1. FC Kaiserslautern
Warum Trainer Lieberknecht beim FCK den „harten Hund“ ausgepackt hat
Das „Aber“ ist in dieser Saison beim 1. FC Kaiserslautern meistens nur einen Hauptsatz weit entfernt. Auf fast jeden kleinen Mutmacher, wie den ungefährdeten 3:0 (0:0)-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf am Karsamstag, folgte bisher in steter wie unschöner Regelmäßigkeit eine bittere Enttäuschung. Torsten Lieberknecht treiben die drastischen Leistungsausschläge seines Teams fast in den Wahnsinn. Und so sah sich der Lauterer Trainer schon in seinem Statement zum Düsseldorf-Sieg auf der Pressekonferenz genötigt, mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass es in den kommenden Auswärtsspielen bei Hertha BSC (Samstag, 13 Uhr) und bei Holstein Kiel (Freitag, 17. April, 18.30 Uhr) doch bitteschön der gleichen professionellen Herangehensweise wie beim zehnten Heimerfolg der Saison gegen die Fortuna bedürfe.
„Es war ein verdienter, aber kein einfacher Sieg. Es lief nicht alles reibungslos. Mich freut, dass die Wiedergutmachung für das 0:3 in Nürnberg geklappt hat“, resümierte Lieberknecht. Bevor das „Aber“ kam. „Genau diese Anspannung, diese Einstellung, muss die Mannschaft auch auswärts zeigen. Dann kann man auch mal auswärts ein Spiel verlieren, aber es geht immer um die Spielgeschichte. Das wird uns angekreidet.“
Treppenläufe aus dem Archiv der Grausamkeiten
Dem Erfolg vorausgegangen war eine pädagogische Maßnahme von fast schon historischer Strenge. In der Länderspielpause hatte Lieberknecht seine Profis nach dem Systemausfall von Nürnberg die steinernen Treppenstufen zum Betzenberg hinaufgehetzt – eine Übung aus dem Archiv der Grausamkeiten, deren Copyright dem legendären FCK-Trainer Gyula Loránt in den 60er Jahren zugeschrieben wird. Der sonst freundliche und zugewandte Lieberknecht entdeckte den harten Hund in sich. „Die Jungs haben gut durchgezogen und gemerkt, dass der Trainer lange aushält, aber es auch andere Momente geben kann. Ihr habt mich alle noch nicht auf eine andere Art kennengelernt.“
Der schweißtreibende Reizpunkt im Trainingsbetrieb war aber bei den Gründen für den Sieg gegen die Fortuna wahrscheinlich von eher nachrangiger Bedeutung. Wichtiger für den Verlauf der Partie erschien die frühe Rote Karte für den Düsseldorfer Sima Suso (22.), der FCK-Angreifer Norman Bassette mit einem kurzen Festhalten aus dem Tritt brachte und damit als letzter Mann eine potenzielle Lauterer Großchance verhinderte. Der Platzverweis wegen Notbremse von Schiedsrichter Daniel Schlager war nach Ansicht der Fernsehbilder hart, aber regelkonform. Dementsprechend schritt der VAR auch erst gar nicht ein.
Rasmussens 1:0 lässt den Düsseldorfer Widerstand erlischen
In Unterzahl wehrte sich die mit riesigen Verletzungssorgen in die Pfalz gereiste abstiegsbedrohte Mannschaft von Ex-FCK-Trainer Markus Anfang zwar mit einer couragierten Abwehrleistung, ließ mit dem Ball am Fuß aber auch deutlich erkennen, warum es in den verbleibenden sechs Partien nur um den Klassenverbleib gehen kann. Das war harmlos, das war limitiert.
Die Lauterer benötigten dennoch 62 zähe Minuten und eine Standardsituation, bis Jacob Rasmussen nach einer abgewehrten Ecke zum 1:0 einköpfte. In die Fußball-Lehrbücher, wie man eine Überzahl mustergültig ausspielen sollte, wird es der bis zur Führung spielerisch dürftige FCK-Vortrag sicher nicht schaffen. Erst nach dem 0:1-Rückstand erlosch die Düsseldorfer Gegenwehr, Treffer von Semih Sahin (76.) und Daniel Hanslik (90.+6) sorgten für den 3:0-Endstand. Umso erstaunlicher geriet die Analyse von Winterzugang Rasmussen nach seinem ersten Tor im FCK-Trikot. „Was wir heute mit Ball gemacht haben, da zeigt der Pfeil nach oben“, meinte der Däne. Man könne außerdem nicht erwarten, dass man einen Gegner in Unterzahl einfach so aus dem Stadion schieße. „Es ist lustig, wenn die Leute sagen, wir müssen 8:0 gewinnen, weil der Gegner eine Rote Karte gesehen hat. So läuft es nicht im Fußball“, philosophierte Rasmussen.
Weniger eine Frage der Philosophie als der richtigen Einstellung werden die kommenden Wochen werden, wenn der FCK nach dem verdienten wie schmucklosen 3:0 gegen Düsseldorf zweimal in Folge auswärts antreten muss. Da, wo es zuletzt oft wehtat. Ob die neue, mühsam erlaufene Disziplin auch am Samstag im Berliner Olympiastadion bei Hertha BSC Bestand hat, bleibt abzuwarten. Die letzte Visite in der Hauptstadt endete Anfang Dezember in einem 1:6-Debakel, das auf dem Betzenberg noch immer als diplomatischer Störfall erster Güte betrachtet wird. „Dort haben wir etwas gutzumachen“, erinnerte auch Semih Sahin an das schmerzhafte Pokalfiasko.
Man wird beim FCK vorerst weiterhin mit dem „Aber“ leben müssen – zumindest so lange, bis der Erfolg auch außerhalb der eigenen Stadtgrenzen nicht mehr wie ein statistischer Zufall wirkt. Eingedenk der Erfahrungen in dieser Saison sollte man skeptisch bei Prognosen sein, ob die zuhause starken Lauterer (31 Punkte in 15 Spielen auf dem Betzenberg) im Schlussspurt auch in der Fremde mal konstant ein Bein auf den Boden bekommen werden. Lieberknecht hat die Hoffnung auf ein Ende der chronischen Wankelmütigkeit seines Teams jedenfalls noch nicht komplett aufgegeben: „Wir wollen beim Aufstiegskandidaten Hertha BSC ein anderes Gesicht zeigen.“
