1. FC Kaiserslautern
FCK vor dem Finish: Das Problem mit den vielen Auswärtsspielen
Die steinernen Treppenstufen den Betzenberg hinauf werden sich die Profis des 1. FC Kaiserslautern in der kommenden Woche wahrscheinlich nicht mehr hochplagen müssen. Der 3:0 (0:0)-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf am Karsamstag besänftigte Trainer Torsten Lieberknecht, der nach der 0:3-Enttäuschung in Nürnberg vor der Länderspielpause die Trainingsintensität deutlich erhöht hatte – auch, weil er mit der gezeigten Leistung nicht einverstanden gewesen war. Unsere wichtigsten Fragen und Antworten zur Situation beim FCK.
Mit ein paar Tagen Abstand: Ist nach dem 3:0 gegen Düsseldorf die Welt bei den Roten Teufeln wieder komplett in Ordnung?
Das nicht, aber zumindest verhinderte die Mannschaft nach einem desolaten Auswärtsauftritt mit einer akzeptablen Leistung und einem Sieg im folgenden Heimspiel bereits zum dritten Mal in dieser Saison, dass der FCK in eine richtige Krise trudelt. Diese Widerstandsfähigkeit war nach dem 1:6-Debakel im DFB-Pokal bei Hertha zu beobachten (3:1 gegen Dresden), nach dem 0:4-Absturz bei Darmstadt 98 (1:0 gegen Fürth) und jetzt auch nach dem Nürnberg-Flop.
Ein Fußballfest erlebten knapp 48.000 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion nach der frühen Roten Karte für Sima Suso (22.) zwar wahrlich nicht, aber spätestens mit Jacob Rasmussens Führungstor (62.) spiegelte sich die numerische Überzahl auch in den Kräfteverhältnissen auf dem Platz wider. Weitere Tore von Semih Sahin (76.) und Daniel Hanslik (90.+6) besiegelten den zehnten FCK-Heimsieg der Saison.
Zehn Siege auf dem Betzenberg in bisher 15 Heimspielen sind eine starke Bilanz. Wieso wird es in der Endabrechnung dennoch nicht für einen Aufstiegsplatz reichen?
Die Medaille glänzt nur auf einer Seite. Während der FCK in der Heimtabelle mit 31 Punkten auf einem hervorragenden dritten Platz steht – nur Paderborn (33) und Schalke (34) sind besser – bewegt sich die Auswärtsausbeute (zwölf Punkte in 13 Spielen) auf dem Niveau eines Abstiegskandidaten. „Zuhause haben wir Aufstiegsqualität“, sagte Lieberknecht nach dem Düsseldorf-Sieg. Aber eben nur dort.
Mit Blick darauf, dass vier der sechs verbleibenden Lauterer Liga-Spiele in der Fremde stattfinden werden, mahnte Lieberknecht erneut auch in gegnerischen Stadien eine klare Steigerung an. „Genau diese Anspannung, diese Einstellung, muss die Mannschaft auch auswärts zeigen. Dann kann man auch mal auswärts ein Spiel verlieren, aber es geht immer um die Spielgeschichte. Wir müssen schon bei Hertha ein anderes Gesicht zeigen“, forderte der 52-Jährige. Das Problem ist nur: So oder so ähnlich hat das Lieberknecht schon häufiger in dieser Saison formuliert – und der gewünschte Effekt ist ausgeblieben.
Ist in der Tabelle im Fall eines guten Schlussspurts noch eine Verbesserung möglich für den FCK?
Das wird schwierig. Die Lauterer (43 Punkte/+7 Tore) haben einerseits als Tabellensiebter auf den Achten 1. FC Nürnberg (37/-9) sechs Punkte Vorsprung, auf den Sechsten Hertha (47/+10), den Fünften Hannover 96 (50/+12) und den Vierten Darmstadt 98 (50/+18) aber auch schon ordentlich Rückstand. Wenn der FCK zumindest an der Hertha noch vorbeiziehen will, ist am Samstag (13 Uhr) ein Sieg im Berliner Olympiastadion fast Pflicht. Allerdings endete die letzte Visite in der Hauptstadt im DFB-Pokal-Achtelfinale Anfang Dezember mit einem 1:6-Debakel. Das weitere Lauterer Restprogramm: Holstein Kiel (auswärts, Freitag, 17. April, 18.30 Uhr), Eintracht Braunschweig (Heim, Freitag, 24. April, 18.30 Uhr), Dynamo Dresden (A, Samstag, 2. Mai, 13 Uhr), Arminia Bielefeld (H, Freitag, 8. Mai, 18.30 Uhr), 1. FC Magdeburg (A, Sonntag, 15.30 Uhr).
Könnte Lieberknecht – schon mit Blick auf die nächste Saison – das eine oder andere Talent im Zweitliga-Betrieb testen?
In der Pressekonferenz vor dem Düsseldorf-Spiel stellte der FCK-Coach Torwart-Hoffnung Enis Kamga (18) sein Profi-Debüt vielleicht sogar noch in dieser Saison in Aussicht. „Wenn er so weitermacht und auch in seiner Persönlichkeit weiter reift, ist er definitiv jemand, auf den sich jeder FCK-Fan freuen kann“, sagte Lieberknecht. Am Karsamstag gegen Düsseldorf saß nicht Kamga, sondern Simon Simoni als Ersatztorhüter auf der Bank, weil der U-19-Nationalkeeper in der U21 gegen den SV Auersmacher (1:1) gebraucht wurde.
Ansonsten sei er aber kein Typ, der zu weit in die Zukunft blicke und danach seine Personalentscheidungen ausrichte, erklärte Lieberknecht. „Ich bin immer im Hier und Jetzt. Es gibt Verträge, die laufen bis zum 30. Juni. Bis dahin hat jeder seine Leistung in den Dienst des Vereins zu stellen“, sagte der 52-Jährige nach dem Düsseldorf-Spiel.
Bis auf Torjäger Ivan Prtajin (Achillessehnenriss), der am Samstag noch mit einer Krücke durch die Katakomben des Fritz-Walter-Stadions ging, steht Lieberknecht momentan sein kompletter Kader zur Verfügung. Gibt es da eigentlich Härtefälle?
Ja, gegen Düsseldorf fehlte neben den Eigengewächsen Dion Hofmeister (16) und Owen Gibs (19) auch ein arrivierter Profis wie Florian Kleinhansl im Spieltagskader. Lieberknecht erwähnte zudem Erik Wekesser, der in dieser Saison fast keine Rolle mehr spielt. „Ich sage klar, bei ihm habe ich Gewissensbisse, dass ich dem Jungen aufgrund seiner Trainingsleistungen nicht die Möglichkeit gebe, in den Kader zu kommen. Aber ich habe momentan keinen Platz für ihn“, sagte der FCK-Trainer. Wekesser beiße „sich durch jede Trainingseinheit, stehe immer zur Verfügung und kriegt immer von mir in den Allerwertesten getreten“.
Auch Verteidiger Atanas Chernev, der nach gutem Start beim FCK zuletzt mit einer schweren Formkrise kämpfte, habe sich wieder stabilisiert. „Er hatte im Training zwei Topwochen, Atanas hat wirklich Charakter und Herz“, sagte Lieberknecht über den Bulgaren, der gegen Düsseldorf auf der Bank saß.
