1. FC Kaiserslautern
Nach Pleite in Darmstadt: Dem FCK steht eine unruhige Woche bevor
Julian Krahl war sauer. Als der Torwart des 1. FC Kaiserslautern am Samstagabend vom Rasen des Böllenfalltors in Darmstadt ging, redete er erregt auf Ersatzkeeper Simon Simoni ein, gestikulierte mit den Armen. Gerade hat sein FCK völlig verdient beim SV Darmstadt 98, neuer Tabellenführer der Zweiten Fußball-Bundesliga, verloren. Viermal ließen die Hausherren ihre Kult-Torhymne „Die Sonne scheint: Tor! Lilien vor“ von Alberto Colucci aus den Stadionboxen scheppern. Jedes Mal mit freundlicher Mithilfe wenigstens eines Roten Teufels.
Dementsprechend geladen war Krahl, der mit zahlreichen Paraden eine noch höhere Schlappe verhindert hatte, beim TV-Interview mit „RTL Nitro“. „Zweikämpfe wurden nicht gewonnen, Einsatz war nicht da und das müssen wir uns mal richtig auf die Fahnen schreiben, dass das einfach mal ein Haufen Scheiße war“, ärgerte er sich. Krahl hoffe auf eine „sehr harte“ Trainingswoche. Das wäre nur verdient, fand der Keeper.
Vier Fehler, vier Gegentore
Es dauerte nur wenige Minuten, ehe die „Lilien“ das eigene Publikum erstmals losgrölen ließen. In der fünften Minute überrumpelte Luca Marseiler Paul Joly, indem er sich in dessen Rücken schlich und nur per Foul im Strafraum gestoppt werden konnte. Fraser Hornby versenkte den Elfmeter. Beim 0:2 ließ Jacob Rasmussen Marco Richter aus den Augen, der in seinem Rücken den Ball annahm, ihn zu Hornby im Strafraum gab, ehe Fynn Lakenmacher vollendete (29.). Kurz vor der Halbzeit kam Kai Klefisch bei einem Eckball völlig unbedrängt zum Abschluss (45.). Kurz vor Spielende versuchte Rasmussen den Ball vor dem heranstürmenden Marseiler abzuschirmen, damit Krahl das Spielgerät sicher aufnehmen kann. Blöd nur, dass der Darmstädter etwas schneller schaltete als das Duo (90. + 2).
Verständlich also, dass auch FCK-Sportdirektor Marcel Klos deutliche Worte fand. In der Mixed Zone prangerte er das Verhalten der Roten Teufel bei allen vier Gegentreffern an. „Wenn man in Darmstadt spielt und vier individuelle Fehler macht, kriegt man vier Gegentore“, resümierte er. „Da muss sich jeder hinterfragen“, sagte Daniel Hanslik. Man müsse den mitgereisten Fans Respekt zollen. Die hatten ihr Team auch nach der verdienten Pleite noch gefeiert.
Bassette und Berisha bringen Leben rein
Und so kehrte der FCK am Abend mit der zweiten Ligapleite in Serie nach Kaiserslautern zurück, die Aufstiegsränge sind in weite Ferne gerückt. Nach dem 1:3 gegen Elversberg vergangene Woche und dem 0:4 in Südhessen beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz nun acht Punkte. Wird es nun unruhig auf dem Betzenberg? „Wir haben jetzt Fürth vor der Brust am Wochenende und da muss die Mannschaft liefern“, sagte Klos. Er erwarte nun eine Reaktion. Eine Trainerdiskussion blockte Klos aber direkt ab.
Bis zum Heimspiel gegen den Tabellenletzten (Samstag, 13 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) bleibt FCK-Coach Torsten Lieberknecht Zeit, seine Aufstellung noch einmal zu überdenken. Bemerkenswert war, dass die beiden eingewechselten Stürmer Norman Bassette und Mergim Berisha die Offensive belebten. Zwar standen sich beide das ein oder andere Mal im Weg, aber lange trainieren sie schließlich noch nicht zusammen. Berisha wurde erst am Montag als Ersatz für den verletzten Ivan Prtajin verpflichtet.
Darmstadt „erster Aufsteiger“
Am Böllenfalltor zeigte sich in Halbzeit eins, wie hilflos der FCK ohne einen kopfballstarken Mittelstürmer agierte. Mal um Mal segelten Flanken in den Strafraum. Torgefahr? Fehlanzeige. In Durchgang zwei nahmen die Roten Teufel dann mit den beiden Jokern endlich Abstand vom gewählten Ansatz. Es ging vermehrt mit Tempo vors Tor. Vielleicht hilft eine weitere Trainingswoche, damit sich die Winterneuzugänge Bassette und Berisha weiter einspielen.
Ganz anders die Gefühlslage bei den Darmstädtern. „Bitte nicht falsch verstehen: Wir haben heute den ersten Aufsteiger gesehen“, sagte Lieberknecht mit Blick auf den Auftritt und die Spielweise seines Ex-Arbeitgebers. Sein Nachfolger Florian Kohfeldt bedankte sich zwar dafür, wollte so weit aber noch nicht gehen: „Wir konzentrieren uns jetzt auf Braunschweig“, sagte er diplomatisch. Bis dahin grüßt Darmstadt als Tabellenführer vom Platz an der Sonne. Passt ja zur Torhymne.
