Meinung
Was hinter der Personalie Marc Strauß beim FCK steckt
Der 1. FC Kaiserslautern stellt sich professioneller auf. Der Fußball-Zweitligist hat Marc Strauß als zweiten Geschäftsführer verpflichtet. Strauß wird nach Informationen dieser Zeitung schon ab 1. Mai neben dem aktuellen alleinigen Geschäftsführer Thomas Hengen fungieren. Der Vertrag von Strauß mit der SV Elversberg, seinem bisherigen Arbeitgeber, wurde vorzeitig aufgelöst.
Kritiker würden jetzt sagen, endlich hat der FCK einen Fachmann für den kaufmännischen Part geholt. Nun: Unter der Führung von Hengen hat der FCK seinen Umsatz seit dem Aufstieg 2022 mehr als verdoppelt – auf nun 60 Millionen Euro. Hengen hat gute Arbeit geleistet, auch wenn nicht alles so glücklich lief. Aber die Geschäfte werden nun einmal immer umfangreicher, immer anspruchsvoller. Daher war es folgerichtig, dass der FCK sich dazu entschieden hat, den in der Satzung vorgesehenen zweiten Geschäftsführerposten zu besetzen. In der Satzung steht übrigens auch, dass es sogar einen dritten Geschäftsführer geben kann.
Angesehen und bestens vernetzt
Die Personalie Strauß ist eine spannende. Der 41 Jahre alte promovierte Wirtschaftswissenschaftler war fast zwölf Jahre bei der SV Elversberg und hat neben der Entwicklung der neuen Vereinsstrukturen großen Anteil am Aufbau des Nachwuchsleistungszentrums, der Frauenmannschaft und am Umbau der Ursapharm-Arena. Das alles zusammen mit seinem Cousin David Strauß, der bei der SVE Vorstand Marketing und Vertrieb ist, und Sportchef Nils-Ole Book.
In Strauß’ Amtszeit marschierte die SVE innerhalb von drei Saisons aus der Regionalliga in die Zweite Bundesliga und etablierte sich dort. Der Spitzenfunktionär gilt im deutschen Profifußball mittlerweile als bestens vernetzt und angesehen, wurde zuletzt in die Kommission „Finanzen“ der Deutschen Fußball-Liga gewählt. Damit war er der erste Vertreter der SV Elversberg jemals in einem DFL-Gremium.
In Kaiserslautern wartet man händeringend auf Strauß. Ihm wird nachgesagt, dass er analytisch und visionär denken könne. Er habe die Gabe, Szenarien durchzukalkulieren. Für den FCK könnte er zum Glücksgriff werden, denn es stehen verschiedene Baustellen an, unter anderem das Jugend-Stadion im Nachwuchsleistungszentrum, ein möglicher Ausbau des Logenturms im Fritz-Walter-Stadion zur Osttribüne hin. Der Logenturm ist so ein Szenario. Lohnt es sich für den FCK, viel Geld in den Ausbau zu investieren? Wie hoch wäre die Rendite? Wann würden sich die Kosten amortisieren?
Künftig Selbstvermarkter?
Ein anderes Szenario wäre: Übernimmt der FCK möglicherweise ab 2027 die Vermarktung selbst? Dann endet der Vertrag mit dem Vermarkter Sportfive. Sportfive kostet den FCK Geld, dafür gewinnt der Vermarkter Sponsoren für den FCK, ist für den VIP-Sektor zuständig. Die sechs bis sieben Sportfive-Mitarbeiter haben dem FCK Millionen Euro an Einnahmen gebracht, etwa durch die beiden Verträge mit Ausrüster Castore und Hauptsponsor Novoline. Es wird spannend sein zu sehen, ob Strauß ausrechnet, dass der FCK besser fährt, wenn er die Vermarktung selbst übernimmt oder ob die Zusammenarbeit mit Sportfive fortgesetzt wird.
Marc Strauß hat in Wirtschaftswissenschaften seinen Doktortitel geschrieben. Thema: Fußballunternehmen in Europa – Konzernrechnungslegung, Lizenzierung und finanzielles Fairplay im deutschen und europäischen Profifußball. Strauß ist diesbezüglich ein Experte. Die Frage wird sein: Wie begegnen ihm die Mitarbeiter beim FCK? Wie wird das Zusammenspiel mit Saskia Bugera, der aktuellen kaufmännischen Direktorin? Sie muss zumindest ihr Büro für ihren neuen Chef räumen. Oder mit Marcus Böse, Direktor CRM & Digitales?
Gerüchte um Helous Rücktritt
Strauß kommt quasi von einem Start-up zu einem Traditionsverein, also von flachen in festgefahrene Strukturen. Wird er die Befugnis bekommen, andere Wege zu gehen? Für den ein oder anderen Mitarbeiter wird es sicherlich eine Herausforderung. Auch für Marc Strauß. Denn der FCK hat noch in einigen Punkten Nachholbedarf.
Die Verpflichtung von Marc Strauß hat allerdings nicht jedem gefallen. Denn nach Informationen dieser Zeitung hatte sich Valentin Helou sehr gut vorstellen können, auch kaufmännischer Geschäftsführer zu werden beim FCK. Der erfolgreiche Unternehmer aus Berlin hat in seiner Zeit als Mitglied des Beirates der Management GmbH seine Expertise für den Verein eingebracht.
Uneitel und respektvoll miteinander arbeiten
Intern sei mit ihm über sein Interesse gesprochen worden, versprochen worden sei ihm angeblich aber nichts. Wohl auch aus diesem Grunde sei Helou von seinem Posten zurückgetreten, heißt es. Auf die freigewordene Stelle im Beirat der Management GmbH folgt nun Vorstandsvorsitzender Gero Scira. Allerdings hätte auch Rechtsanwalt Felix Lill mit seiner Expertise sehr gut in das Gremium gepasst.
Der FCK ist nun administrativ gut aufgestellt. Jetzt geht es darum, uneitel, sachlich, analytisch, respektvoll miteinander zusammenzuarbeiten.
