1. FC Kaiserslautern
Rätselhafte Schwankungen: Lieberknecht mit klarer Forderung an Gyamfi
Aufs Reden hatte Maxwell Gyamfi keine Lust. Nach rekordverdächtigen 32 Sekunden war das Interview mit dem Verteidiger des 1. FC Kaiserslautern nach dem 3:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf schon wieder beendet. Jetzt ist es ehrlicherweise meistens nicht so, dass bei den flüchtigen Begegnungen in der Mixed Zone kurz nach dem Abpfiff tiefschürfende Erkenntnisgewinne ans Licht der Fußballwelt befördert werden. Doch Gyamfi ließ nicht zum ersten Mal einen verbalen Minimalismus erkennen, der über das gewohnte Maß an Profi-Abgeklärtheit hinausgeht.
„Wir haben gewonnen, also gut“, lautete sein knappes Fazit, vorgetragen mit der Lustlosigkeit eines Mannes, der lieber eine Steuererklärung ausfüllen würde als über seine Arbeit zu referieren. Dass die Rote Karte dem FCK „in die Karten gespielt“ habe, war das höchste der Gefühle an analytischer Tiefe. Dann: Abgang. Die Botschaft war klar: Reden sollen die anderen, ich bin dann mal weg.
100 Prozent Zweikampfquote gegen Düsseldorf
Der wortkarge Gyamfi hielt sich sehr kurz, dafür sprach sein Trainer ausführlich über ihn. Torsten Lieberknecht berichtete davon, dass es intensive Gespräche mit dem Abwehrmann gegeben habe. Der Inhalt waren Gyamfis unübersehbare Leistungsschwankungen in dieser Saison. In der vertrauten Kulisse des Fritz-Walter-Stadions agiert der 26-Jährige oft so, wie man sich einen modernen Innenverteidiger erträumt – physisch präsent, unerschütterlich in der Luft, ein Abwehr-Anker mit Perspektive. Gegen Düsseldorf gewann er jeden einzelnen Zweikampf, als wäre der Strafraum sein privates Hoheitsgebiet. Ganz anders stellt sich die Sache auswärts da, wo Gyamfi regelmäßig schlimm wackelt – beim 0:3 in Nürnberg vor der Länderspielpause zückte die RHEINPFALZ erstmals in seiner Zeit beim FCK die Note 6. Ungenügend, die Höchststrafe.
Gyamfis krasse Ausschläge sind auch intern ein Thema. „Die Diskrepanz zwischen Topspielen zu absoluten Aussetzern ist bei ihm da. Auch wenn er seine erste richtige Zweitliga-Saison spielt, muss er lernen, das zu projizieren. Da versuchen wir natürlich zu helfen und das eine oder andere Gespräch zu führen, aber er muss dann auch auswärts konstant seinen Mann stehen“, sagte Lieberknecht nach dem Sieg gegen Düsseldorf am Osterwochenende. Gyamfi war im vergangenen Sommer von Drittligist VfL Osnabrück an den Betzenberg gewechselt.
Seine Benotungen in dieser Saison spiegeln die Inkonstanz wider. Gyamfis Notenschnitt von 3,4 ziehen vor allem einige ganz schwache Auswärtsspiele in der Rückrunde ordentlich nach unten. Nach dem 2:3 in Bochum und dem 0:4 in Darmstadt setzte es jeweils eine 5, in Nürnberg gar eine 6. Das Problem der Leistungsausschläge ist wohl weniger in den Beinen als in den verzweigten Labyrinthen des mentalen Bereichs zu verorten.
Ungute Erinnerungen an das Berliner Olympiastadion
Ob Gyamfi die Lieberknecht’sche Forderung nach Beständigkeit umsetzen kann, wird sich schon am Samstag (13 Uhr) im Berliner Olympiastadion bei Hertha BSC zeigen. Es ist ein Ort mit einer aus Lauterer Sicht unrühmlichen Vorgeschichte. Im DFB-Pokal-Achtelfinale erlebten die Pfälzer in der Hauptstadt eine jener Abreibungen, die man gemeinhin als „denkwürdig“ zu bemänteln versucht – ein 1:6, das Gyamfi höchstpersönlich mit einem katastrophalen Fehlpass vor dem 0:1 in der sechsten Minute einleitete. Es war ein Horrorabend, der für ihn nach seiner frühen Auswechslung bereits zur Pause in der Kabine endete, während draußen das Unheil weiter seinen Lauf nahm.
Gyamfi steht längst ein wenig sinnbildlich für diese wankelmütige Lauterer Mannschaft, die zu Hause wie ein potenzieller Aufsteiger und auswärts wie ein Abstiegskandidat auftritt. Und dieses Muster im Saisonverlauf einfach nicht abgeschüttelt bekommen hat.
Vielleicht gibt es ja am Samstag bei der Hertha Ansätze zur Besserung zu beobachten. Auch Gyamfi kann bei der zweiten Visite im Berliner Beton-Oval in dieser Saison beweisen, dass er keinen chronischen Auswärtskomplex entwickelt hat. Es wäre die Gelegenheit, das Schweigen gegen die Souveränität einzutauschen – und den Beweis zu erbringen, dass ein Ankerspieler auch auf fremdem Terrain nicht zwingend den Halt verlieren muss.
