1. FC Kaiserslautern
FCK-Krise: Welche Rolle spielt das verkorkste Transferfenster im Winter?
Manchmal, in zugegeben eher seltenen Fällen, geht ein Plan perfekt auf. Als sich Schalke 04 nach der Herbstmeisterschaft in der Zweiten Liga die realistische Chance auf den Bundesliga-Aufstieg eröffnete, fand Sportvorstand Frank Baumann im Wintertransferfenster genau die neuen Spieler, die den Kader besser machten, Schwachstellen beseitigten, das Team auf ein neues Niveau hoben. Altstar Edin Dzeko versetzte mit fast 40 Jahren die gegnerischen Abwehrreihen in Angst und Schrecken, Dejan Ljubicic, Adil Aouchiche und Moussa Ndiaye erhöhten die kreative Schlagkraft aus dem Mittelfeld und von der Außenbahn. „Wir haben die Chancen genutzt“, sagte Baumann lapidar zu einer großartigen Transferperiode, die erheblich mithalf, Schalke zum ungefährdeten Zweitliga-Meister zu machen.
320 Kilometer südwestlich von Gelsenkirchen sind sie dagegen gerade dabei, die Scherben einer missratenen Rückrunde zusammenzukehren. Der 1. FC Kaiserslautern hat zuletzt drei Spiele gegen Teams aus dem Abstiegskampf verloren, ohne dabei einen Treffer zu erzielen. In der Rückrundentabelle liegt der FCK mit acht Niederlagen aus 15 Spielen nur auf Platz 13. Das ist, gemessen an den großen Ambitionen des viermaligen deutschen Meisters, ein mittleres Desaster.
Vier Neue, keine Verstärkung
Bei der Ursachenforschung für den Lauterer Abwärtstrend konzentriert sich ein Großteil der Kritik auf Trainer Torsten Lieberknecht, unter dem die Entwicklung zuletzt eindeutig in die falsche Richtung zeigte. Aber wer ein bisschen tiefer in die Analyse einsteigt, dem sticht ins Auge, dass der FCK auf dem Transfermarkt im Winter keine echten Verstärkungen an Land ziehen konnte. Ganz im Gegensatz zu Meister und Aufsteiger Schalke.
Vier neue Spieler präsentierten die Pfälzer im Januar – das Fazit der Transferperiode fällt zwei Spieltage vor Saisonende lausig aus. Die Lauterer Winterzugänge rangieren in der Bewertung bisher irgendwo zwischen Mitläufer und totaler Enttäuschung. Ein Befund, der auch den Anteil von Sportdirektor Marcel Klos und Geschäftsführer Thomas Hengen – der beiden Verantwortlichen für die Kaderplanung – am Abschwung auf dem Betzenberg in den Scheinwerfer rückt. Bereits nach der 2:3-Niederlage beim VfL Bochum Anfang März hatte sich Hengen selbstkritisch geäußert. „Wir müssen uns auch im Management hinterfragen, ob wir im Winter den einen oder anderen Wechsel zu viel vorgenommen haben“, sagte der FCK-Boss damals. Vielleicht haben die Lauterer aber auch einfach die falschen Spieler geholt.
Vor allem der Versuch, mit Jacob Rasmussen (RB Salzburg) und Atanas Chernev (CF Estrela Amadora) die Abwehr zu festigen, ging krachend daneben. Nach soliden 21 Gegentoren in der Hinrunde schlug es nach der Winterpause bereits 26 Mal im FCK-Tor ein – und das lag gewiss nicht an Schlussmann Julian Krahl, der regelmäßig noch Schlimmeres verhinderte.
Der als potenzieller neuer Führungsspieler geholte Däne Rasmussen ist bisher den Nachweis schuldig geblieben, gehobenes Zweitliga-Niveau verkörpern zu können (RHEINPFALZ-Durchschnittsnote 4,0). Rasmussen wirkt in vielen Spielen eher wie ein Unsicherheitsfaktor, der Tempodefizite auch nicht durch ein routiniertes Stellungsspiel kompensieren kann. Und Chernev katapultierte sich nach einem guten Debüt beim 2:2 auf Schalke mit einer grotesk schlechten Leistung gegen Fürth (1:0), als er bereits Mitte der ersten Halbzeit ausgewechselt wurde, dauerhaft ins Abseits (RHEINPFALZ-Durchschnittsnote 4). Zuletzt stand der ausgeliehene Bulgare meistens noch nicht einmal mehr im Spieltagskader. Dass mancher FCK-Fan angesichts dieser tristen Bilanz der Neuzugänge in der Defensive fast nostalgisch an die Lauterer Leihspieler Jan Elvedi und Jannis Heuer denkt, die bei Greuther Fürth und Preußen Münster zumindest solide Zweitliga-Stopper geben, sagt einiges aus.
Nicht besser fällt das Fazit bei den beiden Angreifern aus, die nach der schweren Verletzung von Torjäger Ivan Prtajin (Achillessehnenriss) in die Bresche springen sollten. Der belgische Umschaltstürmer Norman Bassette (RHEINPFALZ-Durchschnittsnote 3,93) vergab erst viele Chancen, hatte dann einen starken Nachmittag beim 3:2 in Münster (ein Tor/eine Vorlage) – und fällt seitdem nur noch durch eine stetig sinkende Formkurve auf. Der FCK will Bassette dennoch gerne halten und verhandelt laut Medienberichten mit Coventry City darüber, ob er nicht für ein bisschen weniger als für die in der Kaufoption festgehaltene Ablöse fest verpflichtet werden kann. Zur Einordnung: Coventry zahlte im Sommer 2024 zwischen knapp drei Millionen Euro für den Angreifer an den französischen Zweitligisten SM Caen.
Der als Prtajin-Ersatz aus Hoffenheim geholte Mergim Berisha, der nach einem dreiviertel Jahr ohne Spielpraxis laut Trainer Lieberknecht als „mittelfristiges Projekt“ wieder in taugliche Form gebracht werden sollte, ist ein Fremdkörper geblieben (RHEINPFALZ-Durchschnittsnote 4,15). Das liegt sicher auch daran, dass Lieberknecht es nicht geschafft hat, das Lauterer Offensivspiel besser auf die Qualitäten des Berchtesgadeners auszurichten, der kein klassischer Abschlussstürmer wie Prtajin ist, aber beim FCK meistens so in Szene gesetzt wird, als sei er ein Double des kopfballstarken Torjägers aus der Hinrunde.
Auf Berishas Habenseite steht der 1:0-Siegtreffer neulich bei der Hertha und ein Tor beim 3:0 im Derby gegen den KSC, aber bei seinen meisten bemühten Auftritten im Trikot der Roten Teufel benötigt man ganz viel rot-weiße Fantasie, um auf dem Platz den Mann der Klasse wiederzuerkennen, der einmal zwei Länderspiele für Deutschland bestritten hat.
Man würde Berisha gerne einmal fragen, woran es liegt, dass er beim FCK noch nicht zu alter Stärke zurückgefunden hat, aber bisher hat der Stürmer sämtliche Interviewanfragen abgelehnt. Und so schweigt sich der Stürmer, dessen Marktwert von einst 14 auf mittlerweile 1,5 Millionen Euro geschrumpft ist, an das Ende einer Saison, nach der sie auf Schalke ihren perfekt aufgegangenen Plan feiern – und beim 1. FC Kaiserslautern über ihre diversen Fehleinschätzungen grübeln.
