1. FC Kaiserslautern
Welche Rolle der FCK im rheinland-pfälzischen Wahlkampf spielt
Die enge Verbindung zwischen der Politik und Fußball besitzt in Rheinland-Pfalz eine lange Tradition. Der langjährige Ministerpräsident Kurt Beck (1994 bis 2013) war ein glühender Verehrer des 1. FC Kaiserslautern, der frühere SPD-Vorsitzende zeigte sich bei Heimspielen regelmäßig mit FCK-Schal auf dem Betzenberg. „Nah bei de Leut“ eben, so wie es Becks Mantra von Volksnähe entsprach.
Seine Rolle als mächtiger Unterstützer beim Ausbau des Fritz-Walter-Stadions für die Weltmeisterschaft 2006 wird mittlerweile kritisch gesehen – die hohen Kosten von über 70 Millionen Euro und die dadurch entstandene langfristige finanzielle Belastung für das Land, die Stadt Kaiserslautern sowie den FCK werden schon länger kontrovers diskutiert.
Im Wahlkampf für die rheinland-pfälzische Landtagswahl am 22. März spielt der Traditionsverein vom Betzenberg zumindest wieder eine bedeutende Nebenrolle. Sowohl Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) als auch CDU-Herausforderer Gordon Schnieder spielen die Fußball-Karte. Wird der FCK als mit Abstand größter Klub in Rheinland-Pfalz mit einer riesigen Fanbasis von der Eifel bis in die Südpfalz im Wahlkampf instrumentalisiert?
Der Wormser Politologe Karl-Rudolf Korte geht davon aus, dass es sich für die Spitzenkandidaten positiv auf das Ergebnis am 22. März auswirken kann, sich als Fan des FCK zu präsentieren. Grundsätzlich werde die Wahlentscheidung geprägt von der „unterstellten Sachkompetenz, der Problemlösung und der Bekanntheit des jeweiligen Politikers“. Nachgelagert bedeutsam seien Glaubwürdigkeit, Führungsqualität oder persönliche Sympathiewerte. „Insofern ist die Fußball-Karte in mehrfacher Hinsicht wichtig: Sie reicht in ein sportliches Wählermilieu hinein, macht bekannt in Kreisen, die sich vielleicht bisher nicht mit Politik beschäftigt haben und lässt Raum für solidarisierende persönliche Sympathiewerte“, sagt Korte. Im Falle des FCK sei außerdem zu beachten, dass es sich – anders als etwa beim FC Bayern – eben nicht um klassische Erfolgsfans handle. „Insofern dokumentiert das Bekenntnis zum FCK auch immer Bodenständigkeit und Leidensfähigkeit“, sagt Korte. Das sind Werte, mit denen Wahlkämpfer gerne für sich werben.
Gordon Schnieder sieht begeistert aus. Interessiert betritt der CDU-Spitzenkandidat den Innenraum des Fritz-Walter-Stadions. Zu sehen ist die Szene in einem Video, das Schnieder und die CDU-Landtagsfraktion auf Instagram hochgeladen haben. Betitelt ist der Clip aus dem November 2025 mit dem Schriftzug „Politik goes Betze“. Ein ähnliches Video teilte Schnieder bereits im vergangenen Mai. Da war der 50-Jährige beim 1. FSV Mainz 05 unterwegs.
„Unsere Fußballvereine sind für unsere Gesellschaft enorm wichtig. Gerade der Teamsport ist der Klebstoff, der Menschen verbindet und Gemeinschaft fördert. In einer Fußballkabine kommen ganz unterschiedliche Persönlichkeiten zusammen, unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Hintergrund, und kämpfen gemeinsam für ein Ziel“, sagt Schnieder auf Anfrage dieser Zeitung.
Schnieder: „Fußball spaltet nicht, er verbindet“
Dass sich Politiker im Dunstkreis von Fußballklubs bewegen, ist nichts Ungewöhnliches, erst recht nicht in Rheinland-Pfalz. Der in Landau geborene Ministerpräsident Alexander Schweitzer hat aus seiner Leidenschaft für den FCK noch nie einen Hehl gemacht. Landesinnenminister Michael Ebling (SPD), geht regelmäßig in seiner Heimatstadt ins Stadion, zu Mainz 05. Die Linke hat im November 2025 ihren Parteitag in der Fanhalle Nord auf dem Betzenberg abgehalten, im Januar schwor sich an gleicher Stelle die SPD auf den Wahlkampf ein. Der Zweibrücker CDU-Abgeordnete Christoph Gensch sorgte mit seinen FCK-Liebesbekundungen zur Eröffnung eines Redebeitrags im Landtag für Aufsehen.
CDU-Mann Schnieder hält jedoch nicht viel davon, die Farben eines Fußballvereins im Wahlkampf zu nutzen: „Fußball darf nicht zum Spielball parteipolitischer Interessen werden. Ich werde keinen Verein für Wahlkampfzwecke instrumentalisieren – denn Fußball spaltet nicht, er verbindet. Unabhängig davon drücke ich unseren rheinland-pfälzischen Vereinen jedes Wochenende fest die Daumen.“
Alexander Schweitzer kann man allerdings kaum vorwerfen, seine Zuneigung zum FCK erst im Wahlkampf entdeckt zu haben. Der Südpfälzer ist seit seiner Kindheit bekennender Anhänger der Roten Teufel. „Der FCK ist tief in der Pfalz verwurzelt, aber seine Strahlkraft reicht weit darüber hinaus. Der FCK steht für Stolz, Leidenschaft und dieses starke Gefühl: Wir gehören zusammen. Und vor allem steht er für eines: Wir glauben daran. An den nächsten Sieg. An den nächsten Aufstieg. An uns selbst“, sagt der amtierende Ministerpräsident.
Auch im laut Umfragen engen Zweikampf zwischen ihm und CDU-Kandidat Schnieder um das Ministerpräsidentenamt sieht Schweitzer eine Fußball-Analogie. „Als FCK-Fan weiß ich: Ein Spiel ist erst vorbei, wenn der Schlusspfiff ertönt; 90 Minuten können lang sein. Man gibt nicht nach, wenn es schwierig wird. Man kämpft bis zum Schluss, hält zusammen, glaubt weiter an die eigene Stärke. Genau so verstehe ich auch einen Landtagswahlkampf. Da entscheidet nicht die erste Schlagzeile, sondern vor allem die Ausdauer“, sagt der 52-Jährige. „Dieser Geist vom Betzenberg – Zusammenhalt, Zuversicht und der Wille, bis zur letzten Minute alles zu geben – der prägt mich. Als Fan. Und als Spitzenkandidat.“
