1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Verrohung unserer Gesellschaft“: FCK-Trainer Lieberknecht knöpft sich Hetzer vor

Volle Rückendeckung: FCK-Trainer Torsten Lieberknecht (links) umarmt Norman Bassette.
Volle Rückendeckung: FCK-Trainer Torsten Lieberknecht (links) umarmt Norman Bassette.

Der 1. FC Kaiserslautern befindet sich sportlich auf dem Weg der Besserung. Aber Trainer Torsten Lieberknecht beschäftigt nach dem 3:2 in Münster auch ein anderes Thema.

Am Wochenende der Grundsatzreden wollte auch Torsten Lieberknecht noch seinen Beitrag leisten. Nachdem Bayern-Trainer Vincent Kompany in einem eindrucksvollen Monolog das Thema Rassismus im Fußball aufgedröselt hatte und Kölns Coach Lukas Kwasniok bei seinen seltsamen Anmerkungen zur ausbleibenden Stimmung im Stadion aufgrund eines medizinischen Notfalls (der Betroffene starb später) im Stadion krachend daneben lag, geißelte der Trainer des 1. FC Kaiserslautern nach dem 3:2-Sieg bei Preußen Münster am Sonntag die Anfeindungen gegen seinen Stürmer Norman Bassette in den sozialen Netzwerken.

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„Wir haben alle gesehen, welche Torchancen er liegengelassen hatte und welche unsägliche Kritik er über sich ergehen lassen musste als junger Spieler. Was da teilweise vom Stapel gelassen wurde, hat nichts mehr mit einer normalen Gesellschaft zu tun, das ist eine Verrohung unserer Gesellschaft“, sagte Lieberknecht. Rumms, das saß.

Als stiller Beobachter der fragwürdigen Diskussionskultur in den sozialen Netzwerken und Fanforen kann man die Worte des Lauterer Trainers nur unterstützen. Da geht es ganz schnell unter die Gürtellinie, statt zulässiger sachlicher Kritik an einzelnen Spielern oder an Lieberknecht selbst gibt es viel zu oft Attacken auf persönlicher Ebene. Die Grundregeln würdevollen menschlichen Miteinanders scheinen dort teilweise außer Kraft gesetzt.

Winterzugang Bassette war nach zwei vergebenen Großchancen in der Vorwoche gegen Fürth (1:0) in den Fokus einiger unbelehrbarer Online-Hetzer geraten, die Berichterstattung in den Boulevardmedien („DIESER Lautern-Star muss jetzt liefern“) heizte die Stimmung gegen den Belgier zusätzlich an, auch der öffentlich-rechtliche Sender SWR bekleckerte sich nicht mit Ruhm, als er in einer Facebook-Story ein Video von Bassettes vergebenen Möglichkeiten mit dem Schriftzug „Wenn ein Stürmer seiner Arbeit nicht nachkommt“ unterlegte.

Auch auswärts mal wieder was zu feiern: Die FCK-Profis vor der Gästekurve in Münster.
Auch auswärts mal wieder was zu feiern: Die FCK-Profis vor der Gästekurve in Münster.

Welcher Druck auf dem 21-Jährigen lastete, zeigte sich in dem Moment, als er per Kopf das 3:1 und damit sein erstes Tor für den FCK im sechsten Spiel erzielt hatte (45.+1). „Es war eine Befreiung für mich. Ich habe mich letzte Woche sehr geärgert, nicht über mein Spiel, sondern über die Situation, also die vergebenen Chancen. Wenn du als Stürmer keine Tore schießt, ist das nicht gut“, sagte Bassette in Münster. Mit Sportdirektor Marcel Klos hatte der Leihspieler von Coventry City im Vorfeld vereinbart, dass er im Fall eines Treffers zum Jubeln an die Bank gerannt kommt. Es waren schöne Szenen nach für Bassette nicht so schönen Tagen.

„Ich bin froh, dass die Jungs ihm unter der Woche den Rücken gestärkt haben. Ich war froh, dass er so stabil geblieben ist“, sagte Lieberknecht. Bassette selbst dankte dem Team, dass ihn vor dem Münster Spiel „aufgemuntert und bestärkt“ habe. Mit einem Tor und einer Vorlage – beim 2:1 durch Marlon Ritter – platzte in Münster der sprichwörtliche Knoten beim Belgier, auf dessen Schultern aufgrund der Verletzung von Topscorer Ivan Prtajin (Achillessehnenriss) für den Rest der Rückrunde viel Verantwortung lastet. „Wir wissen, dass er Qualität hat. Dass er sich an gewisse Dinge in der Liga gewöhnen muss, ist auch klar. Ich bin froh für ihn“, sagte Sportdirektor Klos.

Keine Kampfansagen in Richtung Paderborn

Insgesamt hat sich die Lage beim FCK nach den Siegen gegen die Abstiegskandidaten Fürth und Münster entspannt. Der gewaltige Druck, der nach der 0:4-Klatsche in Darmstadt entstanden war, ist gewichen. Vor allem in der ersten Halbzeit von Münster sah der Vortrag schon wieder ansehnlich aus, Lieberknechts Matchplan funktionierte – und wurde von den Spielern mit Leben gefüllt.

Der Lauterer Trainer vermied es aber im Preußen-Stadion, schon wieder Kampfansagen an den nächsten Gegner SC Paderborn (Samstag, 13 Uhr, Fritz-Walter-Stadion) zu formulieren. „Der Blick geht nicht nach oben und nicht nach unten, sondern geradeaus“, sagte Lieberknecht.

Diese Demut und Konzentration auf das Jetzt scheint angebracht, auch wenn die Pfälzer mit einem Sieg wieder bis auf drei Punkte an den Tabellenvierten Paderborn heranrücken könnten. Bassette hat diese Saison trotz weiter sieben Zählern Rückstand auf Relegationsplatz drei jedenfalls keineswegs abgeschrieben. „Ich kann noch viele Tore schießen, aber wichtiger ist, dass wir gewinnen. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken und mit jedem weiteren Sieg den Druck auf die anderen Teams erhöhen“, sagte der 21-Jährige in Münster.

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