1. FC Kaiserslautern
Thema Aufstieg erledigt: Was fängt der FCK mit dieser Saison noch an?
Als die vierte Heimniederlage der Saison besiegelt war, leerte sich das Fritz-Walter-Stadion am Samstag schnell. Nach der 1:2-Niederlage gegen den SC Paderborn war die Enttäuschung im Lager des 1. FC Kaiserslautern greifbar. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Situation beim FCK.
1:2 gegen Paderborn, die dritte Niederlage gegen ein Topteam der Zweiten Liga in Folge, acht Punkte Rückstand auf Platz drei. War’s das mit dem Thema Aufstieg für den FCK?
Ja, alles andere sind Fantastereien. In zehn verbleibenden Spielen ist ein derart großer Rückstand nach menschlichem Ermessen nicht mehr aufzuholen. Es konkretisiert sich ein Fünfkampf um zwei direkte Aufstiegsplätze und den Relegationsplatz ab, bei dem Schalke, Paderborn, Darmstadt, Elversberg und Hannover aktuell nur zwei Punkte auseinander liegen.
Auch Trainer Torsten Lieberknecht dürfte insgeheim wissen, dass das Projekt Bundesliga-Rückkehr um eine weitere Saison verschoben werden muss. „Wir hätten gerne heute diesen Dreier geholt, um einen Schritt in der Tabelle zu machen. Die Enttäuschung ist groß, auch über die Art und Weise der Niederlage“, sagte der 52-Jährige nach dem Paderborn-Spiel – und bewegte sich danach fast schon im Bereich der Durchhalteparole. „Jetzt schauen wir weiter, wie es vorangeht Woche für Woche. Ob wir vielleicht irgendwann wieder eine andere Tabellensituation haben.“ Fast wortgleich äußerte sich Mittelfeld-Mann Semih Sahin. „Der Blick nach oben interessiert uns schon seit Wochen nicht mehr, wir gucken nicht mehr auf die Tabelle. Wir schauen jetzt einfach von Spiel zu Spiel, von Woche zu Woche“, sagte der 26-Jährige.
Welche Ziele bleiben dem FCK denn noch?
Es läuft auf kleinere Erfolgserlebnisse hinaus. Platz sechs gegen die punktgleiche Hertha zu verteidigen, könnte sich am Saisonende in der Fernsehtabelle positiv auswirken. Und damit wäre rein formell auch das offizielle Saisonziel erreicht, laut dem der FCK besser als Rang sieben in der Vorsaison abschneiden wollte. In diesem Zusammenhang dürfte es auch von gewisser Relevanz für Trainer Lieberknecht sein, mehr als die 53 Punkte zu holen, die in der zurückliegenden Spielzeit noch größtenteils von seinem Vorgänger Markus Anfang eingefahren wurden. Sonst könnte man sogar von einem Rückschritt unter Lieberknecht sprechen.
Aktuell stehen die Lauterer bei 37 Zählern, in der vergangenen Saison waren es zum gleichen Zeitpunkt fünf Punkte mehr und Platz zwei in der Tabelle. Dementsprechend bräuchten die Pfälzer noch 17 Punkte aus zehn Spielen, das wären fünf Siege und zwei Unentschieden. Selbst das klingt ganz schön ambitioniert.
Wie ist denn das Restprogramm einzuschätzen?
Die großen Brocken warten nicht mehr auf den FCK, gegen die „Big Five“ – die ersten fünf Klubs in der Tabelle – haben die Roten Teufel in der Rückrunde schon gespielt. In den Topspielen sind die Lauterer jedoch an ihre Grenzen gestoßen, wie die schlechte Bilanz mit nur einem Sieg, einem Unentschieden und drei Niederlagen beweist. Die Begegnungen in Hin- und Rückrunde zusammengerechnet, hat der FCK in den zehn Spielen gegen die ersten Fünf der Tabelle zehn Punkte geholt (3 Siege/1 Unentschieden/6 Niederlagen). Auch in den direkten Duellen haben die Roten Teufel die Chance auf mehr in dieser Saison verspielt.
Ab sofort geht es nur noch gegen Teams, die hinter dem FCK stehen. Mit der Partie beim VfL Bochum (Samstag, 20.30 Uhr), dem Südwest-Derby gegen den Karlsruher SC (Sonntag, 15. März), dem Traditionsduell beim 1. FC Nürnberg (Samstag, 21. März), dem Wiedersehen mit Ex-Trainer Anfang gegen Fortuna Düsseldorf (Wochenende 4. April), und der Neuauflage des DFB-Pokal-Achtelfinales bei Hertha BSC (Wochenende 11. April) geht es zunächst fünfmal gegen Klubs aus dem Mittelfeld des Klassements. Zum Saisonkehraus müssen die Lauterer bei Holstein Kiel, gegen Eintracht Braunschweig, bei Dynamo Dresden, gegen Arminia Bielefeld und beim 1. FC Magdeburg noch gegen fünf Abstiegskandidaten ran. Das ist ein machbares Programm, bei dem man im Normalfall ordentlich punkten kann.
Wie wichtig werden die verbleibenden Spiele in dieser Saison für Trainer Lieberknecht?
Enorm wichtig. Die anfängliche Euphorie um die Verpflichtung des Ur-Pfälzers im April 2025 ist verflogen, nach knapp einem Jahr Lieberknecht stagniert die Mannschaft. Die große Weiterentwicklung ist ausgeblieben. Einen Aufstieg kann man sicher nicht auf Knopfdruck produzieren, aber FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen dürfte genau hinschauen, wie sich das Team im weiteren Saisonverlauf präsentiert. „Wir müssen weiter punkten. Es sind noch zehn Spiele und es können noch 30 Punkte geholt werden. Wenn wir die alle holen würden . . .“, orakelte der Lauterer Boss am Samstag bei Sky. Auch wenn das ganz große Ziel faktisch nicht mehr erreichbar ist, darf es keinen Spannungsabfall geben, darf die Mannschaft nichts abschenken, sich nicht hängenlassen. Sonst dürfte es auch für Lieberknecht sehr ungemütlich werden und der Haßlocher könnte die Gelegenheit verwehrt bekommen, in der neuen Saison mit diesem auch auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Kader einen weiteren Anlauf Richtung Aufstieg zu wagen.
Die Tabelle nach dem 34. Spieltag ist dabei das Eine, die Stimmungslage im Umfeld wird aber mindestens genauso wichtig sein. Und um diese wieder zu verbessern, braucht Lieberknecht konstantere und fußballerisch bessere Leistungen als bisher in der Rückrunde (zehn Punkte aus sieben Spielen), auch ein bisschen mehr Spielkultur würde sicher nicht schaden. Der Trend muss stimmen, um mit ein bisschen Rückenwind in die neue Spielzeit zu gehen. Sollte das nicht gelingen und er trotzdem im Amt bleiben, würde der Trainer mit einer gewaltigen Hypothek in die neue Saison gehen, der Druck wäre vom ersten Spieltag an immens hoch.
