1. FC Kaiserslautern
FCK in Zwickmühle: Frauenfußball nachweisen oder Strafe zahlen
Nur ein Buchstabe unterscheidet beide Vereine auf dem Papier: der FCK hier und der FFCK da. Doch bald könnten die beiden Klubs, der 1. FC Kaiserslautern und der 1. Frauenfußball-Klub Kaiserslautern, eng zusammenrücken. Denn die Deutsche Fußballliga (DFL) hat in ihrem Lizenzierungsverfahren für Profiklubs nun aufgelistet, dass künftig ein zu erfüllendes Kriterium der Frauenfußball ist. Unter Paragraf drei der Lizenzierungsordnung steht, dass „der Bewerber den Frauenfußball fördert sowie einen Beitrag zu seiner Professionalisierung und zur Steigerung seiner Beliebtheit leistet, indem er eine Frauen- und/oder Mädchenmannschaft zu offiziellen Wettbewerben anmeldet oder eine Kooperationsvereinbarung mit einem Fußballclub abschließt, der eine Frauen- und/oder Mädchenfußballabteilung unterhält.“
Immer mehr Profiklubs investieren daher verstärkt in den Frauenfußball. Vor zehn Jahren waren die Frauenteams des VfL Wolfsburg, FC Bayern München, Bayer Leverkusen und SC Freiburg die einzigen Mannschaften eines Profiklubs in der Bundesliga. Mittlerweile besteht die Frauen-Bundesliga zu zwei Dritteln aus Bundesliga-Teams, die im Profi-Geschäft des Männerfußballs tätig sind. Tendenz steigend.
Sechsstellige Summe an Strafe
Der FCK hat aktuell keine Frauenfußball-Abteilung. Klubs, die das Kriterium der DFL jedoch nicht erfüllen, müssen dem Vernehmen nach mindestens 100.000 Euro an Strafe zahlen. Der FCK will solche finanziellen Sanktionen vermeiden. Deshalb sondiert der Klub seit einiger Zeit, mit welchem Verein, der eine Frauenfußball-Abteilung hat, er kooperieren könnte. Da wäre zum einen der SC Siegelbach. 1970 gründete der SCS eines der bundesweit ersten Frauenfußball-Teams. Aktuell wetteifert der etablierte Klub aus dem Stadtteil Kaiserslauterns sportlich mit dem 2017 gegründeten FFCK um den Aufstieg in die Regionalliga. Nicht nur auf dem Sportplatz konkurrieren beide Vereine. Auch der FFCK kann sich eine Kooperation mit dem FCK vorstellen. Seit August 2021 ist der FFCK auf einem großen Sportgelände im Westen der Stadt beheimatet – seit 1. Januar diesen Jahres gehört das Gelände dem Klub. „Derzeit modernisieren wir alles“, sagt FFCK-Vorsitzender Marcus Muders. Die Umbauten erfolgen mit Weitsicht. Denn Muders, von Beruf Gastronom und Inhaber des ältesten Lokals in der Stadt, will sich auf lange Sicht als Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) für den Frauenfußball bewerben. Daher werden auch schon jetzt infrastrukturelle Vorgaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der DFL in die Pläne integriert.
Der FFCK hat aktuell die besseren Karten. Er hat sechs Jugend- und zwei aktive Teams, Siegelbach jeweils zwei. Zudem steht die U17 des FFCK vor dem Aufstieg in die Bundesliga. Der Trikotsponsor des FCK, „Allgäuer Latschenkiefer“, ist Premiumpartner des FFCK, ebenso wie Dienes Packaging, dessen Chef zur Investorengruppe des FCK gehört. „Wir beschäftigen uns mit dem Thema Frauenfußball, seit ich hier bin“, sagt Thomas Hengen, Geschäftsführer des FCK. Momentan prüft der Verein, ob er in der Lage ist, eine eigene Frauenfußball-Abteilung aufzubauen oder doch besser mit einem anderen Verein kooperiert.
FCK-Chef Hengen: Tendenz geht zu Kooperation
Federführend für das Thema Frauenfußball beim FCK sind Wolfgang Erfurt und Tobias Frey vom Vorstand des FCK e.V, quasi der Mutter der Profiabteilung. „Wir sind gefordert, etwas zu tun. Das hat die DFL ja beim Lizenzierungsverfahren vorgegeben“, sagt Erfurt. Bis Herbst haben die Verantwortlichen im FCK-NLZ Zeit zu prüfen, ob der Klub die Kapazitäten hat, eine Frauenfußball-Abteilung in Eigenregie aufzubauen und zu etablieren. Thomas Hengen sagt aber: „Wir sind schon jetzt beim NLZ mit unseren Jugendteams am Anschlag.“ Der FCK-Chef glaubt daher: „Die Tendenz geht zu einer Kooperation.“
Mit wem, da hält sich der FCK (noch) bedeckt. Fakt ist, dass es schon ein intensives Gespräch zwischen dem FCK und dem FFCK im Dezember gab. Außerdem hat der FFCK vor wenigen Tagen schon im NLZ des FCK einen Sichtungslehrgang ausgerichtet. Ein weiterer ist für Anfang April geplant. Marcus Muders vom, FFCK ist bereit für eine Kooperation. Allerdings, sagt er, müssen die Rahmenbedingungen passen. Ohne es auszusprechen, meint Muders damit den finanziellen Beitrag des FCK. Der FFCK stellt das Personal und die Infrastruktur. Der FCK beteiligt sich daran mit einem noch zu vereinbarenden Betrag. „Es ist nichts entschieden und nichts unterschriftsreif“, wiegelt Erfurt allerdings ab.
