1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ursachenforschung beim FCK nach den Schwankungen: Eine Frage der Haltung

 FCK-Trainer Torsten Lieberknecht (Mitte) mit Geschäftsführer Thomas Hengen missfällt die Mentalität des ein oder anderen Profis
FCK-Trainer Torsten Lieberknecht (Mitte) mit Geschäftsführer Thomas Hengen missfällt die Mentalität des ein oder anderen Profis

Die maue Auftritt des FCK in Nürnberg ist kein Einzelfall. Warum schwankt der FCK so? Trainer und Torwart Krahl sprechen von Haltung. Hilft eine Maxime von Ex-Coach Anfang?

Der Bannstrahl von Thomas Hengen traf dieses Mal keinen Profi. Er blieb aus nach der desolaten Leistung des FCK beim 1. FC Nürnberg (0:3). Der grenzwertige Auftritt wäre aber ein passender Moment gewesen, dass der Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern lospoltert. Denn Hengen wurde in der Vergangenheit immer mal wieder lauter, wenn dem ehemaligen Profi die Einstellung, das Mindset und Leistung seiner Mannschaft nicht gefielen. Da knöpfte sich der 51 Jahre alte Hengen die Profis verbal vor. Nach dem Unentschieden gegen Wehen Wiesbaden in der Saison 2023/24 sprach der FCK-Boss von „Hosenscheißer-Fußball“. Hengen hatte für seine Rundumschläge bewusst die öffentliche Bühne gewählt, um zu verdeutlichen, dass die Profis ihre Ich-AG-Gedanken ablegen sollten. Damals stand im Abstiegskampf sehr viel auf dem Spiel: Arbeitsplätze und die Zukunft des FCK.

Wieder mehr Ich-AG?

Fast zwei Jahre später hat der FCK in der aktuellen Saison nichts mit dem Abstieg zu tun. Der Klub hat 40 Punkte und kann die kommende Saison in aller Ruhe planen. Doch damals wie heute verfolgt den FCK ein wiederkehrendes Rätsel: die extremen Ausreißer, das kollektive Versagen. Nach dem Nürnberg-Spiel vor wenigen Tagen kündigte Trainer Torsten Lieberknecht an, die Einstellung seiner Spieler genau unter die Lupe nehmen zu wollen. In den verbleibenden sieben Spielen dieser Saison werde er ganz genau hinschauen, welcher seiner Profis die notwendige Mentalität konstant auf den Platz bringe. „Da ist die Frage: Steht der individuelle Gedanke mehr über dem Mannschaftsgedanken?“ Er werde dies genau beobachten und notfalls Konsequenzen ziehen. Denn: Keiner sei größer als der Verein. Gibt es also wieder mehr Ich-AG als FCK-WG im Team?

FCK-Torwart Julian Krahl redet Klartext, wenn ihm etwas nicht passt.
FCK-Torwart Julian Krahl redet Klartext, wenn ihm etwas nicht passt.

Es ist normal, dass in einer Mannschaft nicht alles geräuschlos verläuft. Eine gesunde Streitkultur ist in Ordnung. Aber eine Ansammlung reiner Ich-AGs oder eine Grüppchenbildung, die die Mannschaft spaltet, ist nicht förderlich. Für die Kaderchemie sind daher Führungsspieler oder der Mannschaftsrat verantwortlich – oder Spieler, die eine gewisse Autorität in der Mannschaft haben.

Torwart Julian Krahl ist ein Profi mit einem Standing. Er redet Klartext, wenn er mit dem Auftritt der Mitspieler nicht einverstanden ist. Er fand daher vorige Woche klare Worte. „Das Besorgniserregende ist die Art und Weise, wie wir verloren haben, dass wir mit keiner Haltung und Gegenwehr Fußball gespielt haben.“ Auch Lieberknecht sprach von Haltung. Seine Mannschaft könne ein Spiel verlieren, aber dabei gehe es eben immer auch um die Haltung. Diese Eigenschaft lässt der FCK bisweilen mal vermissen. Die Haltung zu wahren in schwierigen Momenten ist zweifelsohne nicht immer leicht, da es um Emotionen geht. Aber es zeigt in diesen Augenblicken die wahre Größe eines Spielers oder aber einer Führungskraft.

Wiederkehrende FCK-Ausreißer

Auffällig ist, dass diese Schwankungen, diese Ausreißer beim FCK in jeder Saison wiederkehrend sind und häufig immer kurz vor und nach der Winterpause auftauchen. Es scheint also kein trainerspezifisches Problem zu sein. Lieberknecht sprach von einer Systematik, von einem Virus, den es zu bekämpfen gilt. Das richtige Rezept dazu sucht er noch.

Thomas Hengen sprach in der Vergangenheit von fehlender Gier, Galligkeit, Stressresilienz. Zwischenzeitlich wurden die Schlagworte Demut, Betze-DNA benutzt, wenn es nicht gut lief und wenn es darum ging, die Spieler wachzurütteln.

Ex-FCK-Trainer Markus Anfang verfolgt eine besondere Maxime.
Ex-FCK-Trainer Markus Anfang verfolgt eine besondere Maxime.

Am Samstag trifft der FCK auf Fortuna Düsseldorf (13 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de). Fortuna-Coach Markus Anfang, der vor fast genau einem Jahr beim FCK geschasst wurde, lebt die Maxime: „Wir gehen auf den Platz, um ein Spiel zu gewinnen und nicht, um nicht zu verlieren.“

An der Philosophie von Markus Anfang hatte Thomas Hengen zwischenzeitlich Gefallen gefunden. Er sagte: „Wir müssen das Mindset schnellstmöglich ändern, dass wir auf den Platz gehen, um ein Spiel zu gewinnen und nicht, um nicht zu verlieren.“ Oder: „Die Jungs haben gezeigt, dass sie gewinnen wollen. Das ist das Level, was man immer braucht, um zu punkten.“ Möglicherweise bedarf es wieder eines Bannstrahls von Hengen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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