1. FC Kaiserslautern
Wie der FCK im westfälischen Dauerregen den Durchblick behält
Die Sitze im Presseraum des Münsteraner Stadions sind einer Flugzeugkabine nachempfunden. Nach dem verdienten 3:2 (3:1)-Sieg in der westfälischen Universitätsstadt bestand im Lager des 1. FC Kaiserslautern am Sonntag aber keine Gefahr, dass irgendwer nach dem zweiten Dreier in Folge abzuheben drohte. „Hier zu bestehen, ist wirklich nicht einfach, unabhängig von irgendwelchen Tabellensituationen. Es war nicht nur ein Arbeitssieg, sondern ein Spiel zwei Mannschaften, die auf einem trotz der Witterungslage guten Platz sehr ordentlichen Fußball gespielt haben“, ordnete FCK-Trainer Torsten Lieberknecht den Erfolg nüchtern ein.
Die Lauterer rücken mit jetzt 37 Punkten auf den sechsten Platz vor, Relegationsrang drei ist sieben Zähler entfernt. Marlon Ritter (9., Foulelfmeter/40.) und Norman Bassette (45.+1) trafen für den FCK, Lautern-Leihgabe Jannis Heuer glich zunächst für Münster zum zwischenzeitlichen 1:1 aus (21.), bevor er in der zweiten Halbzeit auch den 2:3-Endstand erzielte (87.).
Auf dem vom westfälischen Dauerregen durchgeweichten Rasen im Preußen-Stadion entwickelte sich im ersten Abschnitt ein wildes Spiel, in dem der FCK die reifere Mannschaft stellte. Münsters Stürmer Imad Rondic ließ gegen Luca Sirch das Bein stehen, den fälligen Foulelfmeter verwandelte Ritter zum 1:0 problemlos in die linke Ecke (9.). Auch der zwischenzeitliche Ausgleich, als Lautern-Leihgabe Jannis Heuer nach einer Ecke eher glücklich an den Ball kam und einschoss (21.), brachte die Gäste aus der Pfalz nicht nachhaltig aus dem Konzept. Lieberknecht sagte später, sein Team habe vor der Pause viel von dem umgesetzt, was in der Trainingswoche besprochen worden sei. Als da waren: schnelle Verlagerungen gegen die Münsteraner Raute und präzise Flanken. „Inhaltlich war die erste Halbzeit super“, urteilte der Lauterer Trainer. Münster gewährte dem FCK teilweise riesige Räume, gerade auf der linken Seite. Aus einer dieser Situationen entstand das 2:1, als Bassette nach einem schnellen Gegenstoß in der Mitte Ritter bediente, der technisch hochwertig direkt ins lange Eck vollendete (40.). Die Preußen, seit acht Spielen ohne Sieg, wankten, Lieberknechts Team schlug noch vor der Pause zum dritten Mal zu. Der formverbesserte Paul Joly flankte auf Bassette, der per Kopf zum ersten Mal für den FCK traf (45.+1). Der Winterzugang freute sich sichtlich darüber, dass der Knoten geplatzt war, und rannte jubelnd auf den Trainer und Sportdirektor Marcel Klos zu.
Bassette: „Eine große Erleichterung für mich“
„Es war wirklich eine große Erleichterung für mich. Letzte Woche gegen Fürth war ich sehr wütend über meine vergebenen Chancen“, sagte Bassette. Auch Lieberknecht äußerte sich zu seinem Stürmer, der bis Sonntag auf sein erstes Erfolgserlebnis im FCK-Trikot hatte warten müssen. „Wir haben alle gesehen, welche Torchancen er liegengelassen hat und welche teils unsägliche Kritik als junger Spieler auf ihn niedergeprasselt ist“, sagte der Trainer. „Wir haben ihm den Rücken gestärkt. Das Tor war sehr wichtig für Norman.“
Heuer trifft erneut, Redondo vergibt kläglich
In der zweiten Halbzeit vergab Bassette mit einem Schuss ans Außennetz gleich die nächste große FCK-Chance (49.), generell wirkte es so, als hätte Lieberknechts Team die Angelegenheit gegen biedere Münsteraner im Griff. „Klar hätten wir uns gewünscht, den vierten Treffer zu machen“, sagte Lieberknecht: „Dann haben die Preußen ihr Spiel auf lange Bälle umgestellt und wir mussten uns neu orientieren.“ Münster war aus dem Spiel heraus alles andere als brandgefährlich, versuchte sein Glück aber jetzt über unzählige Flanken und Standardsituationen.
Drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit setzte sich Heuer in einer ebensolchen Situation gegen Jacob Rasmussen durch und schoss zum 2:3 ein. Der Startschuss für eine aus Lauterer Sicht unnötig heiße Schlussphase, in der Mahir Emreli sein Comeback feierte und der eingewechselte Kenny Redondo eine riesige Chance aufs 4:2 nach einer 3-gegen-1-Kontersituation für den FCK mit einem kläglichen Abschluss in die Arme von Münsters Torwart Johannes Schenk (90.+4) vergab. „Den muss er natürlich machen“, sagte Lieberknecht.
Die allerletzten Minuten mussten die Roten Teufel auch noch mit zehn Mann überstehen, nachdem Heuer Rasmussen (Verdacht auf Gehirnerschütterung) abgeräumt hatte. „Ich habe mir auch noch meine Gelbe Karte abgeholt, um noch ein bisschen von der Uhr runterzunehmen“, sagte Sportdirektor Marcel Klos nach dem Abpfiff. „Wir sind natürlich erleichtert, dass wir hier gewonnen haben. Das sind Big Points für uns. Aber wir haben jetzt Paderborn zuhause vor der Brust, die haben heute 5:2 gegen Hertha. Das heißt für uns: Wir können uns heute freuen, ab morgen geht die Vorbereitung auf Paderborn los.“ Abheben soll beim FCK nach dem zweiten Sieg in Folge eben niemand.
