- und Handelskam-
mer Pfalz hat ihren Hauptsitz heute in Ludwigshafen.
FOTO: OLI/FREI
Prominentester Gast war der
erste Mann im Staat: Bundes-
präsident Frank-Walter Stein-
meier hat persönlich gratuliert,
als am 19. März auf dem Ham-
bacher Schloss der Reigen der
Feierlichkeiten zum175. Jubilä-
um begann. Auf die Festveran-
staltung werden nun noch eine
Reihe von Ereignissen folgen,
die die Industrie- und Handels-
kammer Pfalz anlässlich ihres
175-jährigen Bestehens organi-
siert.
Die IHK Pfalz feiert – und lädt
dazu ein, die Wanderschuhe zu
schnüren. Aus Anlass des Grün-
dungsjubiläums möchte sich
die Kammer mit ihren Gästen
auf die „Spuren der regionalen
Wirtschaft“ begeben. Die Wan-
derwege basieren auf den We-
gen, die die RHEINPFALZmit ih-
rer Serie „Wirtschaftswandern“
vorab bereits beschritten hat.
Ergänzt wird das Wandererleb-
Zum Kammer-Jubiläum für vier Touren die Wanderschuhe schnüren
nis zudem durch die gleichna-
mige IHK-App „Wirtschafts-
wandern“. Diese Anwendung
bietet allerlei Zusatzinfos und
Fotos zu den Wanderwegen.
Seit 19. März ist die App – und
dies kostenlos – im Google Play
Store und im App Store erhält-
lich. Der Link findet sich auf der
Jubiläumswebseite der Kam-
mer unterwww.pfalz.ihk24.de/
ihk-jubilaeum.
Vier Touren sind bis zum
Spätsommer vorgesehen. Die
erste führt zum eigentlichen
Stammsitz der IHK Pfalz in Kai-
serslautern. „Die Stadt, der Berg
und die Wissenschaft“ lautet
das Motto der Wanderung am
27. April. „Kein Geschäft auf tö-
nernen Füßen“, „Von Gerbern
und Schlabbeflickern“ sowie
„Am Eckbach entlang zu famili-
engeprägten Unternehmern“
sind die drei weiteren Touren
betitelt, die am 4. Mai in Jock-
Erste Station beim Jubiläums-
wandern der IHK Pfalz: die
Technische Universität in Kai-
serslautern.
FOTO: HAMM
grim, am 17. August in Pirma-
sens und 31. August im Leinin-
ger Land starten.
Bei allen vier Wanderungen
geht es laut IHK umWirtschaft.
Jedes Mal allerdings fokussiert
sich das Interesse auf eine an-
dere Branche, und jedes Mal ist
eine andere Region der Pfalz
Schauplatz.
Die Grundidee: Beim „Wirt-
schaftswandern“ verbinde sich
der Pfälzer Nationalsport Wan-
dern einmal nicht nur mit schö-
nen Landschaften, sondern zu-
sätzlich mit dem Wissen um
Wirtschaftsgeschichte, so teilt
die Industrie- und Handels-
kammer mit. Jeweils an einem
Freitagnachmittag verbinden
die Teilnehmer eine Betriebs-
besichtigung oder einen Muse-
umsbesuch mit einer kleinen
Wanderung, zumguten Schluss
wird jeweils ein Pfälzer Imbiss
gereicht. Auf Spuren der pfälzi-
schen Wirtschaft begeben sich
dieWanderer im Jubiläumsjahr
erstmals amFreitag, 27. April, in
Kaiserslautern. Treffpunkt ist
dort um 16 Uhr die Technische
Universität (TU). Die Strecke
führt vom Campus der TU über
Waldwege zum Fraunhofer-
Zentrum in der Trippstadter
Straße. Im Fraunhofer-Institut
heißt Professor Dieter Rom-
bach in seiner Eigenschaft als
Vorstand der „Science Alliance“
die Teilnehmer willkommen
und informiert über die Ange-
bote der Wissenschaftsallianz
für Mittelständler. Die nächste
Etappe führt zum Bremerhof,
wo um 18.15 Uhr zum gemütli-
chen Beisammensein ins Wald-
haus eingekehrt wird.
|cha
INFO
Mehr zum Jubiläum und den Wan-
derungen auf der Internetseite
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Die erste ständige Geschäftsstelle in Ludwigshafen befand sich im
Gasthof „Zum Anker“.
FOTO: ARCHIV-IHK/FREI
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