1. FC Kaiserslautern
Flucht nach Münster: Das sagt Tobias Raschl über sein abruptes Ende beim FCK
Seine erste Saison war die beste, danach ging es kontinuierlich bergab. Die Geschichte von Tobias Raschl und dem 1. FC Kaiserslautern begann verheißungsvoll – und endete Ende Januar 2026 abrupt. Der 25-jährige Mittelfeldspieler wechselte für eine kolportierte Ablöse von 200.000 Euro zu Zweitliga-Rivale Preußen Münster. Nur drei Wochen später, am Sonntag (13.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) trifft Raschl mit seinem neuen Klub auf die alten Kumpels vom FCK.
„Das wird nicht komisch, man wechselt eben im Fußballgeschäft schon mal den Verein und dann passiert so etwas“, sagt der 25-Jährige dieser Zeitung. Sein Wechsel nach Münster trug Züge einer Flucht. Unter FCK-Trainer Torsten Lieberknecht blieb Raschl eine Randfigur. Sechs Kurzeinsätze als Einwechselspieler in der Zweiten Liga (1 Tor beim 3:1 gegen Darmstadt) sowie ein Startelfplatz in der zweiten Runde des DFB-Pokal bei der SpVgg Greuther Fürth (1:0) waren zu wenig für den Techniker, der mit Ball feine Dinge anstellen kann, allerdings nicht der geborene Defensivzweikämpfer ist.
„Es ist nicht mein Anspruch, nur für gute Laune in der Kabine zu sorgen. Ich will Fußball spielen, das hat bei Lautern nicht mehr geklappt“, sagt Raschl. Warum er unter Lieberknecht keine große Chance mehr bekommen hat, kann der gebürtige Düsseldorfer bis heute nicht so ganz nachvollziehen. „Der Trainer hatte eben andere Spieler, auf die er gebaut hat. Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, sagt der deutsche A-Jugend-Meister mit Borussia Dortmund im Jahr 2019 nur.
Ein klassischer Ergänzungsspieler war Raschl beim FCK allerdings nicht immer. In seiner ersten Saison am Betzenberg, das war 2023/2024, stand der Rheinländer in 28 von 34 Ligaspielen auf dem Platz – und das in Dirk Schuster, Dimitrios Grammozis und dem späteren Retter Friedhelm Funkel unter drei verschiedenen Trainern. Doch spätestens mit der Amtsübernahme von Markus Anfang 2024/2025 sank sein Stern gewaltig, auch unter Lieberknecht setzte sich das leidige Reservistendasein fort.
„Die letzten anderthalb Jahre liefen sportlich nicht gut für mich, da war es für beide Seiten besser, getrennte Wege zu gehen“, sagt Raschl. „Es geht für mich darum, wieder Spaß am Fußball zu entwickeln.“ Deshalb Münster, eine Stadt mit hoher Lebensqualität und im SC Preußen mit einem Verein, der einen unkonventionellen Weg eingeschlagen hat.
Obwohl die Westfalen mit ihrem kleinen Etat zu den natürlichen Abstiegskandidaten in der Zweiten Liga zählen, lässt Trainer Alexander Ende keinen rustikalen Stil spielen, sondern setzt eher auf die feine Klinge. Ein spielerischer Ansatz, der sich auch über Ballbesitz definiert. Das klingt, als ob es gut zu den Fähigkeiten von Tobias Raschl passen könnte. „Alexander Ende war extrem wichtig bei meiner Entscheidung. So ein gutes Gefühl hatte ich noch bei keinem Trainer, ich war mir sofort zu 100 Prozent sicher, dass Münster das Richtige ist“, sagt der frühere Lauterer.
In der Tabelle stehen die Preußen aber nur aufgrund des um einen Treffer besseren Torverhältnisses auf einem Nichtabstiegsplatz. Raschl ist davon überzeugt, dass am Ende der Saison erneut der Klassenerhalt stehen wird. Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Liga bleiben. Ich bin der Meinung, wenn du ein Konzept hast und Fußball wirklich ,spielen’ willst, wird sich das auf Strecke durchsetzen“, sagt er.
Gegen Bochum (1:1) und in Düsseldorf (0:0) wurde Raschl bisher zweimal in der Schlussphase eingewechselt, seine Sehnsucht nach mehr Einsatzzeit ist nach seiner schwierigen Zeit am Betzenberg groß. Am liebsten schon am Sonntag gegen Ex-Klub FCK. Er freut sich auf das Wiedersehen mit Daniel Hanslik, Avdo Spahic, Kenny Redondo und Marlon Ritter – Richmond Tachie, sein bester Kumpel zu Betze-Zeiten, ist im Winter allerdings nach Magdeburg gewechselt. Mit seinen früheren Kollegen über die alten Zeiten quatschen will Raschl aber erst nach dem Abpfiff. „Während des Spiels geht es nur darum, die drei Punkte in Münster zu behalten. Danach ist Zeit für Small Talk“, sagt er.
„Das Pokalfinale bleibt für immer“
Sportlich traut Raschl den Lauterern trotz bereits sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz zu, dass in Sachen Aufstieg noch etwas gehen könnte. „Es sind noch zwölf Spiele. Wenn sie denn ins Punkten kommen – außer dem Sonntag natürlich“, sagt der 25-Jährige mit einem Lachen. Allerdings wiege der „bittere Ausfall“ von Torjäger Ivan Prtajin schwer.
FCK-Leihgabe Heuer erleichtert die Integration
In Innenverteidiger Jannis Heuer, der vom FCK zu den Preußen ausgeliehen ist, ist der Mittelfeldspieler in Münster auf einen anderen alten Bekannten getroffen, was ihm die Integration zusätzlich erleichtert hat. Und wie blickt Raschl generell auf seine zweieinhalb Jahre in der Pfalz? Positiv. „Es war eine schöne Zeit, auch wenn es Höhen und Tiefen gab. Das Pokalfinale und der Berlin-Trip werden für immer bleiben. Man reift als Mensch, man lernt auch aus schlechten Phasen.“
