1. FC Kaiserslautern
Trifft der FCK in der nächsten Saison eine alte Reizfigur wieder?
Es war ein ganz wilder Ritt. In der 72. Minute des Drittliga-Topspiels lag Energie Cottbus am Sonntag noch mit 1:3 gegen RW Essen zurück – am Ende stand es nach einer spektakulären Aufholjagd 5:3. Die Lausitzer gehen als Tabellendritter mit viel Rückenwind in die Wochen der Entscheidung, wenn es um den Zweitliga-Aufstieg geht – und könnten in der nächsten Saison wieder auf den 1. FC Kaiserslautern treffen. Wer sind die möglichen neuen Gegner des FCK? Ein Überblick.
Sollte Cottbus aufsteigen und nach zwölf Jahren Abstinenz in die Zweite Liga zurückkehren, wäre das auch der Triumph eines Mannes, der auf dem Betzenberg als Reizfigur gilt. Energie-Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz gehörte als offensiver Mittelfeldspieler zu dem FCK-Team, das in der Saison 1995/1996 erstmals aus der Bundesliga abstieg. Wollitz, als Profi eher ein Techniker als ein Arbeiter, wechselte danach sofort zum KFC Uerdingen.
Das ist die Ausgangslage einer aufgeladenen Beziehung, die sich zugespitzt hat, nachdem der gebürtige Westfale als polarisierende Trainerfigur auch immer wieder gegen den FCK stichelte. „Dass man in Kaiserslautern im Stadtrat mal schnell die Hand hebt und schon sind 1,4 Millionen Euro erlassen, ärgert mich. Wir, die wir nicht so unterstützt werden wie andere, haben zwei Punkte mehr“, sagte er einst als Coach des VfL Osnabrück, als es um die kommunale Unterstützung beim Fritz-Walter-Stadion ging. Das Resultat: Regelmäßig, wenn Wollitz bisher als Trainer auf den Betzenberg zurückgekehrt ist, hagelte es Pfiffe aus der Westkurve gegen seine Person.
Osnabrück schon dicht vor dem Ziel
Ein bisschen konkreter in die Zweitliga-Planungen einsteigen kann im Gegensatz zu den Cottbusern, die mit 63 Punkten zurzeit auf Relegationsplatz drei stehen, bereits Tabellenführer VfL Osnabrück (70). Die rustikale Fußballatmosphäre an der „Bremer Brücke“ erlebten die Roten Teufel zuletzt in einer denkwürdigen Zweitliga-Partie im Oktober 2023, als der Osnabrücker Torwart Lennart Grill, einst beim FCK zum Profi gereift, gleich zwei Lauterer Elfmeter von Kevin Kraus und Terrence Boyd parierte. Boris Tomiak gelang in der Nachspielzeit in Unterzahl nach einer Roten Karte für FCK-Keeper Julian Krahl noch der 2:2-Ausgleich für die Pfälzer.
Wer sind die übrigen realistischen Aufstiegskandidaten aus der Dritten Liga? Zwei Kultklubs aus dem Ruhrpott und ein wuchtiger Traditionsverein aus dem Norden. Gegen RW Essen, zurzeit mit 64 Punkten auf dem zweiten direkten Aufstiegsplatz, spielte der FCK zuletzt vor fast 20 Jahren. In der Saison 2006/2007 begegneten sich beide Klubs noch in der Zweiten Liga, bevor Essen in den Niederungen verschwand und jahrelang vergeblich versuchte, sich aus der Regionalliga zurück in den Profifußball zu kämpfen. Im aktuellen Drittliga-Team gehört der frühere Lauterer Jugendspieler Torben Müsel aus Grünstadt zu den Leistungsträgern.
Das wichtigste Spiel zwischen RWE und FCK fand allerdings am 26. Juni 1955 im Niedersachsenstadion in Hannover statt: Im Finale um die deutsche Meisterschaft, ein Jahr nach dem „Wunder von Bern“, unterlagen die Roten Teufel mit den Walter-Brüder Fritz und Ottmar, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel den Essenern um WM-1954-Siegtorschütze Helmut Rahn mit 3:4.
Höchster Bundesliga-Auswärtssieg bei den „Zebras“
Bessere Erinnerungen hat der FCK an den MSV Duisburg, der als Vierter (wie Cottbus 63 Punkte) mit Hochdruck am Durchmarsch von der Vierten in die Zweite Liga arbeitet. Das 7:1 bei den „Zebras“ am 10. April 1994 – damals mit sechs Lauterer Toren in der zweiten Halbzeit – ist bis heute der höchste FCK-Auswärtssieg in der Bundesliga.
Ebenfalls noch Chancen auf das Zweitliga-Comeback hat der Fünfte Hansa Rostock, der drei Punkte hinter dem Relegationsplatz rangiert. Es wäre eine reizvolle Reise in ein stimmungsvolles Stadion an die Ostsee für die FCK-Fans – und ein Traditionsduell mit einer langen Historie.
Heidenheim, Wolfsburg oder St. Pauli?
Aus der Bundesliga dürften mit hoher Wahrscheinlichkeit der 1. FC Heidenheim und entweder der VfL Wolfsburg oder der FC St. Pauli künftig eine Etage tiefer antreten. St. Pauli würde die Rückkehr des bei den Fans populären Auswärtsziels Hamburg bedeuten, das kleine Heidenheim auf der Ostalb wäre zumindest in einem erträglichen Rahmen mit dem Auto erreichbar.
Gegen VW-Klub Wolfsburg hat der FCK seit der Saison 2011/2012 nicht mehr gespielt. Allerdings standen die VfL-Profis um Trainer Wolfgang Wolf im Mai 1998 Spalier, als ein 4:0-Sieg auf dem Betzenberg durch das zeitgleiche Unentschieden des FC Bayern die Lauterer Jahrhundert-Meisterschaft als Aufsteiger mit Trainer Otto Rehhagel besiegelte.
