1. FC Kaiserslautern
FCK-Publikumsliebling kämpft um seine Zukunft
Das Gespräch mit den Journalisten beendet Kenny Prince Redondo mit einem Appell. Nach dem 1:0-Sieg gegen Greuther Fürth will der 31 Jahre alte Deutsch-Spanier schon in die Kabine gehen, dreht sich um und richtet ein persönliches Anliegen an die Medienvertreter. Sie sollen am besten alles ein bisschen positiver berichten, sagt er.
Die persönliche Note Redondos kommt unerwartet. Denn er war mehrere Monate verletzt. Er hatte eine gewisse Zeit einen Blick von außen auf die Mannschaft. Redondo war dennoch immer gut informiert, wie die Stimmung in der Mannschaft ist, welche Themen gerade aktuell sind. Denn Trainer Torsten Lieberknecht hat ihn neben Marlon Ritter, Daniel Hanslik, Jan Elvedi und Fabian Kunze in den Mannschaftsrat bestimmt. Und: Nach Avdo Spahic und Marlon Ritter ist Redondo der dienstälteste Spieler beim FCK. Er kam am 5. Oktober 2020 – auf den Tag genau zusammen mit Daniel Hanslik – zum FCK. Redondo er- und durchlebte Höhen und Tiefen mit dem Verein.
Bis zur vergangenen Saison war er gesetzt im Team. Doch mit Beginn der vergangenen Spielzeit begann eine Leidenszeit, dessen Ausmaß damals niemand erahnte. Eine mysteriöse Zehenverletzung verändert ein Stück weit Redondos Leben. Die Zehe entzündet sich nach größeren Belastungen. Redondo muss daher immer wieder pausieren. Dem Vernehmen nach soll er nicht ganz unschuldig am schleppenden Heilungsverlauf gewesen sein, doch die Odyssee war für Verein und Spieler zermürbend. Redondo kehrte Anfang Februar 2025 wieder in die Mannschaft zurück. Er spielte allerdings nicht schmerzfrei.
Längste Verletzungspause in seiner Laufbahn
Nun, Monate später, scheint Redondo wieder gesund zu sein. Gegen Elversberg feierte er nach fünfmonatiger Pause sein Comeback. Es war die längste Verletzungspause in Redondos Profilaufbahn. „Es war alles etwas verzwickter. Ein Gelenk war ziemlich kaputt“, sagt er: „Dadurch, dass es etwas komplizierter war, waren auch manche Mediziner teilweise ratlos.“ In dieser schweren Zeit ist seine Familie sein Halt. Sie ist ein Quell, die ihm Kraft, Halt gibt. Redondo ist ein absoluter Familienmensch. Seit 2017 ist er mit Paula verheiratet. Es ist eine internationale Familie: Redondos Mutter ist Spanierin, Redondos Vater Äthiopier. Seine Frau ist gebürtige Tschechin. Die Welt zu Hause bei den Redondos. Die Internationalität bekommen die beiden Söhne positiv zu spüren: Sie werden mehrsprachig erzogen. Redondo spricht Spanisch mit ihnen, seine Frau Tschechisch, und im Kindergarten lernen sie außerdem noch Englisch. Das Familienglück verleiht ihm Kraft. Die Kinder geben ihm Energie.
Diese Energie will er nun wieder auf den Platz bringen. „So wie es läuft, ist es gut. Ich nehme alle Höhen und Tiefen mit, ich bin ja schon etwas länger hier“, sagt Redondo: „Ich bin glücklich um jede Minute, die ich kriege und dankbar.“ In Münster am Sonntag kam er nach 67 Minuten ins Spiel. In der Nachspielzeit vergab Redondo die große Chance zum vorentscheidenden 4:2 kläglich aus fünf Metern. „Das Tor muss er machen. Das war eine 1000-prozentige Chance“, sagte Trainer Torsten Lieberknecht am Sonntag.
Wird der Vertrag verlängert?
Solche Gelegenheiten nicht zu nutzen, ist für ihn in seiner aktuellen Lage unvorteilhaft. Denn Redondos Vertrag endet nach dieser Saison. Die Zukunft: offen. „Ich lege meinen Fokus nun auf das Wesentliche und bin froh, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen sowie den Spirit mit der Mannschaft zu erleben“, sagt Redondo: „Ich bin schon länger hier und will es auch ein bisschen länger bleiben.“ In den Sozialen Medien lässt die Familie Redondo die Öffentlichkeit an ihrem Leben etwas teilhaben. So bauen sie sich in Kaiserslautern eine Existenz auf. „Meine Familie ist gerne hier, die Kinder haben eine feste Säule im Leben in Kaiserslautern“, sagt Redondo: „Wenn es privat gut läuft, macht es natürlich mehr Spaß.“ Jedenfalls werde er sich nun nicht mehr als sonst unter Druck setzen. Das sei der falsche Ansatz, findet der schnelle Offensivspieler. Er könne nur mit guter Leistung die Verantwortlichen überzeugen. Unter Ex-Trainer Friedhelm Funkel sagte Redondo dieser Zeitung: „Für einen Spieler ist es nicht einfach, wenn er nicht spielt oder nur eingewechselt wird. Ich habe aber jedem Trainer, gesagt: Ich bin bereit, ich gebe immer alles für die Mannschaft, ich weiß, worauf es hier ankommt. Wenn du dann die Chance kriegst, musst du sie nutzen.“
Bislang ist ihm das in den letzten vier Kurzeinsätzen nicht zwingend gelungen, aber es dauert, bis Redondo wieder zu alter Stärke findet. Zeit, die er nicht unbedingt hat – eine Zwickmühle. Dominik Theis, einst Jugendtrainer im NLZ von Mainz 05, Taktikexperte und erfolgreich mit seinem Podcast „From Coach to Coach“, würde den Kontrakt Redondos verlängern. „Er wird ein bisschen unterschätzt“, sagt Theis im RHEINPFALZ-Podcast „Lautre“: „Er könnte sehr wichtig werden, wenn er von der Bank kommt und wenn man ihn dann richtig einsetzt.“
