1. FC Kaiserslautern
Krisensymptome beim FCK: Das sagen die Spieler zur Lieberknecht-Debatte
Schon lange bevor Schiedsrichter Lars Erbst den Lauterer Anhang nach einem trostlosen Fußballabend mit seinem Abpfiff erlöste, hatte sich das Fritz-Walter-Stadion in raschem Tempo geleert. Der Betzenberg erlebte am Freitagabend eine Abstimmung mit den Füßen der FCK-Fans. Nach einer indiskutablen Leistung beim 0:2 gegen Eintracht Braunschweig wurden die Profis beim Gang in die Westkurve von lauten Pfiffen empfangen, aus den Reihen der Treuesten der Treuen fielen teils derbe Worte. Drei Spiele vor dem Saisonende zeigt der 1. FC Kaiserslautern ernsthafte Krisensymptome, und die Trainerdebatte ist trotz aller Treueschwüre aus der Vereinsspitze neu entbrannt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur angespannten Situation beim FCK.
Gibt es noch etwas zum Braunschweig-Spiel zu sagen?
Puh, aus FCK-Sicht wäre es wohl besser, den Mantel des Schweigens über diesen enttäuschenden Fußballabend auszubreiten. Die limitierten Braunschweiger konnten wohl insgeheim ihr Glück kaum fassen, den ersten Auswärtssieg seit Dezember auf dem gefürchteten Betzenberg derart auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen. Das 0:1 durch FCK-Leihgabe Faride Alidou (14.) resultierte aus einem schweren Fehler von Torwartdebütant Enis Kamga (18), das Kontertor von Erencan Yardimci zum 0:2 (72.) besiegelte das Lauterer Schicksal.
„Wir haben nicht diesen Punch gefunden und keinen Druck aufgebaut. Dazu hat das Tempo, die Tiefe, die Präzision gefehlt. Mit der Zeit haben die Jungs die Unsicherheit gespürt. Das müssen wir erstmal sacken lassen“, sagte Trainer Torsten Lieberknecht, nachdem sein blutleer auftretendes Team gegen einen harmlosen Abstiegskandidaten nur zwei halbwegs brauchbare Torchancen herausgespielt hatte.
Wie sahen die von Lieberknecht angekündigten „harten Entscheidungen“ nach dem Totalausfall beim 0:3 in Kiel im Spiel zuvor aus?
Die Konsequenzen fielen eher milde aus. Kapitän Marlon Ritter stand nicht in der Startelf, Problemstürmer Mahir Emreli nicht einmal im Kader. Beim Aserbaidschaner deutet sich eine Trennung im Sommer an, wie Lieberknecht nach der Pressekonferenz erklärte. Emrelis Schicksal teilte gegen Braunschweig Defensivmann Leon Robinson, der trotz seiner Qualitäten als klassischer „Betze-Mentalitätsspieler“ nur auf der Bank saß. Auffällig waren in diesem Zusammenhang die hörbaren Sympathiebekundungen des Publikums, als in Ritter und Daniel Hanslik in der zweiten Halbzeit zwei Spieler eingewechselt wurden, die aufgrund ihrer Vita als echte Identifikationsfiguren beim FCK gelten.
„Ich versuche, mich in jedem Training zu bewerben. Klar wünscht man sich mehr Spielzeit, aber das entscheidet man im Endeffekt nicht selber, man kann sich nur anbieten. Mein Markenzeichen war immer, auch in meiner Spielweise die Werte des Vereins wiederzugeben. Da gibt es aber ein taktisches Konstrukt und gewisse Ideen, wegen denen man sich für andere Spieler entscheidet“, ließ Hanslik im Nachgang zwischen den Zeilen Unverständnis über seinen aktuellen Status als Ergänzungsspieler erkennen. Sein Stürmerkollege Mergim Berisha genießt derweil trotz weiterhin dürftiger Leistungen immer wieder Lieberknechts Vertrauen. Ritter wiederum knallte den Ball in der Schlussphase gegen Braunschweig aus Frust in Richtung Nordtribüne. Auch innerhalb der Mannschaft scheint es nach diesen Eindrücken zu rumoren.
Ist die Trainerdiskussion zurück auf dem Betzenberg?
Kommt darauf an, wen man fragt. Sportdirektor Marcel Klos wiederholte das Bekenntnis der FCK-Spitze zum Trainer, nachdem er zum wiederholten Male sein Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht hatte, dass er überhaupt nach der Personalie gefragt wird. „Ich sage es nochmal, dann müsst ihr in Dresden, gegen Bielefeld und in Magdeburg nicht nochmal fragen: Torsten Lieberknecht ist unser Trainer und bleibt unser Trainer“, teilte Klos den Reportern in der Mixed Zone mit. Welche Halbwertszeit diese Aussagen bei möglichen weiteren Rückschlägen in den letzten drei Spielen haben, wird sich zeigen. Denn auch wenn die aufgebrachten Anhänger in der Westkurve auf „Lieberknecht-raus“-Rufe verzichteten, hat sich die Kritik am volksnahen Trainer in der Fanszene verdichtet. Die regelmäßigen schlimmen Aussetzer und die ausgebliebene Weiterentwicklung in dieser Saison haben Lieberknechts Kredit weitgehend aufgebraucht.
Wie reagiert Lieberknecht selbst auf die Debatte um seine Zukunft beim FCK?
Wie man ihn kennt: besonnen. Spürt er noch die Rückendeckung von oben? „Diese Frage muss eigentlich nicht mir gestellt werden, sondern den Verantwortlichen. Ich spüre das und ich weiß, dass wir gemeinsam diese Problematik angehen wollen, und dementsprechend mache ich mir darum weniger Gedanken. Ich bin da einerseits der falsche Ansprechpartner, anderseits ist dieses Gefühl da, weil wir schon viele Gespräche über die Zukunft geführt haben“, sagte der 52-Jährige am Freitagabend. Ihm gehe es vor allem darum, die Mannschaft mit Blick auf das vor allem atmosphärisch enorm schwierige Spiel am Samstag in Dresden „wieder auf Spannung“ zu bekommen.
Und welcher Tenor ist aus der Mannschaft zur Trainerdiskussion zu hören?
Emotionale Loyalitätsadressen für Lieberknecht aus dem Team blieben nach dem Braunschweig-Spiel jedenfalls aus, auch wenn die ausgewählten Reaktionen aus der Mixed Zone natürlich keinem repräsentativen Stimmungsbild aus der Mannschaft entsprechen. „Das kann ich nicht beurteilen“, antwortete Hanslik wortkarg auf die Lieberknecht-Frage. Ähnlich ausweichend zeigte sich Mittelfeldabräumer Fabian Kunze: „Da bin ich jetzt der Falsche, der das hier kommentiert. Dazu möchte ich mich nach dem Spiel nicht äußern.“ Kapitän Ritter ließ sich im SWR-Interview ein bisschen mehr aus der Reserve locken. „Das habe ich noch nie bewertet, das werde ich auch nie bewerten, das ist nicht mein Job. Dafür haben wir andere, da brauche ich nicht meinen Senf dazugeben“, sagte er zunächst zur Trainerdebatte, um auf die Nachfrage, ob Lieberknecht ihn persönlich noch erreiche, seltsam kryptisch zu antworten: „Wahrscheinlich ja.“
