1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Trainerdebatte beim FCK: Der Druck auf Lieberknecht steigt

Bekommt er noch einmal die Kurve? FCK-Trainer Torsten Lieberknecht.
Bekommt er noch einmal die Kurve? FCK-Trainer Torsten Lieberknecht.

Der erschreckend leblose Auftritt beim 0:2 gegen Braunschweig dreht den Scheinwerfer auf FCK-Trainer Torsten Lieberknecht. Erreicht er die Mannschaft noch? Ein Kommentar.

Die bewährte Notfallstrategie, mit einem Heimsieg den Frust über einen desolaten Auswärtsauftritt zu neutralisieren, hat diesmal nicht funktioniert. Der 1. FC Kaiserslautern taumelt nach dem in jeder Hinsicht beunruhigenden 0:2 gegen Eintracht Braunschweig orientierungslos in Richtung Saisonende. Die Fans wenden sich von einer Mannschaft ab, die mittlerweile erschreckend leblos auftritt. Und mitten im Sturm der Entrüstung steht Trainer Torsten Lieberknecht. Der Mann, der den FCK zurück in die Bundesliga bringen wollte, wirkt zunehmend ratlos und verzweifelt.

In den drei verbleibenden Saisonspielen gegen die Abstiegskandidaten Dresden, Bielefeld und Magdeburg muss Lieberknecht den drastischen Abwärtstrend stoppen – auch für seine persönliche Zukunft am Betzenberg. Der erfahrene Trainer muss den Eindruck widerlegen, dass er sich an diesem launenhaften Team die Zähne ausgebissen hat. Und er muss auf den letzten Metern dieser durchwachsenen Spielzeit den Nachweis erbringen, dass er seine notorisch volatile Belegschaft noch erreicht. Der FCK erlebt das Lieberknecht-Paradoxon: Spiele, die für den Ausgang der Saison mehr oder weniger irrelevant sind, sind jetzt mit enormer Bedeutung aufgeladen.

Gelingt die zeitnahe Trendwende nicht, könnten die branchenüblichen Loyalitätsbekundungen der Führungsetage um Geschäftsführer Thomas Hengen und Sportdirektor Marcel Klos das Verfallsdatum einer Maifliege besitzen. Zumindest, wenn man die geltenden Gesetze des Fußballgeschäfts und die bekannte Handlungshärte Hengens bei ausbleibender Entwicklung des Teams als Maßstab nimmt.

Instrumentenkatalog ist aufgebraucht

Lieberknecht hat mittlerweile fast alles ausprobiert, was sich im Instrumentenkatalog eines Trainers für schwierig zu führende Kader finden lässt. Er hat seinen Spielern gut zugeredet, mit Verweis auf die Werte des Klubs an ihre Ehre appelliert, den harten Hund ausgepackt und sein Personal die Treppenstufen am Betzenberg hinaufgejagt. Einen dauerhaften positiven Effekt hatte keine dieser Maßnahmen.

Jetzt bleibt Lieberknecht aus eigener Perspektive im Grunde nur übrig, diese Saison irgendwie zu einem halbwegs versöhnlichen Abschluss zu bringen, um im Sommer noch eine zweite Chance zu bekommen, den nächsten Neuaufbau anleiten zu dürfen. Seine Argumente für eine Weiterbeschäftigung schwinden durch wiederkehrend alarmierende Auftritte wie beim 0:3 in Kiel oder gegen harmlose Braunschweiger, bei denen nur noch die Trümmerteile einer Mannschaft zu besichtigen waren, die in der Hinrunde zumindest punktuell guten Fußball gespielt hat.

Bei allen weiterhin richtigen Argumenten der Lieberknecht-Befürworter, wie seine unbestritten hohe Identifikation mit dem Verein und seiner vielversprechenden Historie als Aufstiegstrainer in Braunschweig und Darmstadt mit der entsprechenden Aufbauzeit: Der Gesamteindruck dieser Saison dreht gerade derart bedrohlich ins Negative, dass im Sommer jeder Stein beim FCK umgedreht werden muss – dazu gehört natürlich auch eine kritische Bewertung der Arbeit des Trainers.

Denn klar ist: Die Stimmung im emotionalen Lauterer Umfeld schwankt derzeit zwischen blankem Fatalismus und bitterer Enttäuschung. Und das wären atmosphärisch die denkbar schlechtesten Voraussetzungen, um in der nächsten Saison neu angreifen zu können.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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