1. FC Kaiserslautern
Trip der FCK-Fans nach Köln: Von der Party bleibt nicht viel
Die beiden Schiffe nähern sich langsam. Die Anhänger des 1. FC Kaiserslautern singen, als sie unter der Hohenzollernbrücke hindurchfahren, ein bisschen roter Rauch ist zu sehen. Vom Ufer des Rheins aus winken ihnen Menschen zu, die meisten tragen ebenfalls ein rotes Trikot. Um 8.30 Uhr am Sonntagmorgen sind sie in Koblenz an Bord gegangen, 1000 Fans sollen es sein, aus der Pfalz, aber auch anderswo her, aus der Eifel, aus Stuttgart, aus dem Saarland.
Rund viereinhalb Stunden später erreichen sie Köln. Ihre Hoffnung speisen die Betzenberg-Piraten aus dem Jahr 1991, als sich ebenfalls ein Schiff auf den Weg in die Domstadt begab. Damals machte der FCK beim Auswärtsspiel in Köln den Meistertitel perfekt. Diesmal soll es zumindest der Einzug in die Relegation sein. Allen Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz. Doch das Hoffen ist vergebens: Kurz nach 17.20 Uhr müssen die Pfälzer in Köln ertragen, wie der Kölner Anhang den Rasen im Sportpark zu Müngersdorf stürmt. „Nächstes Jahr kommt ihr nach, der FCK gehört in die Bundesliga“, sagt einer von ihnen später im Gespräch mit dieser Zeitung. Im Arm hat er Frau und Tochter, beide haben sich einen Fetzen Aufstiegs-Grün aus dem Rasen geschnitten. Ein besonderes Souvenir. „Es kann sich keiner vorstellen, was es für diese Stadt bedeutet, in der Bundesliga zu sein“, sagt der Mann mit tiefer Stimme und breitem Kölner Dialekt, freudetrunken und selig.
„Betze ahoi“
Ein Gefühl, das Kaiserslautern mindestens ein Jahr aufschieben muss. Für die Fans scheint das verschmerzbar zu sein, sie haben den Trip nach Köln dennoch genossen – und schätzten die Chance auf die Relegation durchaus realistisch ein. „Maximal fünf Prozent“, sagt Charlie, der gemeinsam mit Joschua Kraus sowie Manuel, Patric und Stefan Steiner aus dem südpfälzischen Steinweiler ins Rheinland gereist war. Schließlich hätte ein eigener Sieg des FCK nicht ausgereicht, drei andere Teams hätten patzen müssen. Um die Mittagszeit steht die Fünfergruppe am Rheinufer. Die Anreise tags zuvor war beschwerlich, der Kölner Hauptbahnhof ist gesperrt, wegen eines Oberleitungsschadens in Karlsruhe verspätete sich die Abfahrt um zwei Stunden. Nun haben die Männer ihr erstes Kölsch in der Hand – und ein Problem im Hinterkopf: Sie haben nur zwei Tickets ergattert. Wer ins Stadion darf, ist noch nicht ausdiskutiert. „Mal schauen, wer heute die Rechnung bezahlt“, sagt Joschua Kraus, der die Eintrittskarten organisiert hat. Ein Junggesellinnen-Abschied zieht vorbei. Von denen touren viele durch die City. Egal ob angehende Braut oder FCK-Fans, für alle wird es ein langer Tag in der Altstadt.
In den Tiefgaragen der Hotels in Köln sind die pfälzischen Kennzeichen an diesem Wochenende in der Überzahl: KL, LU, PS, ZW, GER. „FCK-Fans sind auswärts immer sehr präsent“, sagt Klubboss Thomas Hengen, als er am Samstagabend einen Ausflug auf die Rheinpromenade unternimmt. Privat zwar, aber keineswegs unerkannt. Geduldig macht er mit den Fans Erinnerungsfotos, die Mannschaft ist zu diesem Zeitpunkt im Hotel. „In unserer Konstellation ist es viel Wenn und Aber“, sagt Hengen, „wir müssen unsere Hausaufgabe machen und das Spiel gewinnen.“ Einen Tag später ist klar: Beim 0:4 gegen Köln gelingt nicht einmal das.
Das „Palzlied“ in Köln
„Betze ahoi“ steht auf den Mützen der FCK-Fans, als sie das Party-Schiff an der Kölner Bastei verlassen. Sie singen das „Palzlied“ und sind bereit, das Auswärts- vollends zu einem Heimspiel zu machen. Doch bis die Stimmung einen Dämpfer erhält, dauert es gar nicht bis zur Kölner Führung in der 14. Minute. Plötzlich wird Fußball zur Nebensache. Ein Mann stürzt die Rhein-Böschung hinab, offenbar schlägt er mit dem Kopf auf den Steinen auf. Diejenigen, die die Szenen sehen, sind geschockt. Ein Junge weint. Sie befürchten das Schlimmste. Polizisten eilen herbei, der Rettungsdienst ebenfalls. Wenig später scheint sich abzuzeichnen, dass es dem Mann halbwegs gut geht. Er wird von den Sanitätern versorgt, die Situation entspannt sich. Wer ein Ticket hat, geht Richtung Bus, um zum Stadion zu fahren. Der Rest macht sich zu Fuß auf zum Heumarkt in der Altstadt.
Dort eröffnen die FCK-Fans schon am Vorabend so etwas wie eine Pfälzer Botschaft. Hunderte von ihnen stehen am „Brauhaus zum Pfaffen“, singen und feiern. Dass das Ergebnis im Aufstiegsrennen nicht ihren Vorstellungen entspricht – sei’s drum. Vieles erinnert an die Fahrt nach Berlin zum Pokalfinale im vergangenen Jahr. Dort war es ähnlich: eine Tour, die Eindruck macht und im Gedächtnis bleibt. An die sich die Fans auch in vielen Jahren noch erinnern werden – wenngleich auch da der ganz große Triumph ausblieb. FCK-Fans als Fußballtouristen? Gern gesehen, aber nicht erfolgreich? Zumindest der Glaube an den Bundesliga-Aufstieg bleibt. Wenn nicht jetzt, dann bald.
„Wir haben eine gute Saison gespielt“
Nach 20 Minuten trommelt Jean Zimmer seine Teamkollegen in der Nähe des Mittelkreises zusammen. Gerade hat der 1. FC Köln das 2:0 erzielt, es gibt einiges zu besprechen. Allein: Am Spiel der Roten Teufel ändert sich wenig. Doch die Unterstützung bleibt groß.
„Wir sind glücklich mit unserem FCK“, sagt Andrea Wind aus dem Landauer Stadtteil Wollmesheim. Sie ist mit den Teufelsfreunden Südpfalz nach Köln gekommen. „Wir haben eine gute Saison gespielt“, sagt sie – und diese Einstellung ist rund um das Kölner Stadion an diesem Tag häufig zu hören. Die Freude nach dem Finale über eine überwiegend sorgenfreie Saison ohne Abstiegssorgen überwiegt. Das war beim letzten Saisonfinale gegen Köln noch anders. Am 18. Mai 2008 siegte der FCK 3:0 gegen den „Effzeh“ und verhinderte den Sturz in die Dritte Liga. Josh Simpson traf zur Führung, Marcel Ziemer macht die Rettung mit zwei weiteren Toren perfekt. Trainer Milan Sasic und Klubboss Stefan Kuntz tanzten im Regen des Fritz-Walter-Stadions.
Doch nicht einmal vom Himmel kommt an diesem Nachmittag Unterstützung. Während die Kölner Spieler durch die Katakomben ziehen und ihre Aufstiegs-T-Shirts präsentieren, bleibt den FCK-Fans nur die Rückkehr in die Pfalz. Und das Versprechen eines eingefleischten „Effzeh“-Fans: „Wir sehen uns bald.“
