1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Olaf Marschall wird 60: Fußball-Gott mit Nasenpflaster

Das Nasenpflaster war ein Markenzeichen von Olaf Marschall.
Das Nasenpflaster war ein Markenzeichen von Olaf Marschall.

Olaf Marschall ist einer der bedeutendsten Spieler des 1. FC Kaiserslautern. Doch beinahe wäre der Torjäger gar kein Fußballer geworden. Am Donnerstag wird er 60 Jahre alt.

Seine Haltung bewahrt Olaf Marschall vor einer möglicherweise fatalen Zukunft. Als er das Sportinternat in Leipzig besucht, wollen die Funktionäre den für sein Alter schlaksigen Kerl zum Ruderer schulen. „Nichts für mich – zu viel Training, zu viel Lauftraining“, wiegelt Marschall ab. Er bleibt beim Fußball – und wird eine erfolgreiche Laufbahn erleben. Es wird eine Karriere, die viele Freundschaften bringt, wo er die Welt sieht, seine Liebe kennenlernt – und die in einer Sensation mündet.

Statistik fürs Leben: Nationalspieler Olaf Marschall.
Statistik fürs Leben: Nationalspieler Olaf Marschall.

Olaf Marschall ist ein junger Mann, als er von zu Hause im beschaulichen Torgau nach Leipzig aufs Sportinternat geht. In der Kaderschmiede treffen sich zwei Menschen, die Jahrzehnte später mit 1. FC Kaiserslautern Fußballgeschichte schreiben. Jürgen Rische ist drei Klassen hinter Marschall.

Was seine FCK-Kumpels sagen

„Für mich war er schon damals ein Vorbild. Ich wollte auch das erreichen, was ihm gelang“, sagt Rische im Gespräch. Rische, Thomas Riedl, Harry Koch und Olaf Marschall – sie wurden beim FCK Freunde und sind es heute noch. Koch und Marschall teilten sich bei Auswärtsfahrten das Zimmer sowie Rische und Riedl. „Der Olaf hatte immer seinen Laptop und später die Play-Station dabei“, erzählt Koch: „Und spielte seine Strategiespiele.“ Zu den damaligen Zeiten war das jedoch nicht so einfach. „Wir haben dann über die Zimmer Netzwerkkabel verlegt, um zu spielen“, sagen Riedl und Rische.

Liebe fürs Leben: Heidi und Olaf Marschall.
Liebe fürs Leben: Heidi und Olaf Marschall.

In Marschalls damaligem Haus in Niederkirchen wurde häufig gezockt. Sohn Nicolas durfte mitspielen. „Das hat Olafs Frau Heidi nicht immer gefallen“, sagt Rische. Doch Nicolas gewann immer. „Deswegen bekam er den Spitznamen Axtmann“, erinnert sich Rische.

Titel mit all seinen Vereinen

Computerspiele begleiten Olaf Marschall heute noch indirekt. Sohn Nicolas ist Gamedesigner, Tochter Dominique Mediengestalterin. Marschall selbst sitzt immer noch häufig vor dem Computer, aber berufsbedingt. Seit 1. Januar 2021 ist er Chefscout beim FCK. In diesem Job kommt er um den Computer nicht herum.

Freunde fürs Leben: Olaf Marschall und Thomas Riedl.
Freunde fürs Leben: Olaf Marschall und Thomas Riedl.

Der 1. FC Kaiserslautern war eine von vielen Stationen in der Laufbahn von Olaf Marschall. Er spielte bei Lok Leipzig, Admira Wacker Wien und Dynamo Dresden. Mit allen Vereinen war er erfolgreich, gewann Titel. Aber nur mit dem FCK wurde er Meister – nach dem erstmaligen Abstieg in der Vereinsgeschichte. Marschall war ein Gesicht des Aufstieges und erlebte im Meisterjahr 1997/98 das beste Jahr seiner Karriere. Er erzielte 21 Tore bei 24 Einsätzen. 73 wurden es in den acht Jahren beim FCK. Tore aus allen Lagen – die Fans hatten einen neuen Liebling: „Olaf Marschall – Fußball-Gott.“ Ein Fußball-Gott mit Nasenpflaster. Das Unternehmen, das die Nasenpflaster herstellte, hatte einen Werbevertrag mit Marschall abgeschlossen.

Funktionierendes Jobsharing mit Jürgen Rische

Meistertrainer Otto Rehhagel schätzte Marschall als besonderen Menschen und als überragenden Fußballer. Das Job-Sharing mit Jürgen Rische funktionierte. Der Tor-Marschall – ein Star ohne Allüren. Ein Mann mit gesundem Mutterwitz. „Meine Jungs aus dem Osten – einfach Helm auf und durch …“, schwärmte Rehhagel von dem Torjäger-Duo. „Unser Quoten-Ossi“, scherzte Riedl immer. Mit ihm trainierte Marschall 2013/14 den SC Idar-Oberstein.

Otto Rehhagel ließ der Mannschaft damals viele Freiheiten. Die Spieler dankten es mit Top-Leistungen. Thomas Riedl nennt es heute: die Kraft des Kollektivs. „Wenn wir um 15.30 Uhr Training hatten, waren viele schon um 14 Uhr auf dem Platz und spielten einen Kreis“, erzählt Riedl: „Da waren wir schon kaputt, bevor das Training begann.“ Der Zusammenhalt war enorm im Meisterteam. Die Spieler gingen gemeinsam abends auf die Piste. Es waren Zeiten, in denen die Profis sich unbeschwerter in der Öffentlichkeit bewegen konnten. „Olaf war ein Stratege, er diskutierte im Team, wie man sich verbessern kann, was man besser als Team machen kann. Er hatte immer den Drang, den Gedanken, voranzukommen“, sagt Harry Koch.

Die letzte Station wird zur neuen Heimat

Kaiserslautern wurde die letzte Station von Olaf Marschall. Er lernte die Pfalz schätzen – und blieb bis heute. Einem Flecken Erde, in dem es viel Natur gibt. Die liebt Marschall. Mit seinem Hund spazierte er durch den Pfälzer Wald. Die Ruhe und die Abgeschiedenheit – das ist eher Marschalls Welt als das Rampenlicht. „Olaf wird sich nicht vor eine Kamera stellen und viel reden“, sagt Rische: „Er ist klar, ideenreich und macht es auf die ruhige Art, nie aufbrausend. Olaf blieb immer bodenständig, Das war er auch schon als junger Mensch.“

Momente für Leben: Otto Rehhagel und Olaf Marschall.
Momente für Leben: Otto Rehhagel und Olaf Marschall.

Durch die Sportlerkarriere hat Olaf Marschall die Welt sehen dürfen. Mit der DDR-Nationalmannschaft flog er 1985 auf eine Südamerika-Tour. Da war Marschall 18 Jahre alt. Jahre später, als der vierfache DDR- und 13-fache BRD-Nationalspieler seine Laufbahn beendet hatte, reiste er mehrmals nach Afrika. Mit den United Global-Fußballern von Ex-Profi Lutz Pfannenstiel engagierte sich Marschall missionarisch und sozial. In Afrika pflanzten die ehemaligen Profisportler Bäume oder brachten den Menschen Mülltrennung bei.

Die hässlichen Locken als Markenzeichen

Solche Projekte gefallen Marschall. Denn er ist ein Mensch, der dazulernen will, der Dinge hinterfragt und der zu vielen Themen eine fundierte Meinung hat. Schon während seiner Zeit als Fußballer beschäftigte sich Marschall mit Wertpapieren. Ein Metier, in dem er heute eine große Expertise vorweisen kann. Nie hat Marschall dabei seinen feinen Humor verloren. „Diese hässlichen Locken auf dem Kopf hat nicht jeder, das ist irgendwie mein Markenzeichen geworden“, sagte einmal Marschall über sich.

Olaf Marschall (links) und Harry Koch teilten sich ein Zimmer bei Fahrten des FCK.
Olaf Marschall (links) und Harry Koch teilten sich ein Zimmer bei Fahrten des FCK.

Ob der Wiener Schmäh Marschalls Humor beflügelte? Die österreichische Metropole hat er ins Herz geschlossen. Admira Wacker Wien war Marschalls erster West-Verein nach der Wende. Dabei wollte er gar nicht dorthin. Chemnitz war das eigentliche Ziel. Dort war Hans Meyer Trainer. Doch eines Nachts rief ihn gegen 0 Uhr ein Berater aus Wien an. Marschall weiß bis heute nicht, woher er die Telefonnummer hatte. Wien wurde Liebe auf den ersten Blick. Die Lebensweise gefällt Marschall heute noch.

Wiener WG statt Hotel

Auch in Wien fand er Freunde fürs Leben. Mit seinem früheren Mitspieler Gerald Bacher pflegt er nach wie vor eine enge Bande. Bacher bot Marschall damals an, bei ihm einzuziehen. Einen Haken hatte das Angebot: Marschall musste helfen, die Bude zu renovieren. WG für eine kurze Zeit statt Hotel. Perfekt für Marschall. Er mag es gesellig. Und Bacher zeigte ihm, das Leben auf die Wiener Weise zu genießen.

Seinen 60. Geburtstag feiert Olaf Marschall nicht in Wien. Er genießt den besonderen Tag in südlichen Gefilden – mit seiner Familie. In Ruhe, ohne Tamtam. So wie zum 50. Geburtstag auch. Eben so wie Marschall ist: bodenständig, natürlich, authentisch.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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