125 Jahre 1. FC Kaiserslautern
FCK-Festakt: Jubelstimmung wie in der Westkurve
Das Lied war (leider) schon lange nicht mehr auf dem Betzenberg zu hören: „Deutscher Meister wird nur der FCK“ tönte der vielstimmige Chor am Abend durch die Fanhalle im Fritz-Walter-Stadion Betzenberg. Anlass: der Auftritt der fast kompletten Meistermannschaft von 1991 auf der Bühne, auf der zunächst die „Anonyme Giddarischde“ und anschließend bis spät in die Nach die „Walter Elf“ die 2500 FCK-Anhänger in positive Wallung brachte.
Es war das zweite Mal binnen weniger Minuten, da die 91er Überraschungschampions frenetisch gefeiert wurden. Schon zuvor, auf Ebene 1900, wo der offizielle Festakt über die Bühne ging, hatte der frühere Weltschiedsrichter Markus Merk jeden einzelnen der Spieler mit launigen Worten vorgestellt – jeweils bejubelt von den rund 200 geladenen Gästen. Und als die Spieler auf der kleinen Bühne standen, erlebten auch die eine Überraschung: Jeder wurde zum FCK-Ehrenmitglied ernannt. Ausgenommen natürlich jene wie Torwartlegende Gerry Ehrmann, denen diese Ehre schon zuvor zuteil geworden war.
Zu jener Zeit hatte sich Karl-Heinz Feldkamp bereits auf den Heimweg gemacht. Der Meistertrainer war bereits zu Beginn es Festakts gefeiert worden – weil er an diesem Montag auch seinen 91. Geburtstag feiern durfte. Und das im Kreis der FCK-Familie, zu der auch sein Meistertrainer-Nachfolger Otto Rehhagel zählte, der sich unter anderem mit Ministerpräsident und FCK-Fan Alexander Schweitzer angeregt unterhielt. Als der gesamte Saal „Happy Birthday“ erklingen ließ, war Feldkamp sichtlich ergriffen.
Tränen bei Stefan Kuntz
Er war nicht der Einzige, der an diesem Festabend Emotionen zeigte. Bei Stefan Kuntz, dem Meisterkapitän von 1991 und späteren Vorstandsvorsitzenden, sahen Beobachter, wie er sich Tränen aus den Augen wischte, als Bilder vom Bundesligaaufstieg 2010 über die Leinwand flimmerten, der unter seiner und Trainer Marco Kurz’ Ägide klappte.
„Was ist der 1. FC Kaiserslautern?“, hatte Beiratsvorsitzender Rainer Keßler in seiner Festrede zuvor gefragt und selbst gleich die Antworten gegeben: „Für die einen ist er Religion, für die anderen Familie und Lebensinhalt.“ Nirgendwo werde Fußball mehr gelebt als in Kaiserslautern, wo die Verbundenheit der Fans mit ihrem Verein diesen durch Höhen und Tiefen getragen habe. Dass es schon bald eine erneute Höhe, die Rückkehr in die Bundesliga, geben könnte, hatte Geschäftsführer Thomas Hengen zumindest vorsichtig in Aussicht gestellt: „Wir werden alles dafür geben, dem FCK im Jubiläumsjahr ein besonderes Geschenk zu machen. Ob es gelingt, wird sich zeigen“, sagte der Chef der Profiabteilung, der auch einen der prägenden Sätze des Abends sprach: „Der FCK steht für Siege, für Niederlagen, aber auch für Unzerstörbarkeit.“
Herzlichkeit und Bodenständigkeit bewahrt
DFB-Chef Bernd Neuendorf, über die Fritz-Walter-Stiftung eng mit Keßler verbunden, ließ sich da in Sachen Lob nicht lumpen. Er pries die Werte von Fritz Walter und der 54er Weltmeisterelf und sagte, der Fußball in Kaiserslautern habe sich auch heute noch trotz aller notwendigen Professionalität etwas Herzliches und Bodenständiges bewahrt. „Die Leidenschaft der Fans für den FCK ist nie erkaltet, nicht einmal in der Dritten Liga.“ Eine Institution wie der FCK sei unverzichtbar.
Allerdings ging es an diesem Abend beileibe nicht nur um die Profis. „Der FCK ist weit mehr“, hatte Keßler mit Blick auf rund 3000 Breiten- und Leistungssportler abseits des Fußballs darauf eingestimmt – und gegen Ende des Festakts kamen auch jene zur Geltung, die für den FCK in anderen Sportarten Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen errungen haben. Nacheinander wurden Bahnradsportlerin Miriam Welte, Behindertensportler Wojtek Czyz und Boxer Reiner Gies in kleinen Filmen gewürdigt und anschließend auch zu Ehrenmitgliedern ernannt. Das für die Abteilungen zuständige Vorstandsmitglied Tobias Frey und Vereinsratsvorsitzende Monika Frenger betonten die Bedeutung nicht nur dieser drei herausragenden Sportler, sondern auch die der vielen Athleten, die den FCK in Sportarten von Basketball bis Triathlon vertreten.
Danach ging’s einige Etagen tiefer in die Halle zum Feiern mit den rund 2500 Fans, die sich für das Fanfest Tickets hatten sichern können. Nicht nur das „Palzlied“, auch die vielen FCK-Schlachtgesänge sorgten dort in einem rot-weißen Meer über Stunden für eine Stimmung, die auch in der Westkurve nicht besser hätte sein können.
