1. FC Kaiserslautern
Raschls rauschende Rückkehr beim FCK
Der Saisonhöhepunkt des FCK und wohl auch der persönliche waren der Beginn des tiefen Sturzes: Am 25. Mai 2024 stand der 1. FC Kaiserslautern im DFB-Pokal-Endspiel in Berlin. Tobias Raschl gehörte zur Startelf. Nach 83 Minuten wurde der Lauterer Mittelfeldspieler ausgewechselt. Was damals niemand ahnte: Es sollte für eine lange Zeit das letzte Mal gewesen sein, dass Raschl eine bedeutende Rolle in einem Spiel des FCK einnahm.
Denn mit Markus Anfang, dem vorige Woche geschassten FCK-Trainer, begann die Leidenszeit des technisch überaus begabten Fußballers. Manche sagen: die Demontage. Raschl spielte unter Anfang keine Rolle. 172 Minütchen stand er bislang in dieser Saison auf dem Platz. Vorige Runde waren es 2037 Minuten. Für Raschl war es der freie Fall – vom Gipfel seiner sportlichen Laufbahn bis sprichwörtlich in die Hölle. Sieben Mal stand er diese Runde nicht mal im Kader, zuletzt viermal in Folge.
Raschl im Fokus anderer Vereine
Die Degradierung setzte Raschl zu. Er gab sich in dieser Phase selbst einen Maulkorb, wollte nicht mit den Medien reden. Im Winter bat er nach Informationen dieser Zeitung auch um eine Freigabe. Ein skandinavischer Klub war bereit, Raschl zu verpflichten, doch der FCK gab den 25 Jahre alten Mittelfeldspieler nicht frei. Nun buhlt Hertha BSC nach Informationen dieser Zeitung um Raschl. Dessen Vertrag beim FCK endet 2026. Dem Vernehmen nach beschäftigte sich Raschl ernsthaft mit einem Wechsel in die Hauptstadt. Denn Raschl ist ein Spieler mit großem Potenzial. Sein Manko: Die Leistungen auf dem Platz schwanken zu häufig.
Mit dem Trainerwechsel unter der Woche hat sich die Situation nun schlagartig verändert. Tobias Raschl ist nicht mehr nur Statist. Torsten Lieberknecht, der neue Lauterer Chefcoach, hat Raschl sozusagen reaktiviert. Er spielt in des Trainers Planspielen eine Rolle – ob eine große, das hängt nun an Raschl. Jedenfalls hat der 2023 von Fürth zum FCK gekommene Mittelfeldspieler neuen Mut geschöpft. „Ich bin einfach erleichtert und fröhlich, dass ich wieder auf dem Platz stand – und das dann auch noch mit einem Sieg“, sagte Raschl nach dem 2:1-Erfolg am Sonntag gegen den FC Schalke 04: „Es ist einfach ein geiles Gefühl. Die letzten Monate waren eine schwierige Zeit für mich, deswegen bin ich einfach happy und froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte.“ Lieberknecht, sagte Raschl, gebe jedem Spieler das Gefühl, dass er gebraucht werde.
Raschl: Neuer Trainer bringt Lockerheit ins Team
Raschl war jedenfalls ein belebendes Element, als er in der 71. Minute ins Spiel kam. Sein Pass zu Ragnar Aches vermeintlichem 2:1 – eine Augenweide. Der Treffer wurde aber wegen Abseits nicht gegeben. Für Raschl war es eine Erleichterung, wieder auf dem Platz zu stehen. „Es war wichtig, dass er gleich funktioniert hat“, sagte Trainer Lieberknecht: „Man sah bei ihm, wie auch bei Philipp Klement im Training, dass die Jungs mit ihrer Ballsicherheit ein gewisses Etwas mitbringen. Tobi hat es direkt umgesetzt. Er kam richtig gut ins Spiel.“ Lieberknecht hatte die Woche über viel mit den Spielern geredet. „Der Trainer brachte positive Energie rein, positive Stimmung und eine gewisse Lockerheit“, schilderte Raschl: „Das hat mich beeindruckt.“
Die schwierige Phase war für Raschl eine Lebenserfahrung. Seine Familie, die er häufiger in dieser zermürbenden Zeit in Düsseldorf besuchte, sprach ihm Mut zu. Auch seine Freundin Louisa war mehr als nur einmal quasi Seelsorgerin. „Ich bin sehr stolz, dass ich sie habe“, sagte Raschl. In der Mannschaft waren es die Leitwölfe Marlon Ritter und Daniel Hanslik, die ihn immer wieder aufbauten. Raschl gehört dem Mannschaftsrat an. „Die Jungs machten es mir und den anderen leicht“, sagte er: „Wir haben eine gute Mannschaft und haben auch unter Woche eine geile Stimmung. Da freut es einen Spieler, ins Training zu kommen und Spaß im Training zu haben, gerade, wenn man am Wochenende nicht dabei ist.“
Am Sonntag gegen Schalke war es für ihn so etwas wie ein Neustart – vier Spieltage vor Saisonende. Allerdings ein Neubeginn mit einem ganz besonderen Moment. Denn als Marlon Ritter ausgewechselt wurde, lief er zu Tobias Raschl und legte ihm die Kapitänsbinde an. „Das war ein schöner Moment“, sagte Raschl nach dem Abpfiff.
