1. FC KAISERSLAUTERN
Zweitliga-Aufsteiger FCK: „Kopf durchblasen“ und dann am Kader basteln
Um 22.32 Uhr gab es kein Halten mehr. Nicht für die Fußballprofis des 1. FC Kaiserslautern, nicht für ihre Fans, die den Wiederaufstieg der Lauterer in die Zweite Liga vor Ort in Dresden erlebt haben. Die Bankbesatzung des FCK, allen voran Videoanalyst und Stratege Niklas Martin aus dem Assistententeam, war schon nach dem Tor zum 2:0 kurz zuvor auf den Rasen gestürmt. Die Außenlinien-Delegation zog sich nach der minutenlangen Unterbrechung in der Nachspielzeit ob des unfeinen Feuerwerks der Dynamo-Fantribüne noch mal an den Rand zurück.
Hanslik legt vor – am Ende rettet Raab den Sieg
Danach gab es viel Raum für extralaute gemeinsame „Nie-mehr-Dritte-Liga“-Gesänge. Mittendrin: Torwart Matheo Raab, der am Ende der Partie mehrfach überragend reagierte. Der 23-Jährige war nach einigen nicht ganz so überragenden Wochen wieder der alte, hatte großen Anteil daran, dass die Defensive nach ungewohnter Durchlässigkeit im April und Anfang Mai nun wieder dichthielt; und wo Daniel Hanslik, der umjubelte Schütze des 1:0, kurz darauf auch in der Abwehr zum Helden wurde, sich mutig in einen gefährlichen Dresdner Angriff warf. Nach Vorlage des gerade eingewechselten Simon Stehle vollstreckte Philipp Hercher zum 2:0.
15 Monate wie 15 Jahre
„Wir haben die Mannschaft immer so kennengelernt, dass sie in den entscheidenden Momenten, dann, wenn es wirklich drauf ankommt, da ist“, sagte FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen später. „Wie die Jungs sich immer wieder reingebissen haben, daran geglaubt haben, dass sie hinten die Null halten, das war die Basis. Aber die 15 Monate, die ich jetzt im Amt bin, sind gefühlt wie 15 Jahre“, räumte der 47-Jährige ein.
Zwei Tage „Kopf durchblasen“, dann wird nach vorne geschaut, formulierte es Hengen in der Nacht von Dresden. Einige Verträge laufen aus, für die schon am 15. Juli beginnende Zweitliga-Saison müssen Verstärkungen her.
FCK-Chef Hengen: „Es war kurz vor zwölf“
Doch zunächst ging Hengens Blick noch einmal zurück. „Ante und Döppi haben uns am Leben gehalten, haben den Klassenerhalt geschafft, es war kurz vor zwölf“, zeigte sich FCK-Sportgeschäftsführer Thomas Hengen dankbar in Erinnerung an die vor der Relegation entlassenen Marco Antwerpen und dessen „Co“ Frank Döpper. Sie haben die Roten Teufel 2021 vor dem Abstieg bewahrt und sie ein Jahr später bis auf Rang drei geführt – nachdem sie lange Zweiter gewesen waren. Der direkte Aufstieg war futsch. Danach „war für mich einfach klar, dass du einen Impuls setzen musst, um das wieder zu erreichen, was uns stark macht, das Kollektiv“.
Lob und Dank Richtung Ex-Trainer Antwerpen
Auch Antwerpen-Nachfolger Dirk Schuster würdigte schnell nach dem Schlusspfiff in Dresden den Anteil seines Vorgängers am größten Erfolg der Roten Teufel seit Jahren. „Wir können unendlich stolz auf diese Mannschaft sein. Sie hat in den zwei Relegationsspielen unheimlich viel Willen, Lauf- und Einsatzbereitschaft gezeigt“, betonte der neue Cheftrainer Schuster.
„Wir sind mit Beharrlichkeit den Weg, den wir eingeschlagen haben, weitergegangen. Jetzt ist natürlich große Erleichterung da“, sagte der FCK-Aufsichts- und Beiratsvorsitzende Rainer Keßler.
„Ich freue mich für die ganzen Leute, die ganze Region, für die Mitarbeiter, die Fans und für auch die Gremien“, sagte Geschäftsführer Hengen. „Dass du eine Einheit bist – auf dem Platz und außerhalb des Platzes – das hat man jetzt wieder gesehen. Das war ein wichtiger Aspekt des Erfolges.“
Sprach es und verschwand an jenem vereinshistorisch bedeutsamen Dienstagabend wieder Richtung Kabine, um nach der allerersten vieler Feierlichkeiten „erst mal wieder ein paar Flaschen Mineralwasser“ zu trinken.
Hier geht es zum Leitartikel zum FCK-Aufstieg.
