1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Was Ex-FCK-Torwart Roman Weidenfeller beim Super Bowl in den USA macht

Roman Weidenfeller am Stand der Fußball-Bundesliga im Mediencenter des Super Bowls in San Francisco.
Roman Weidenfeller am Stand der Fußball-Bundesliga im Mediencenter des Super Bowls in San Francisco.

Roman Weidenfeller ist als Bundesliga-Botschafter beim Super Bowl 60 in San Francisco. Der frühere Torwart des 1. FC Kaiserslautern ist beeindruckt von dem, was er sieht.

Es gibt immer was zu erzählen. Jeden Tag ist Pat McAfee auf Sendung, drei Stunden lang bespricht der ehemalige Profi alle aktuellen Themen der NFL. Als Punter war es seine Aufgabe, den Ball möglichst weit weg zu schießen, wenn die Angriffsserie seines Teams nicht erfolgreich war. Auch als Radiomoderator agiert der 38-Jährige kraftvoll, seine Sendung ist humorvoll, und manchmal bekommen die Protagonisten der besten Football-Liga der Welt auch gehörig ihr Fett weg.

Roman Weidenfeller steht an diesem Vormittag vor dem Studio der „Pat McAfee Show“, das im Mediencenter des Super Bowls 60 aufgebaut ist. Natürlich sendet der Moderator auch in der Woche vor dem NFL-Finale zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots (Kick-off in der Nacht zu Montag, 0.30 Uhr, zum Liveblog geht es hier). Heute ist George Kittle zu Gast, der Superstar der San Francisco 49ers hat sich vor einigen Wochen die Achillessehne gerissen und sitzt in einem elektrischen Rollstuhl. Die Stimmung ist gut, es wird viel gelacht. Weidenfeller grinst und staunt. „Ich bin ja schon einiges durch den Fußball gewohnt, aber solch ein Medienaufkommen habe ich noch nie erlebt“, sagt der frühere Torwart des 1. FC Kaiserslautern im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Studio von Pat McAfee ist nur eines von vielen in dieser riesigen Kongresshalle. Überall senden TV- und Radiostationen: Interviews, Podcasts, Live-Schalten in das Programm.

Im Auftrag der Bundesliga

Weidenfeller ist als Botschafter von Borussia Dortmund im Auftrag der Bundesliga nach San Francisco gereist. „Das ist schon Wahnsinn, aber das ist natürlich auch das Sportereignis weltweit“, sagt er. „Die ganze Welt schaut zu.“ Die Deutsche Fußball Liga und die NFL unterhalten seit einigen Jahren eine Kooperation, es geht um Vermarktung und den Austausch über den deutschen und US-Markt. Das Ziel: Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks. Auch manche Bundesliga-Klubs haben einen Partner aus der NFL, Borussia Dortmund etwa arbeitet mit den Pittsburgh Steelers zusammen.

Die Pat McAfee Show in San Francisco.
Die Pat McAfee Show in San Francisco.

„Wir haben im vergangenen Sommer die Klub-WM in den USA gespielt“, sagt Weidenfeller, „in ein paar Monaten findet die Weltmeisterschaft hier statt.“ Auch die Bundesliga will in den Vereinigten Staaten präsent sein. US-Fans können der Meisterschale am Stand der Liga ganz nahe kommen. Trikots der Profiklubs hängen an der Wand. Weidenfeller nimmt kurze Videos für die Social-Media-Kanäle der Bundesliga auf. Ein paar Meter weiter hat die Uefa den Champions-League-Pokal mitgebracht. Der Fußball steht beim NFL-Finale zwar am Rand, doch er spielt eine Rolle. Neben Weidenfeller wird ein bisschen später auch Claudio Pizarro, früher Stürmer bei Werder Bremen und Bayern München, den Bundesliga-Stand besuchen. „Football meets Football“ steht auf der Rückwand.

Spiele in München und Berlin

Unterdessen hat die deutsche Außenstelle der NFL ein wenig Planungssicherheit. Bis 2029 wird jedes Jahr ein Saisonspiel in der Bundesrepublik ausgetragen. Als Spielorte sind München und Berlin bestätigt. Welches Team in der kommenden Saison nach Deutschland reisen wird, stehe noch nicht fest, sagt Geschäftsführer Alexander Steinforth. Das hänge auch davon ab, welche Mannschaften die übrigen internationalen Partien bestreiten werden. Beispielsweise spielen die Los Angeles Rams und die San Francisco 49ers beim ersten Besuch der NFL in Melbourne gegeneinander. Auch in Paris wird die Liga ihre Premiere feiern, dort sind die New Orleans Saints zu Gast. Neun Saisonspiele wird die NFL im Ausland bestreiten, mehr denn je.

Das Herz ist in Deutschland

Das ist etwas, das sich Roman Weidenfeller für den deutschen Fußball nicht vorstellen kann. „Für ein einfaches Bundesligaspiel wäre das schon zu viel. Ich sehe es immer noch so, dass die Bundesliga auch in Deutschland gespielt werden soll“, sagt der 45-Jährige, „weil das eben das Herzstück der Deutschen ist und dabei soll es auch bleiben.“ Zwar könne der Fußball einiges vom American Football lernen in Sachen Vermarktung, Show und Event-Charakter. Die Frage sei aber, ob das überhaupt nötig sei. „Man hat es ja auch mal ausprobiert beim Pokalfinale“, sagt Weidenfeller. 2017 gewann Borussia Dortmund den DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt, Popsängerin Helene Fischer trat in der Halbzeitpause auf und wurde von den Zuschauern im Berliner Olympiastadion heftig ausgepfiffen. „Ich glaube, dass der Fußball in Deutschland traditionell gehalten werden soll. Die Fans mögen das“, sagt Weidenfeller. Es sei verständlich, wenn man neue Wege gehen wolle, „aber man darf von dem ganz traditionellen Fußball nicht weggehen.“

Das dürfte auch ein Grund sein, warum sich Weidenfeller beim 1. FC Kaiserslautern wohl gefühlt hat. Als er 15 Jahre alt wurde, kam er zum FCK, spielte in der Jugend, wurde Profi. 2002 wechselte er zum BVB. „Ich habe in der Pfalz meine ersten Erfahrungen gesammelt“, sagt er, „ich habe dem FCK und Gerry Ehrmann, die mich gefördert haben, einiges zu verdanken. Daher wird es immer auch ein Stück weit meine Heimat sein.“

Bis heute hat Weidenfeller regelmäßig Kontakt nach Kaiserslautern, zu seinem Ausbilder Ehrmann und zu FCK-Boss Thomas Hengen. „Ich drücke dem Klub alle Daumen, dass es wieder Richtung Bundesliga geht,“ sagt er. Um dann mit dem BVB auf dem Betzenberg zu gastieren? Der frühere Torwart grinst nur und sagt: „Das wäre schon schön. Aber ich bin sicher, dass klappt auch vorher schon mit einem Besuch.“

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