1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel FCK-Matchwinner Krahl will von Lob wenig wissen

Nach der Partie feierten die mitgereisten FCK-Fans Torwart Julian Krahl (gelbes Trikot).
Nach der Partie feierten die mitgereisten FCK-Fans Torwart Julian Krahl (gelbes Trikot).

Der FCK kehrt mit drei Punkten im Gepäck aus der Hauptstadt zurück. Ein wesentlicher Faktor war Torhüter Julian Krahl. Aber auch ein taktischer Kniff hat eine Rolle gespielt.

Damit hat Stefan Leitl nicht gerechnet. Für viele überraschend – den Trainer von Hertha BSC eingeschlossen, das hat er offen und ehrlich zugegeben, ist der 1. FC Kaiserslautern beim 1:0-Sieg in Berlin am Samstag mit einer Viererkette in der Defensive aufgelaufen. Statt wie üblich in dieser Saison mit drei Innenverteidigern und zwei Spielern auf den Flügeln, sind die Roten Teufel mit zwei Innen- und zwei Außenverteidigern in die Partie gestartet. „Wir haben Lautern nicht in dieser Grundordnung erwartet, aber schon einen Ticken kompakter, tiefer“, gestand Leitl auf der Pressekonferenz.

Der FCK wartete von Beginn an ab. Die Spieler ließen die Berliner bis zur Mittellinie kommen, erst dann wurde attackiert. Das war nicht sonderlich überraschend, schließlich war rund um die Roten Teufel vor dem Spiel zu vernehmen, dass es in Berlin darum gehen würde, auch endlich auf fremden Plätzen mal wieder zu punkten. Zuvor hatte es ein 2:3 in Bochum und vor der Länderspielpause Ende März ein übles 0:3 in Nürnberg gegeben. Dass die Roten Teufel also nicht schon zähnefletschend an des Gegners Strafraum warten würden, lag mehr oder weniger auf der Hand. Aber eben die Sache mit der Viererkette war einigermaßen überraschend. Nur beim 1:6 im DFB-Pokal Anfang Dezember hatte FCK-Trainer Torsten Lieberknecht während der zweiten Hälfte mal auf diese Formation gewechselt. Sonst durfte immer die bewährte Dreierkette ran.

Krahl hält den Sieg fest

Das merkte man auch ein wenig am Samstag. Es dauerte einen Moment, bis sich die Spieler an die wenig genutzte Formation gewöhnt hatten. Bereits nach fünf Minuten gelangte ein Ball zu Kevin Sessa, der FCK-Torhüter Julian Krahl prüfte. Marlon Ritter war nicht richtig mit nach hinten gelaufen. Und so klaffte eine Lücke. Nach knapp 20 Minuten wurde es aber besser. Man habe mit dem 4-1-4-1 vor allem das Zentrum dicht machen wollen, erklärte Lieberknecht seine Herangehensweise. Vorerst soll es aber bei diesem Experiment gegen die Hertha bleiben. Perspektivisch wolle er die Mannschaft aber flexibler für derartige Systemwechsel machen.

Aber nicht nur sein taktischer Kniff war für den Auswärtserfolg am Samstag wichtig. Im Fokus stand vor allem ein Spieler: Julian Krahl. Der Torwart hielt den FCK während der Partie immer wieder mit starken Paraden im Spiel. Und am Ende sorgte er dafür, dass die knappe Führung über die Zeit gebracht wurde (88., 89.). Die mitgereisten Fans wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten. „Julian Krahl“-Sprechchöre schallten nach Abpfiff aus dem Gästeblock durchs Berliner Olympiastadion.

Solides Trio in der Defensive: Jacob Rasmussen, Maxwell Gyamfi und Julian Krahl (von links).
Solides Trio in der Defensive: Jacob Rasmussen, Maxwell Gyamfi und Julian Krahl (von links).

„Eigenlob stinkt“

Der Besungene selbst, auf seine starke Leistung angesprochen, winkte fast ein wenig verlegen ab. „Eigenlob stinkt“, sagte Krahl mit leichtem Grinsen auf den Lippen, den Blick auf den Boden gerichtet. Dann schaute er hoch und sagte: „Du kannst nur als Kollektiv verteidigen. Und das haben wir heute gemacht.“

Stimmt. Auch Krahls Vorderleute, Maxwell Gyamfi und Jacob Rasmussen, waren gut in Form. Vor allem Gyamfi lieferte eine starke Partie ab, klärte per Kopf, fing Bälle ab oder packte rustikal, aber fair, die Grätsche aus. Während Gyamfi durch seinen körperlichen Einsatz überzeugte, strahlte Nebenmann Rasmussen vor allem Ruhe aus. Einmal hielt aber auch er die Knochen hin, als er einen Freistoß von Fabian Reese ins Gesicht bekam und direkt zu Boden ging, kurz darauf aber weiterspielen konnte (51.).

Bei Seguins Schuss hält das Stadion den Atem an

Und so gelang dem FCK nach dem 3:0 gegen Fortuna Düsseldorf in der Vorwoche der zweite Sieg in Folge ohne Gegentor heraus. „Die ganze Mannschaft – auch die Jungs, die reingekommen sind – hat alles dafür getan, endlich mal auswärts und auch gegen die Hertha zu gewinnen“, sagte Trainer Lieberknecht.

Am Ende durfte der mitgereiste Anhang jubeln.
Am Ende durfte der mitgereiste Anhang jubeln.

Dass am Ende auch wirklich drei Punkte für den FCK heraussprangen, hat aber auch mit einer ordentlichten Portion Glück zu tun. In der 90. Minute traf Paul Seguin den Pfosten. Der Ball trudelte auf der Torlinie entlang, rollte dann aber am anderen Pfosten vorbei ins Aus. „Manchmal hast du solche Tage mit dem nötigen Glück. Normalerweise geht der halt rein und du denkst: Mist“, sagte Krahl.

Glück, das dem FCK in dieser Saison doch immer wieder schon gefehlt hatte. Beim 1:1 in der Hinrunde gegen Fortuna Düsseldorf stand Leon Robinson beim vermeintlichen 2:0 knapp im Abseits. Ebenso Ivan Prtajin, der im Hinspiel gegen die Hertha kurz dachte, den späten Ausgleich erzielt zu haben. Aber so ist das nun einmal im Sport, manchmal entscheiden Millimeter über Sieg oder Niederlage. Oder eben wie am Samstag, ob der FCK mit drei Zählern oder nur einem das Olympiastadion verlässt.

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