1. FC Kaiserslautern
Wucherpreise bei Tickets: So geht der FCK gegen Viagogo & Co. vor
Lust aufs WM-Finale am 19. Juli im MetLife Stadium in East Rutherford (New Jersey)? Auf Ticketbörsen wie Viagogo wird man schnell fündig – man muss aber wahlweise über ein üppiges Sparbuch verfügen oder eine Hypothek auf Omas Häuschen aufnehmen. Zwischen 7553 und 54.632 Euro für die besten Plätze muss man berappen, um beim größten Fußballspiel des Jahres live dabei zu sein. Das ist ein Zigfaches der ohnehin schon unverschämten regulären Fifa-Preise. Wucher trifft es ganz gut.
Das fragwürdige Geschäftsmodell von Unternehmen wie Viagogo sorgt bei Vereinen, Fans, Konzertagenturen und Verbraucherschützern gleichermaßen für Unmut – auch der 1. FC Kaiserslautern geht schon länger gegen die kommerziellen Ticket-Zweitmärkte vor. „Wir sehen jegliche Plattformen, über die unsere Tickets überteuert verkauft werden, sehr kritisch“, sagt FCK-Unternehmenssprecher Stefan Roßkopf. „Sofern hierbei gegen unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen wird, verfolgen wir dies in Kooperation mit einer Anwaltskanzlei und leiten weitere Schritte ein.“
Der Zweitligist hat ein waches Auge auf Aktivitäten über Viagogo & Co. – und behält sich vor, über diese Ticketbörsen gekaufte Eintrittskarten zu sperren. Dann hat man womöglich sehr viel Geld für ein Ticket bezahlt und kommt nicht durch die Drehkreuze am Fritz-Walter-Stadion.
Juristische Erfolge im Kampf gegen den Zweitmarkt-Anbieter haben jüngst drei Klubs erzielt. Der FC St. Pauli, Union Berlin und der Karlsruher SC klagten gegen Viagogo. Vor den Landgerichten in Hamburg, Berlin und Mannheim gab es in den vergangenen Wochen Urteile, die Juristen als bahnbrechend ansehen. Sie besagen im Kern: Viagogo darf keine Eintrittskarten mehr anbieten ohne darauf hinzuweisen, dass diese nicht zum Besuch des Spiels berechtigen. Das Unternehmen ist gegen die Urteile in Berufung gegangen.
„Das ist ungefähr so, als wenn ein Autoverkäufer jetzt bundesweit Fahrzeuge verkauft und in der Werbung hinzusetzen müsste, diese Fahrzeuge haben keine Betriebserlaubnis. Das ist ein echter Businesskiller“, sagt der Heidelberger Rechtsanwalt Franz Dänekamp, dessen Kanzlei die drei Vereine vertritt, bei „sportschau.de“. „In der Tat könnte das das Ende des Geschäftsmodells sein.“
Nicht nur Privatpersonen, sondern auch gewerbliche Händler aktiv?
Doch wie funktioniert das Geschäftsmodell überhaupt? Viagogo erklärt, das Unternehmen sei selbst weder Käufer noch Verkäufer. Man stelle lediglich die Plattform zur Verfügung, auf der Fans, die ihre Tickets loswerden wollen, einen Käufer finden können. Für diese Dienstleistung werden beiden Seiten Gebühren berechnet. Dass die Preise derart explodieren können, liegt aber auch daran, dass auf der Ticketbörse nicht nur Privatpersonen ihre Eintrittskarten verkaufen. Es sind dort auch gewerbliche Händler unterwegs, die mit stark überteuerten Tickets satten Gewinn machen wollen. Dazu gehören Reisebüros, multinationale Veranstalter oder Sponsoren, die Tickets professionell weiterverkaufen.
Um den Plattformen das Wasser abzugraben, haben die meisten Vereine in der Bundesliga und der Zweiten Liga eigene Ticketbörsen geschaffen, auf denen Fans nicht benötigte Tickets weiterverkaufen können – allerdings nur zum vorher gezahlten Originalpreis, ohne Gewinn. Beim FCK gibt es diese Möglichkeit seit September 2024. Die Resonanz ist gut. „Wir sind mit unserem Zweitmarkt sehr zufrieden, dieser wird von den Fans stark genutzt und uns erreichen ausschließlich positive Rückmeldungen“, sagt Sprecher Roßkopf. In der aktuellen Saison seien etwa 20.000 Karten über den vereinseigenen Zweitmarkt verkauft worden, der im FCK-Onlineshop verlinkt ist. Missbrauchsversuche seien keine bekannt.
Immer weniger freie Plätze beim FCK
Die Ticketsituation beim FCK ist durch den Zuschauer-Boom der vergangenen Jahre angespannter geworden. Auswärts gehen in der Regel überhaupt keine Tickets mehr in den freien Verkauf, nachdem Dauerkartenbesitzer und Mitglieder bedient worden sind. Im Heimbereich des Fritz-Walter-Stadions gibt es ebenfalls bei vielen Partien keine freien Plätze mehr, auch wenn der Betzenberg in dieser Saison nur in den Spielen gegen Schalke 04 und den Karlsruher SC mit 49.327 Zuschauern komplett ausverkauft gewesen ist. Imposante 32.682 Dauerkarten haben die Roten Teufel vor dieser Spielzeit abgesetzt, Platz zwei in der Liga hinter Schalke (40.000).
Auch wer ein Saison-Abo besitzt und zu einzelnen Spielen nicht kommen kann, der hat seit gut anderthalb Jahren die Möglichkeit, über die FCK-Ticketbörse auf fairem Weg ein paar Euro wieder einzuspielen – und einen anderen Anhänger glücklich zu machen. Inklusive der Erfahrung, einmal die Stimmung auf der legendären Lauterer Fantribüne hautnah zu erleben. „Unsere Erfahrungen sind sehr gut, da durch die Ticketbörse auch wieder Tickets für die ausverkaufte Westkurve auf den Markt kommen“, sagt Sprecher Roßkopf.
Die Viagogo-Problematik hat der FCK im Zweitliga-Alltag mit seinem eigenen Angebot also ganz weitgehend in den Griff bekommen. Als die Roten Teufel 2024 zum ersten Mal nach 28 Jahren wieder ins DFB-Pokalendspiel gegen Bayer Leverkusen (0:1) einzogen, machten die dubiosen Zweitanbieter mutmaßlich einen riesigen Reibach. Damals wurden Tickets fürs Berliner Olympiastadion auf Viagogo & Co. teils für mehrere Tausend Euro gehandelt. Es war sozusagen die pfälzische Ausgabe des WM-Finales.
