1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Nach emotionalem Betze-Abschied: Spielt Daniel Hanslik bald im Europapokal?

Sein Herzensverein: Daniel Hanslik verlässt den FCK.
Sein Herzensverein: Daniel Hanslik verlässt den FCK.

Bei Daniel Hansliks letztem Heimspiel für den FCK wird auf dem Betzenberg großes Gefühlskino inszeniert. Danach spricht der Stürmer über reizvolle Angebote anderer Klubs.

Mitten im Orkan abertausender klatschender Hände ging Daniel Hansliks Blick noch einmal wehmütig in Richtung Westkurve. Dann verließ der Publikumsliebling des 1. FC Kaiserslautern den Rasen im Fritz-Walter-Stadion, zum wahrscheinlich letzten Mal. Der Angreifer übergab im Rahmen seiner Auswechslung Kenny Redondo an der Seitenlinie die Kapitänsbinde, während es in diesem besonderen Moment kaum einen FCK-Fan zu geben schien, der diesem hochverdienten Spieler nicht mit „Hansi, Hansi“-Rufen die Ehre erwies. Der Betzenberg erlebte im letzten Heimspiel nach einer Saison, die man genauso schnell wie den schmucklosen 2:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld vergessen wird, das ganz große Gefühlskino.

„Das war der Lohn für die letzten sechs Jahre. Es ist einfach schön zu sehen, dass es den Leuten wehtut, wenn ein Spieler den Verein verlässt. Von der Art und Weise habe ich einfach hierher gepasst“, sagte Hanslik über die Reaktionen der Fans an seinem emotionalen letzten Arbeitstag auf dem Betze. Ein paar Meter weiter stand Mannschaftskollege Leon Robinson in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Daniel Hanslik“, das in der Kabine verteilt worden war. Wann hat es so einen Abschied zum letzten Mal beim FCK gegeben? Da verlässt kein gewöhnlicher Spieler den Verein, sondern einer, der den Menschen etwas bedeutet hat.

Ein letztes Selfie: Daniel Hanslik beim Bad in der Menge nach dem Bielefeld-Spiel.
Ein letztes Selfie: Daniel Hanslik beim Bad in der Menge nach dem Bielefeld-Spiel.

Schon vor dem Anpfiff des Bielefeld-Spiels waren Tränen geflossen. Als Hanslik neben Florian Kleinhansl, Luca Sirch sowie seinen alten Weggefährten Avdo Spahic und Kenny Redondo von Sportgeschäftsführer Thomas Hengen und Sportdirektor Marcel Klos offiziell verabschiedet wurde, konnte Kapitän Marlon Ritter nicht mehr an sich halten. „Ich war sehr emotional. Nach der Verabschiedung kam mir Marlon mit kullernden Tränen entgegen. Da ging es bei mir dann auch los“, berichtete Hanslik. Ritter hatte seine Kapitänsbinde seinem alten Kumpel Hanslik zur Verfügung gestellt, auch eine sehr besondere Geste.

Kapitän Ritter denkt an die gemeinsame Zeit zurück

„Wir haben viel erlebt. Wir haben oft auf die Fresse bekommen, hatten aber auch schöne Momente zusammen“, sagte Ritter eine halbe Stunde nach dem Abpfiff. „Wenn du da stehst und realisierst, dass es das wahrscheinlich das letzte Spiel zusammen ist vor diesen Fans, dann werde auch ich – der das normalerweise nicht ist – sehr emotional.“ Hanslik war wie auch Spahic und Redondo in den dunkelsten Stunden des Klubs zum FCK gewechselt. Abstiegskampf in der Dritten Liga, finanzielle Probleme.

Doch der schnelle Angreifer blieb, überzeugte mit Leidenschaft, Willen und Identifikation, den viel beschworenen Betze-Tugenden. Es fügte sich ideal in dieses Bild, das Hanslik mit seinem wichtigsten Tor im Trikot der Roten Teufel, dem 1:0 im Relegationsrückspiel 2022 in Dresden (2:0), den Weg zum Zweitliga-Aufstieg ebnete. „So oft kann man den Hut nicht ziehen, was die tagtäglich – auch wenn sie nicht gespielt haben – der Mannschaft gegeben haben. Das gibt es nicht oft im Fußball“, sagte Ritter.

Auf Tuchfühlung in der West: Die FCK-Fans baten Daniel Hanslik nach Abpfiff in die Kurve.
Auf Tuchfühlung in der West: Die FCK-Fans baten Daniel Hanslik nach Abpfiff in die Kurve.

Nach sechs Jahren beim FCK geht Hanslik mit viel Wehmut. „Das ist schon hart, einen solchen Verein zu verlassen, den man mit aufgebaut hat, der kurz vor der Versenkung stand. Ich kann erhobenen Hauptes gehen. Wir haben das Stadion gefüllt, die Stadt lebt wieder. Man sieht: Menschlich bin ich hier angekommen“, sagte der 29-Jährige, nachdem er zusammen mit Redondo und Spahic ein Bad in der Menge unter den Fans in der Westkurve genommen hatte. Am Freitag, dieser Eindruck blieb, schloss sich auf dem Betzenberg ein Kapitel der jüngeren Vereinsgeschichte. Aus der Generation, die den FCK vom Tiefpunkt wieder nach oben geführt hat, wird nur Ritter bleiben.

Bei Lieberknecht nur noch selten gefragt

Hansliks menschliche Qualitäten, seine integrativen Fähigkeiten in der Kabine und seine tadellose Einstellung hat auch Trainer Torsten Lieberknecht immer wieder hervorgehoben. Nur sportlich passte es in dieser Saison nicht mehr. Inklusive seines „Abschiedsspiels“ gegen Bielefeld stand Hanslik nur noch zehn Mal in der Startelf, er erzielte dabei drei Tore und bereitete fünf weitere Treffer vor. „Die ganze Saison war bei mir das Thema, das ich unzufrieden mit meiner Spielzeit war. Ich hätte der ganzen Mannschaft unheimlich viel geben können, vor allem nach meiner letzten Saison. Ich bin fit wie nie. Das war für mich schade“, sagte Hanslik – und ließ damit zwischen den Zeilen auch Kritik an seinem Standing unter Lieberknecht durchblicken. Im Winter habe es einmal Gespräche über eine mögliche Fortsetzung der Zusammenarbeit gegeben, bei denen sei keine Übereinkunft erzielt worden. Danach habe er, so Hanslik, kein Angebot zur Vertragsverlängerung mehr bekommen.

Kritik zwischen den Zeilen: Daniel Hanslik (rechts) mit FCK-Trainer Torsten Lieberknecht.
Kritik zwischen den Zeilen: Daniel Hanslik (rechts) mit FCK-Trainer Torsten Lieberknecht.

Der Trainer selbst sah die außergewöhnlichen Reaktionen am letzten Betze-Tag von Hanslik & Co. auch als Fingerzeig für die Spieler, die bleiben. Und davon träumen dürfen, dass ihnen irgendwann einmal ähnlich die Herzen der Fans entgegen fliegen. „Alle Jungs, die verabschiedet worden, haben den verdienten Applaus bekommen. Das ist wichtig für die Jungs, die wir da haben. Zu wissen, welche Attribute man braucht, um so einen Abschied beim 1. FC Kaiserslautern zu bekommen. Das war eine tolle Reaktion und sehr feinfühlig vom Publikum“, sagte Lieberknecht.

Hanslik wird nun bei einem anderen Verein einen Neustart wagen. Zweitligist VfL Bochum soll schon angeklopft haben, vielleicht sehen wir den Stürmer in der nächsten Saison aber sogar im Europapokal. „Es geht jetzt zu Ende, ich sehe es als Chance für mich. Ich kann mich irgendwo noch einmal neu erfinden, eine neue Herausforderung annehmen“, sagte der gebürtige Osthesse und berichtete von interessanten Optionen. „Ich bin positiv überrascht über die Gespräche, die ich bisher geführt habe. Es ist schön, so eine große Wertschätzung von außerhalb zu bekommen. Es gab Gespräche in Deutschland, aber auch im Ausland. Da geht es dann auch ums internationale Geschäft, was eventuell reizvoll wäre.“

Eine finale Entscheidung habe er noch nicht gefällt, aufgrund seiner polnischen Wurzeln wäre es aber keine allzu große Überraschung, wenn Hanslik bei einem Erstliga-Klub im östlichen Nachbarland anheuern würde. Egal wo er hingeht: Hanslik wird den FCK-Fans immer in guter Erinnerung bleiben. Weil er nicht nur ein Musterprofi, sondern immer auch ein bodenständiger Typ gewesen ist. „Ich kam hier her als Junge von nebenan. Der bin ich zum Glück immer noch, ich habe mich nie verändert. Darauf bin ich unheimlich stolz“, sagte er, bevor er sich nach Hause verabschiedete. Ein Spiel steht noch an für Daniel Hanslik, am Sonntag beim 1. FC Magdeburg. Dann will er ein allerletztes Mal das tun, was er in den vergangenen sechs Jahren immer getan hat: alles für den FCK geben.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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