1. FC Kaiserslautern
Nach 0:3 des FCK in Nürnberg: Bekenntnis zu Trainer Lieberknecht
Die dürftige und zeitweise desolate Darbietung hatte ihre Spuren hinterlassen. Nach der 0:3 (0:1)-Niederlage des 1. FC Kaiserslautern am Samstag vor fast 40.000 Zuschauern beim 1. FC Nürnberg durch Tore von Luka Lokoshvili (2) und Adam Markhiev wollten nicht alle Spieler des pfälzischen Zweitligisten reden. Manche ließen sich entschuldigen, andere erschienen erst gar nicht. Kapitän Marlon Ritter, Torwart Julian Krahl, Trainer Torsten Lieberknecht und Sportdirektor Marcel Klos stellten sich nach der kritikwürdigen Leistung aber den Medien. „Fast nichts zu sehen würde ich gar nicht sagen, sondern überhaupt nichts“, redete Ritter Klartext: „Wir hatten zehn Minuten vor der Pause, wo wir das Gefühl hatten, da könnte noch etwas gehen. Da erzielen wir auch das Abseitstor. Aber sonst war das von jedem Spieler zu wenig. Wenn Du keine Zweikämpfe führst, dich vorführen lässt und der Gegner mit dir machen, was du, dann kommt so ein Ergebnis dabei heraus. Es ging nur um Basics. Vergangene Woche gegen Karlsruhe war nur eine Mannschaft auf dem Platz, die unbedingt gewinnen wollte – das waren wir. Das habe ich heute nicht so gesehen, und dann wird es gegen jeden Gegner schwer. Besonders auswärts darf man so nicht auftreten. “
Beim FCK herrscht Ratlosigkeit ob des neuerlichen kollektiven Versagens. Schon beim 1:6 im DFB-Pokal bei Hertha BSC sowie dem 0:4 beim SV Darmstadt 98 in der Zweiten Liga hatte es beim FCK an ganz grundlegenden Aspekten des Fußballspiels gemangelt: Einstellung, Haltung, Mentalität. Für Torsten Lieberknecht sind die regelmäßigen Ausreißer nach unten ein Rätsel. „Ich suche nach Erklärungen, nach der Lösung“, sagte der mitgenommene FCK-Trainer im Nürnberger Presseraum: „Du kannst ein Spiel verlieren, aber wir sind zehn Kilometer weniger gelaufen als gegen Karlsruhe. Der Gegner hat uns auf allen Positionen förmlich aufgefressen.“
„Virus“, das es zu bekämpfen gilt
Lieberknecht sprach von einem Virus, von dem die Lauterer Mannschaft schon seit längerer Zeit befallen sei. Man müsse gegen die teils extremen Leistungsschwankungen ankämpfen. „Das werde ich tun“, betonte der FCK-Trainer. Dieses „Virus“, so Lieberknecht, habe schon bei seinen Vorgängern grassiert. Auch zum Beispiel unter Markus Anfang schwankten die Leistungen enorm – als der Sprung auf Platz eins möglich gewesen wäre, setzte es etwa eine 1:5-Klatsche in Darmstadt. „Alle Trainer vor mir hatten auch mit dieser Systematik zu kämpfen. Ich hoffe, dass ich die Lösung finden werde“, sagt Lieberknecht.
Sportdirektor bekennt sich klar zu Trainer
Die Zeit dafür wird er bekommen. Sportdirektor Marcel Klos betonte am Samstag unmissverständlich: „Torsten Lieberknecht ist und bleibt unser Trainer. Wir haben intern komplett Ruhe.“ Allerdings echauffierte sich Klos über die Tatsache, dass ihm nach dem Spiel am Samstag diese Frage von den Medien gestellt wurde. Auch bei ihm hatte der erneute Rückschlag im Frankenland, nachdem alle Protagonisten den FCK nach dem 3:0 im Derby gegen den KSC wieder auf einem guten Weg wähnten, Spuren hinterlassen.
Es soll also, trotz der unüberhörbaren Kritik von Teilen der Fans am Spielstil und an den viel zu wechselhaften Leistungen, mit Lieberknecht auch in die neue Saison gehen. Der Haßlocher soll eine weitere Chance bekommen, mit seinem Jugendverein das zu schaffen, was er bei Eintracht Braunschweig und Darmstadt 98 bewerkstelligt hat: den Aufstieg in die Bundesliga.
Lieberknecht präsentierte sich in Nürnberg kämpferisch, diese in dem knappen Jahr unter ihm weiterhin wankelmütige Lauterer Mannschaft dauerhaft in die richtige Spur bringen zu können. „Ich habe in der Entwicklungszeit, die man mir gegeben hat, immer Mannschaften in eine Richtung gebracht“, sagte der 52-Jährige. „Ich weiß um meine Qualität, dass ich es kann und es auch schon nachgewiesen habe.“
FCK-Spieler unter Beobachtung
Lieberknecht kündigte an, in den verbleibenden sieben Spielen dieser Saison ganz genau hinschauen zu wollen, welcher seiner Profis die notwendige Mentalität konstant auf den Platz bringe. „Da ist die Frage: Steht der individuelle Gedanke mehr über dem Mannschaftsgedanken?“ Er werde dies genau beobachten und notfalls Konsequenzen ziehen. Denn: Keiner sei größer als der Verein.
Auch er als Trainer nicht. Daher hinterfrage er sich immer. Ob das die Spieler auch täten, wisse er nicht. „Es gibt auch Momente, wo die Mannschaft selbst hart mit sich ins Gericht gehen muss, aber das muss aus der Mannschaft herauskommen.“ Wahrscheinlich ist es höchste Zeit für eine solche interne Aussprache.
