1. FC Kaiserslautern
FCK betreibt ein bisschen Wiedergutmachung
Als er den neuen FCK-Geschäftsführer Marc Strauß am Donnerstag im Fritz-Walter-Stadion vorstellte, ließ der Beiratsvorsitzende Rainer Keßler eine Tendenz in der mit zunehmender Intensität diskutierten Trainerfrage beim 1. FC Kaiserslautern erkennen. Das Ziel des Klubs sei, so der Chef des Kontrollgremiums, Kontinuität auf der Trainerposition zu schaffen. Torsten Lieberknecht wird es gerne gehört haben, auch wenn dem erfahrenen Coach schon da im Sinne der eigenen Jobsicherheit insgeheim klar gewesen sein dürfte, dass er die Negativserie von zuletzt drei trostlosen Zu-Null-Niederlagen in Folge im letzten Heimspiel einen Tag später gegen Arminia Bielefeld besser gestoppt bekommen musste.
Den ersten Schritt zu einem doch noch versöhnlichen Abschluss dieser wechselhaften Saison schaffte der FCK am Freitagabend: Vor 48.183 Zuschauern auf dem fast ausverkauften Betzenberg gewannen die formverbesserten Lauterer ein mäßiges Zweitliga-Spiel mit 2:0 (2:0) – es war in der aktuell angespannten Konstellation auch ein Sieg für Lieberknecht. Marlon Ritter (15., Foulelfmeter) und Simon Asta (29.) trafen. Der FCK klettert vor dem Spiel von Hertha BSC gegen Fürth am Sonntag zumindest vorübergehend auf den sechsten Platz.
Wekesser und Schramm in der Startelf
Lieberknecht hatte bei der Aufstellung für einige dicke Überraschungen gesorgt: Erik Wekesser kam am vorletzten Spieltag auf der linken Außenbahn zu seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison, U-21-Talent David Schramm feierte sein Zweitliga-Debüt von Beginn an. Außerdem stürmte Publikumsliebling Daniel Hanslik wenige Tage, nachdem sein Abschied vom Betzenberg durchgesickert ist, statt Mergim Berisha (Bank). Insgesamt gab es nach dem 0:1 in Dresden vier Änderungen: Auch Norman Basette rotierte rein, Paul Joly, Fabian Kunze (beide Gelbsperren), Semih Sahin (angeschlagen) fehlten im Kader.
Vor dem Anpfiff gab es bei einer kleinen Verabschiedung viel Applaus aus der Westkurve für die fünf Profis, die den FCK nach dieser Saison sicher verlassen werden: Florian Kleinhansl, der treue Ersatztorwart Avdo Spahic, Luca Sirch, vor allem aber die Aufstiegshelden Kenny Prince Redondo und Hanslik wurden im Beisein der Mannschaftskollegen und Trainer Lieberknecht ein letztes Mal emotional auf dem Betzenberg gefeiert.
Lauterer deutlich verbessert
Die kräftig durchgewürfelte Lauterer Mannschaft begann mit erheblich besserer Körpersprache und Aggressivität als in den vergangenen Wochen. Die frühe Führung entstand im Nachgang eines sehenswerten Solos von Marlon Ritter, als Bielefelds Tim Handwerker Maxwell Gyamfi so unnötig wie elfmeterwürdig abräumte. Kapitän Ritter verwandelte den Strafstoß, den Schiedsrichter Tobias Stieler nach kurzem Zögern gepfiffen hatte, sicher mit rechts halbhoch ins linke Eck (15.).
Die große Befreiung aufseiten des FCK erzeugte das erste Tor nach 328 Minuten allerdings nicht. Bielefeld übernahm die Spielkontrolle, erspielte sich einige passable Gelegenheiten durch Jannik Rochelt (22.) oder Jannis Uldrikis’ Versuch aus kurzer Distanz, den Lauterns Torhüter Julian Krahl parierte (37.). Aber trotz 5:5 Torschüssen und 66 Prozent Ballbesitz für die Arminia stand es am Ende der ersten Halbzeit 2:0 für den FCK. Weil Lieberknechts Team ordentlich verteidigte – und vorne seine zweite Gelegenheit hocheffizient in das zweite Tor ummünzte. Der am Bielefelder Strafraum erstaunlich ungedeckte Ritter spielte einen starken Vertikalpass auf Asta, der mit einem strammen Rechtsschuss ins lange Eck sein erstes Saisontor erzielte (29.).
Bassettes Tor zählt nicht
Die auswärtsschwachen Bielefelder demonstrierten auch nach der Pause, warum sie nach einem ordentlichen Saisonstart sukzessive in den Abstiegskampf gerutscht sind. Bei allem Engagement: Spätestens am gegnerischen Strafraum waren die harmlosen Ostwestfalen mit ihrem Latein am Ende. Der erst 19-jährige Schramm hätte auf der anderen Seite fast seinen ersten Scorerpunkt im Profifußball gesammelt: Doch Norman Bassette stand nach seinem Pass in die Tiefe knapp im Abseits, sein Tor zählte nicht (58.).
Danach plätscherte die Partie gemächlich ihren Ende entgegen. Einzige relevante Aktion: Luca Sirch holte sich seine fünfte Gelbe Karte ab und ist in Magdeburg gesperrt. Damit war dies sein letztes Spiel im FCK-Dress.
Pokalsieger von 1996 gefeiert
Schon vor der Partie hatten die Fans Grund zum Jubeln. Denn die Mannschaft, die vor 30 Jahren als Absteiger den DFB-Pokal geholt hatte, präsentierte sich der Westkurve, ließ sich feiern. Zuvor hatten Kadlec, Marschall, Kuka und Co. bereits für eine kleine Feierstunde das FCK-Museum besucht. Dort war Michael Schulz zum Ehrenmitglied ernannt worden. Er hatte beim FCK seine Profikarriere begonnen und gewann zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Teamkollegen Wolfram Wuttke mit der deutschen Mannschaft die olympische Bronzemedaille bei Olympia. Kein anderer FCK-Kicker hat das vorher oder nachher geschafft.
