1. FC Kaiserslautern
Wie und warum sich der FCK in Mexiko und den USA engagiert
Rund 220 Millionen Euro pro Saison erhält die DFL aus der weltweiten Vermarktung ihrer TV-Rechte. Ein Klacks im Vergleich mit der englischen Premier League, die in der laufenden Spielzeit 2,3 Milliarden verbucht. Selbst die spanische LaLiga kommt auf das Dreifache der Bundesliga-Rechte. Kein Wunder also, dass die DFL die Auslandsvermarktung forcieren will. Zweitligist 1. FC Kaiserslautern spielt dabei eine wichtige Rolle.
„England und Spanien haben natürlich den Sprachvorteil. Es sprechen weltweit viel mehr Menschen englisch oder spanisch als deutsch“, sagt Stefan Roßkopf, beim FCK unter anderem zuständig für das Thema Internationalisierung. Doch das ist nicht der alleinige Grund, weswegen die DFL der Konkurrenz hinterher hinkt. Zum einen hat die DFL vergleichsweise spät begonnen, internationale Märkte für ihr Produkt zu erschließen. Zum anderen spielt die Langeweile im Titelkampf eine Rolle. Und letztlich sind dort auch die meisten Superstars am Ball.
Auch dort kennen viele den FCK
All das lässt sich für die DFL nicht ändern. Dennoch versucht die Liga, ein wenig Anschluss zu gewinnen – durch vermehrte Präsenz im Ausland, durch mehr mediale Aufmerksamkeit. Der FCK hat dabei in Absprache mit der DFL zwei Länder als vorrangig entschieden: die USA und Mexiko. Die Vereinigten Staaten lagen dabei laut Roßkopf vor allem wegen der Nähe zu Ramstein auf der Hand, wo der FCK ja ebenfalls immer mal wieder Aktionen durchführt und wo es eine große Anzahl FCK-Fans gibt. Die nehmen den Namen 1. FC Kaiserslautern mit in die Heimat. „Wir haben vor zweieinhalb Jahren bei unserem Trainingslager in Minneapolis gemerkt, wie viele Menschen dort den FCK kennen.“
Die Wahl auf Mexiko sei gefallen, weil es ein interessantes Fußballland sei, in dem zudem jetzt eine Weltmeisterschaft ausgetragen werde. „Es gibt dort viele Möglichkeiten für mediale Aufmerksamkeit.“
Zwei Partnervereine vor Ort
Und wie läuft das ab mit Mexiko? Zum einen hat der FCK einen Partnerverein, Global SC Monterrey, ein Klub, der sich in Mittelamerika vor allem einen Namen als Ausbildungsverein gemacht hat. Dort veranstaltet der FCK immer mal wieder Trainingslager für junge Kicker, oft mit einstigen FCK-Profis – dass die jungen Teilnehmer anschließend FCK-Trikots auch abseits der Sportplätze tragen, ist ein angenehmer Nebennutzen. Hinzu kommen Videokonferenzen und der Austausch über Trainingsmethoden. Ähnlich läuft es mit dem US-Partnerclub Erie Stars SC im Bundesstaat Washington.
Mediale Aufmerksamkeit erzeugen aber auch Influencer. Also Menschen in den Zielländern, die auf ihren Kanälen Beiträge aus und über Kaiserslautern machen. „Wir arbeiten da vor allem mit Influencern zusammen, die in ihrer Emotionalität zum FCK passen und die auf dem Sprung sind, landesweit wichtig zu werden. Die ganz großen Influencer sind viel zu teuer“, erläutert Roßkopf.
1,5 Millionen Follower auf drei Kanälen
Einer von ihnen ist Raul Duran aus Mexiko-City, der gerade mehrere Tage in Kaiserslautern verbracht hat, um mit dem FCK Inhalte für seine Kanäle in den sozialen Medien zu produzieren. Der 27-Jährige hat Kommunikationswissenschaft studiert, betreibt eigene Kanäle auf Instagram, TikTok und Youtube. Rund 1,5 Millionen Menschen folgen seinen Beiträgen über Fußball und Motorsport.
Er war im NLZ unter anderem zu einem Interview mit Uwe Scherr, spazierte durch die Innenstadt, produzierte einen virtuelle Stadionführung und absolvierte mit Ex-Bundesligatorwart Florian Fromlowitz eine Elfmeterchallenge. Und natürlich war er am Spieltag sowohl zum Fanaufmarsch am Elf-Freunde-Kreisel und anschließend im Stadion, um die Betze-Stimmung mitzuerleben. Und er war begeistert: „Diese Begeisterung hier, die Verbundenheit mit dem Verein, die ist einmalig. Die Menschen in Kaiserslautern lieben ihren FCK wie eine Religion“, erzählt er fasziniert. Zwar seien auch in Mexiko die Fußballfans leidenschaftlich. Aber diese Leidenschaft beschränke sich vor allem auf die erfolgreichen Erstligavereine. Nicht auf Zweitligisten.
Weltmeister Erik Durm als Türöffner
Er habe weit mehr „Content“, also Inhalte für seine Kanäle, in Kaiserslautern machen können, als er erwartet habe, erzählt er voller Stolz. Bei seiner Rückkehr nach Mexiko werde er die Beiträge aufbereiten und verteilen. Davon profitiert der FCK auch direkt, denn er darf diese Videos ebenfalls ausspielen – immerhin hat er inzwischen auch Instagram-Kanäle auf Englisch, Spanisch und Französisch.
Den Kontakt zu Duran hat die Agentur Schächter Sports mit Sitz in Hauenstein hergestellt, mit der der FCK – wie ein gutes halbes Dutzend weiterer Profivereine – in Sachen Internationalisierung zusammenarbeitet. „Wir haben regelmäßige Treffen miteinander, entwickeln miteinander Ideen“, lobt Roßkopf die Kooperation mit der Agentur. Da macht dann auch mal ein langjähriger Eishockeyprofi wie Sean Hill (gut 800 Spiele in der NHL) in Kaiserslautern Station, zeigt FCK-Chefscout Olaf Marschall im Video, wie man den Puck ins Tor schlenzt. Agentur-Inhaber Sebastian Schächter hat dereinst auch das FCK-Trikot getragen, sein großes Aushängeschild ist der 2014er Weltmeister Erik Durm.
Apropos Durm: Dessen Name war das Entrée für eine große Geschichte über den FCK im renommierten US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“, erzählt. „Wenn man sagen kann: Hier haben wir einen Weltmeister als Gesprächspartner, dann öffnet das Türen“, sagt Roßkopf. Hinzu kämen die Besonderheiten des FCK. Ein Stadion mitten in der Stadt statt auf der grünen Wiese, einen Zuschauerschnitt, der weltweit unter den besten 40 liegt – trotz der Konkurrenz in England, Spanien oder Südamerika –, und vor allem jede Menge Emotionen: „Wenn der traditionelle Fußball eine Seele hat, dann ist diese Seele in Kaiserslautern.“
Den deutschen Fußball sichtbarer machen
Dass man damit nicht großflächig in den USA reüssieren kann, weiß Roßkopf. „Wir können dort nicht mit den großen Sportmärkten wie American Football oder Basketball konkurrieren. Das wollen wir auch gar nicht. Aber wir wollen den FCK und damit den deutschen Fußball bei den US-Sportfans ein bisschen sichtbarer machen.“ Das ist ganz im Sinne der DFL, denn davon profitiert langfristig der gesamte deutsche Profifußball.
Das lässt sich die DFL auch einiges kosten. Für jede Aktion, für jedes internationale Trainingslager zahle die DFL Zuschüsse aus ihren Fördertöpfen, sagt Roßkopf, der gerade für diesen Schwerpunkt einen Mitarbeiter sucht: „Das geht schon finanziell auf für den FCK.“ Es muss also niemand Angst haben, dass das Geld für ein Trainingslager in Mexiko irgendwann bei einer Neuverpflichtung für den Profikader fehlt.
