1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Fritz-Walter-Stiftung: Die Missionare einer FCK-Ikone

Fritz Walter (links) errang nicht nur mit dem WM-Sieg 1954 Weltruhm.
Fritz Walter (links) errang nicht nur mit dem WM-Sieg 1954 Weltruhm.

Der Auftrag der Fritz-Walter-Stiftung: Sie soll die Werte des größten FCK-Spielers immer am Leben halten. Dafür ziehen einstige Fußballgrößen durch die Lande.

Vor der Westkurve des Fritz-Walter-Stadions, dem Herzstück des Betzenbergs, thront das Erbe, die Identität des Vereins, auf einem Sandsteinsockel. Die Köpfe der fünf Kaiserslauterer Weltmeister von 1954 sind dort in Bronze abgebildet.

Auch wenn die Erinnerung an die Helden von 1954 und des FCK „nur“ ein bauliches Denkmal ist, sie gehören bis heute fest zum pfälzischen Traditionsverein. Vor allen Dingen Fritz Walter.

Er war Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft, die 1954 sensationell die Weltmeisterschaft in der Schweiz gewann. Es war insgeheim die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland, aber auch die Geburtsstunde des deutschen Fußballs auf der Weltbühne. Fritz Walter war der Kapitän dieser Mannschaft. Er war aber mehr als das. Er war für viele Mitspieler eine Vaterfigur. Walter lebte Werte wie Fairplay, Demut, Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit vor. Seine Aura und sein Mythos schweben heute noch über dem FCK.

Alleinstellungsmerkmal: Auch der DFB hält Anteile

Damit dieser nie zu verblassen droht, wurde am 2. Juni 1999 die Fritz-Walter-Stiftung mit einem Kapital von 500.000 Euro gegründet. Das Besondere an dieser Stiftung: Neben dem Land Rheinland-Pfalz und dem FCK hält auch der Deutsche Fußball-Bund 33,3 Prozent der Anteile. Damit ist die Fritz-Walter-Stiftung die einzige Stiftung eines Vereins, in der der DFB anteilig involviert ist. DFB-Präsident Bernd Neuendorf ist stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsbeirates der Fritz-Walter-Stiftung. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Rainer Keßler stolz.

Keßler ist aktuell Vorsitzender des Beirates der Profiabteilung des FCK. Er sowie der mittlerweile verstorbene FCK-Präsident Norbert Thines und die Unternehmerin Anne-Marie Becker gründeten im März 2011 den Förderverein der Fritz-Walter-Stiftung. Sie taten dies, weil sie das Erbe von Fritz Walter immer in Erinnerung behalten wollen. „Wir sind der aktive Arm der Fritz-Walter-Stiftung“, sagt Keßler. Der Förderverein kümmert sich um Aktionen, Turniere, Präsentationen.

Jährliche Preise für soziales Engagement

Damit sollen die Ziele der Stiftung erfüllt werden – die Förderung von talentierten Jugendlichen vor allem im Fußballsport, die Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden und sonstigen Sportorganisationen sowie mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in Fragen der Jugendarbeit, die Unterstützung von Maßnahmen gegen Doping und Drogenmissbrauch, die Mitwirkung bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die Förderung des „Fair Play“-Gedankens innerhalb und außerhalb des Sports. Das geschieht, indem soziale Jugendprojekte in Rheinland-Pfalz unterstützt werden, für die keine staatliche oder kommunale Förderung vorgesehen ist, in Form der jährlichen Vergabe des Fritz-Walter-Preises an Sportvereine mit herausragenden sozialen Jugendprojekten. Das wird am Freitag, 31. Oktober, ab 18 Uhr, in der Elmar-Weiller-Festhalle in Herxheim sein. An diesem Abend werden zwei Vereine für ihre herausragende Jugendarbeit geehrt. Einer davon ist Viktoria Herxheim.

Die Gala-Abende an Walters Geburtstag, dem 31. Oktober, sind Pflicht und Kür zugleich. Die jährlichen Fritz-Walter-Cups der Schulen, das größte Turnier in Deutschland, sind Pflicht. Jedes Jahr nehmen 3500 Schüler in der Pfalz daran teil. Den Fritz-Walter-Cup gibt es auch für Inklusionsschulen. In der Kaiserslauterer Barbarossa-Halle finden die Endspiele statt. Unter anderem das Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern, die Grund- und Hauptschule Frankenthal, die Schillerschule Ludwigshafen-Mundenheim, das Geschwister-Scholl-Gymnasium Ludwigshafen oder das Geschwister-Scholl-Gymnasium Kaiserslautern gewannen den Wettbewerb in der Vergangenheit.

Erklären, wofür Fritz Walter steht

Bei diesen sportlichen Ereignissen gehe es darum, den jungen Menschen zu erklären, wer Fritz-Walter war, was er erreicht hat, was die damalige FCK-Mannschaft und die Nationalmannschaft so besonders machte, sagt Keßler. Es ist Geschichtsunterricht auf der sportlichen Schiene. Die Kanälchers-Wettkämpfe auf den mobilen Fußballplätzen sind eine weitere Form, um die Ideale von Fritz Walter zu vermitteln. 15 bis 20 Kanälchers-Turniere finden jährlich in Rheinland-Pfalz statt – in Schulen, an Stadtfesten, bei Vereinsjubiläen. Sie richten sich an Grundschüler. „Die Kinder spielen ohne Schiedsrichter. Sie sollen selbst ein Gefühl entwickeln, was ein Foul war und was nicht. Sie werden aber von außen von Betreuern unterstützt“, erklärt Keßler. Kanälchers sind die Abfluss-Gullis an den Straßenrändern, die zu Fritz Walters Zeiten als Tore dienten.

„Wir wollen in diesen Gesprächen die Grundideale von Fritz Walter wie Respekt, Fairplay, Demut am Leben erhalten“, sagt Keßler. Außerdem sollen Jugendliche am Rande der Gesellschaft über Fußball integriert werden, betont Keßler. Das ist missionarische Arbeit, denn die jungen Menschen wüssten nicht, wer Fritz Walter war und was er verkörperte. „Wir sind ein Traditionsklub. Tradition ist ein Stück Geschichte und Vergangenheit, die muss am Leben erhalten werden“, sagt Keßler: „Das gehört zu unserer Verpflichtung. Diese Aufgabe ist auch eine Bindung zu Fußball-Anhängern. Das gelingt gut.“

Auch Torsten Lieberknecht hilft mit

Die missionarische Arbeit betreibt mittlerweile auch Cheftrainer Torsten Lieberknecht. Er ging mit der Mannschaft ins FCK-Museum, um seinem Kader zu zeigen, welche Historie in diesem Verein steckt. Diese glorreiche Vergangenheit kann manchmal ein Türöffner sein, manchmal auch ein Eisbrecher. „Man wird ein stückweit beneidet, weil man einen Vorsprung an Interesse hat, wenn man mit solchen Themen kommt“, sagt Keßler. Als er vor einigen Wochen im Schloss Bellevue beim Tag des Ehrenamtes mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Gespräch kam, war unter anderem die Fritz-Walter-Stiftung ein Thema.

Der Förderverein der Fritz-Walter-Stiftung ist offen für Jedermann. Die Verantwortlichen werben für eine Mitgliedschaft. Aktuell hat der Förderverein 125 Mitglieder, teils natürliche Personen, teils Firmen. Der Kreis der Unterstützer rekrutiere sich hauptsächlich aus dem Fanlager des FCK, sagt Keßler. Große Förderer der Fritz-Walter-Stiftung sind auch die Ultras des FCK. Sie haben vor kurzem dem Förderverein die Hälfte ihrer Einnahme aus dem T-Shirt-Verkauf bei zwei Heimspielen des FCK gespendet. Die ständige Akquise neuer Partner ist eine wichtige Aufgabe. Und: In einer Stiftung kann man nicht Mitglied werden. Mit dem Förderverein sollen daher mehr Menschen für die Ideale und Aufgaben der Stiftung sensibilisiert und gewonnen werden.

Der ideelle Miroslav Klose

Dafür sind unter anderem auch die Botschafter der Fritz-Walter-Stiftung verantwortlich. Aktuell sind das Markus Merk, Miroslav Klose, Miriam Welte, Thomas Hengen, Hans-Peter Briegel sowie Nadine Keßler. „Wir sind froh, dass wir diese Persönlichkeiten als aktive Botschafter haben“, betont Rainer Keßler: „Miro Klose ist aufgrund seiner aktuellen Aufgaben mehr ideell dabei.“ Auch Ronnie Hellström, Horst Eckel und Ottmar Walter waren Botschafter. Ihnen musste niemand die Werte und Ideale von Fritz Walter erklären.

Rainer Keßler
Rainer Keßler
Hans-Peter Briegel
Hans-Peter Briegel
Thomas Hengen
Thomas Hengen

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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