1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Julian Hübner: Ein Pfälzer im Trainerstab des nächsten FCK-Gegners

Chef für einen Tag: Julian Hübner im Spiel des HSV gegen Holstein Kiel.
Chef für einen Tag: Julian Hübner im Spiel des HSV gegen Holstein Kiel.

Seit Juli 2021 ist der Oberotterbacher Julian Hübner „Co“ von Tim Walter beim Hamburger SV. Er ist sich treu geblieben – und genießt den Moment.

Hagel, Regen, Wind – typisches Hamburger Schietwetter eben. Julian Hübner musste sich nach absolvierter Übungseinheit am Dienstagnachmittag erst mal mit trockener Kleidung versehen, ehe er das Telefonat mit der RHEINPFALZ anging. Seit Juli 2021 amtiert der gebürtige Landauer als einer von drei Co-Trainern des HSV. Er wirkt noch immer wie jener junge Mann, der einst bei Verbandsligist Jahn Zeiskam auf dem Sportgelände „An der Sauheide“ als Spieler die Fäden wob: freundlich, zuvorkommend, reflektiert, eloquent, offen.

Die Vita des in Oberotterbach aufgewachsenen Pädagogen ist besonders. Das Studium finanzierte er sich unter anderem als Totengräber, DJ, Schlafanalyst oder mit Nachtschichten im Pfalzklinikum in Klingenmünster. Als Lehrer an der Drais-Gemeinschaftsschule in Karlsruhe hatte er für sich und seine Familie ein denkmalgeschütztes Haus in Bad Bergzabern erworben und das Traineramt beim SV Rülzheim übernommen. Dann aber rief Tim Walter an. Den Chefinstruktor des HSV kennt der 39-Jährige seit seiner Zeit als Juniorencoach des Karlsruher SC. Planänderung also. Metropole und hipper Stadtteil St. Georg statt südpfälzische Provinz.

Gelegenheiten beim Schopfe packen

Hübners Frau gab für den Umzug ihr Okay. Sie stammt aus einer fußballverrückten Familie, war einst sogar Kiebitz bei Trainingseinheiten des 1. FC Kaiserslautern. Vom Schuldienst ließ Hübner sich befreien, gerade hat er den Antrag auf ein weiteres Jahr gestellt. „Irgendwie passt das zu unserem Lebenslauf“, sagt Hübner nun, „es ist typisch, weil wir offen sind für solche Dinge; weil wir Gelegenheiten beim Schopfe packen, wenn sie sich bieten.“

Am Samstag gastiert er mit dem Rangzweiten der Zweiten Liga auf dem Betzenberg. 20.30 Uhr, Flutlicht, knapp 50.000 Zuschauer. Ein Festtag des Fußballs.

Zuvor spricht Hübner über ...

Viel zu diskutieren: Cheftrainer Tim Walter mit den Assistenten Julian Hübner und Filip Tapalovic (von links).
Viel zu diskutieren: Cheftrainer Tim Walter mit den Assistenten Julian Hübner und Filip Tapalovic (von links).

... seine Aufgaben im Trainerteam als einer von drei Co-Coaches:
„Wir sind ein demokratischer Haufen und teilen uns die täglichen Aufgaben. Jeder kann seine Ideen einbringen.“ Hübner fungiert auch als Mittelsmann zum Nachwuchsleistungszentrum, steht im täglichen Austausch mit der dort verantwortlichen HSV-Ikone Horst Hrubesch.

... den ehemaligen Hamburger und Neu-Lauterer Aaron Opoku:
„Er ist ein cooler Typ, auch wenn wir in Modefragen nicht immer einer Meinung waren (lacht). Er kann den FCK mit seinem Tempo und seinem Eins-gegen-eins auf den Flügeln voranbringen.

... den vom FCK gekommenen Torhüter Matheo Raab:
„Er entwickelt sich super. Er ist klar, weiß um seine Rolle und ist supergeduldig. Er genießt nicht nur bei mir einen Riesenrespekt. Seine Chance wird kommen, irgendwann wird er die Nummer eins sein.“

... den wegen vermeintlichen Dopings gesperrten Mario Vuskovic und wie sehr dieses Thema die Mannschaft belastet:
„Das Menschliche ist das, was uns am traurigsten macht. Er ist ein richtig guter Kerl, und wer Mario kennt, dem tut es aufrichtig leid, was er gerade durchmacht. Er ist erst 21. Ich weiß nicht, ob ich das in seinem Alter so geschafft hätte.“

... die Vorstellung, eines Tages Cheftrainer zu sein:
„Den Fußball-Lehrer zu machen, ist aufgrund meiner Wissbegier irgendwann auf jeden Fall ein Thema. Ich übernehme gerne Verantwortung. Aber ich bin superzufrieden und arbeite unfassbar gerne mit Tim zusammen – das ist gerade die perfekte Rolle für mich.“ Einmal, beim 0:0 gegen Holstein Kiel, schlüpfte Hübner in die Chefrolle, da Tim Walter gesperrt war. Die Anspannung borderte nicht über: „Ich war ja Lehrer, da war ich vor Elternabenden oft nervöser.“

Ein Bild aus dem Oktober 2012: Julian Hübner im Dress des TB Jahn Zeiskam (rechts) im Verbandsligaspiel gegen die SG Blaubach-Di
Ein Bild aus dem Oktober 2012: Julian Hübner im Dress des TB Jahn Zeiskam (rechts) im Verbandsligaspiel gegen die SG Blaubach-Diedelkopf.

... Tim Walters Aussage, der HSV werde „definitiv aufsteigen“.
„Ich kenne ihn schon sehr lange. So ist Tim! Er ist immer überzeugt. Es wäre eher ein Schauspiel, würde er sagen: ,Wir schauen mal, wo wir am Ende landen’. “

... die „neue“ Mentalität des HSV:
„Ich glaube nicht, dass Mentalität in der vergangenen Saison gefehlt hat. Hätten wir die Bank von dieser Saison gehabt, wäre die Relegation viel eher für uns ausgegangen. Nun gilt: Egal was draußen gesagt wird – wir ziehen es durch. Unser Zusammenhalt ist noch einmal gewachsen.

... das Aufstiegsrennen:
Wird aus dem Langzeit-Dreikampf aufgrund der Stärke des FC St. Pauli noch ein Vierkampf? „Auch mit viel Fußballsachverstand lässt sich das seriös nur schwer voraussagen. Ich habe aber null Präferenzen, wer mit uns aufsteigt“, sagt Hübner und lacht.

... die Vorstellung, ab Sommer eventuell in Diensten eines Bundesligisten zu stehen.
„Co-Trainer des HSV zu sein, das ist schon Erlebnis genug. Ob in der Ersten oder Zweiten Liga macht im Grunde keinen Unterschied. Ich bin niemand, der sich darauf etwas einbildet. Ich kann mich selbst gut einschätzen und genieße jeden Moment.“

... das, was den HSV am Samstag erwartet:
„Eine der wenigen positiven Geschichten, dass wir noch in der Zweiten Liga sind, ist die, dass wir an einem Samstagabend in Kaiserslautern spielen können.“ Hübner erwartet eine Partie voller Leidenschaft. In Bezug auf den letzten Heimauftritt des FCK, als der 1. FC Heidenheim in der Nachspielzeit zwei Tore kassierte, sagt er: „Wir sind die effektivste Mannschaft der letzten fünfzehn Minuten – egal wo wir hinkommen.“ Will meinen: Der HSV ist gewappnet.

... die Ticketanfragen für das Spiel am Samstag:
„Diesmal war das sogar relativ einfach. Viele Bekannte und Freunde in der Heimat haben Dauerkarten auf dem Betzenberg. Für meine Familie habe ich Karten besorgt.“

Ein Lob für Julian Hübner: Torwart Matheo Raab.
Ein Lob für Julian Hübner: Torwart Matheo Raab.

Matheo Raab übrigens sagt über Hübner: „Jule ist immer positiv und mit guter Laune dabei. Es macht großen Spaß, mit ihm auf dem Platz zu arbeiten.“ Ein schöneres Lob kann es kaum geben.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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