1. FC Kaiserslautern
Herrscht auf dem Betzenberg bald generelles Rauchverbot?
Die Fortschritte erfolgen häppchenweise. Die Initiative „Pro Rauchfrei“ fordert immer wiederkehrend, dass in deutschen Fußballstadien generell nicht mehr geraucht werden darf. Vergangenen Donnerstag erneuerte die Initiative nun ihr Verbotsstreben. Zuletzt hatte der damalige Vorstandsvorsitzende von „Pro Rauchfrei“, Siegfried Ermer, 2019 darauf gepocht. Nicht unmittelbar, aber zwei Jahre später, rangen sich die Bundesligisten SC Freiburg und RB Leipzig dazu durch, ihre Fußball-Arenen zu raucherfreien Zonen zu erklären.
2022 folgte Werder Bremen. Die TSG 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen erließen 2008 ein Rauchverbot im Stadion, der FC Bayern München 2018. In der Zweiten Liga gilt ein Rauchverbot momentan beim Karlsruher SC und beim 1. FC Köln. Bei Fortuna Düsseldorf und dem FC Schalke 04 müssen die Glimmstängel bei geschlossenem Dach in der Schachtel bleiben. Bei Union Berlin, Preußen Münster, der SV Elversberg, dem SV Waldhof Mannheim, 1. FC Saarbrücken, 1860 München, SC Verl, SpVgg Unterhaching, RW Essen, Hannover 96 II sowie Borussia Dortmund II darf laut „Pro Rauchfrei“ überall geraucht werden.
Beim 1. FC Kaiserslautern gilt dagegen ein eingeschränktes Rauchverbot. „Aktuell gibt es bei Spielen im Fritz-Walter-Stadion ein Rauchverbot in allen geschlossenen Räumen wie den Hallen im Umlauf, den Treppenhäusern und den VIP-Räumlichkeiten. Zudem gibt es ein Rauchverbot im Familienblock. Ein Rauchverbot in den offenen Bereichen wie den Tribünen oder den äußeren Umläufen ist aktuell nicht angedacht, jedoch nehmen wir das Thema regelmäßig in unsere internen Diskussionen mit auf. Von unseren Fans erhalten wir hierzu verschiedene Meinungen“, sagt Stefan Roßkopf, Leiter Unternehmenskommunikation beim FCK.
Alle vier Minuten stirbt ein Mensch an den Folgen des Tabakkonsums
2007 wurde das Bundesnichtrauchergesetz eingeführt. In den Fußballstadien hat sich seitdem aber nur wenig getan, kritisiert die Imitative „Pro Rauchfrei“. Dabei ist Rauchen überaus schädlich. Laut Gesundheitsministerium stirbt in Deutschland alle vier Minuten ein Mensch an den Folgen des Tabakkonsums. 16 Millionen Menschen rauchen in Deutschland, darunter 378.000 Jugendliche, hat das Deutsche Krebsforschungsinstitut (DKFZ) Heidelberg ermittelt. Laut DKFZ kostet die deutsche Gesellschaft das Rauchen jährlich 97 Milliarden Euro – 30 Milliarden für die Behandlungen, 67 Milliarden als Folgen des verfrühten Sterbens sowie der Arbeitsunfähigkeit durch den regelmäßigen Tabakkonsum.
Zahlen, die „Pro Rauchfrei“ seit Jahren alarmieren. Besonders in Fußball-Stadien, wo die Zuschauer eng nebeneinander stehen oder sitzen, sei die Gefahr groß. „Der traurige Standard in den meisten Stadien sind weiterhin nur rauchfreie Familienblöcke. Und selbst dort gilt das Nichtrauchen teilweise nur als Freiwilligkeit“, sagt Arne Weinhardt von „Pro Rauchfrei“.
Die Bundesliga nimmt keine Vorreiterrolle in diesem Punkt ein, hinkt aber auch nicht hinterher. In Spanien haben beispielsweise Real Madrid und der FC Barcelona ein Rauchverbot in ihren Stadien verhängt. Fortschrittlicher ist da die englische Premier League. Dort dürfen die Zuschauer seit 2007 nicht mehr in den Arenen paffen. Wer beim Qualmen erwischt wird, muss 50 Pfund Strafe zahlen. Bei einem weiteren Verstoß fliegt der Zuschauer aus dem Stadion. Auch der SC Freiburg greift durch seit 2021. Wird jemand erwischt, bekommt er die Gelbe Karte. Beim zweiten Vergehen folgt Rot – Stadionrauswurf.
Seit 2002 bei WM Rauchverbot in Stadien
Der Fußball-Weltverband nimmt fast schon eine Vorreiterrolle ein. So darf seit 1986 nicht mehr für Tabak geworben werden. Seit 2002 ist bei Weltmeisterschaften rauchen im Stadion verpönt. Beim europäischen Fußballverband Uefa gilt ein Verbot seit 2012. In den USA sind rauchfreie Stadien und Freizeitparks Standard.
„Gesundheitsschutz ist ein staatliches Rechtsmonopol“, sagt Arne Weinhart: „Es darf nicht vom persönlichen Empfinden des Vereins abhängen. Uns wäre also eine bundesweite Lösung am liebsten.“ Droht also einem süchtigen Raucher künftig Stadionverbot in manchen Arenen? „Naja“, entgegnet Ermer: „Auf einem Flug über den Atlantik bekommt er das auch irgendwie hin. Da wird er auch zwei Stunden im Stadion schaffen.“
