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Farbenfrohe FCK-Liebe: Der Charakterkopf des Betzenbergs
Rund um den Betzenberg kennt jeder Matthias Gehring. Für Fans und die Medien ist er längst ein beliebtes Fotomotiv geworden. Denn seit 1988 schminkt sich der 63-Jährige den kompletten Kopf in Rot-Weiß samt FCK-Logo. Dabei hat alles mit einem EM-Spiel der Dänen und deren Landesfarben angefangen.
Rückblende auf die Jugendjahre: Im Gegensatz zu seinen Brüdern hatte der kleine Matthias kein Interesse an Fußball. „Die haben früh angefangen, gegen den Ball zu treten. Ich überhaupt nicht. Ich konnte damit nichts anfangen. Ich war der Antifußballer“, erzählt der gebürtige Pirmasenser, in der Horebstadt in einer Privatklinik am Exerzierplatz zur Welt gekommen. Und Vater samt Brüdern gingen, auch nach dem Wohnortwechsel ins Dahner Felsenland, immer mal wieder auf den Betze. Matthias Gehring blieb anfangs stets daheim.
Bei der WM 1974 packt es ihn
Die WM 1974 in Deutschland war der Wendepunkt. Sein Vater nahm ihn mit zum Spiel Argentinien gegen Italien in Stuttgart. „Da war es um mich geschehen. Die Atmosphäre und alles. Das hat bei mir einen Schalter umgelegt.“ Erst recht, als er wenig später erstmals auf den Betze ging. „Ich habe da gemerkt, dass die Atmosphäre dort noch besser ist. Da habe ich meine Liebe zum FCK entdeckt.“ Also ging er von da an regelmäßig ins Stadion, erst recht, als er seinen Führerschein hatte, und kaufte sich Mitte der 80er seine erste Dauerkarte.
Weil er damals, so nebenbei, schon seit Jahren als Fremdenführer auf der Burg Berwartstein arbeitete, dort allerhand Prominenz kennenlernte, die sich auf der bewohnten Burg die Klinke in die Hand gab, gründete er den Fanclub Burg Berwartstein. Schon vorher hatte er mit seiner Truppe auf sich aufmerksam gemacht. Denn nach einem langen Tag kam ihnen eine Schnapsidee: Sie könnten ja von der Burg gemeinsam zu einem Spiel auf den Betzenberg wandern. Das taten sie, liefen später auch zu einige Auswärtsspielen im Saarland und in Nordbaden. „Man nannte uns die Tippelbrüder von Burg Berwartstein“, erzählt er lachend.
Erstes Projekt: In dänischen Landesfarben zur EM
Und wie kam es zum markanten FCK-Kopf? Gehring grinst. Die EM 1988 in Deutschland war’s. Die Dänen hatten es ihm – damals Student der Landschaftsplanung und Gartenarchitektur in Hannover – angetan. „Die waren so bunt, schrill, fröhlich. Viele hatten ihre Gesichter in den Landesfarben angemalt.“ Also tat er Gleiches, als er eine Karte für ein Spiel ergatterte. „Als wir aus dem Bahnhof kamen, ist sofort ein dänisches Fernsehteam auf uns zugekommen und hat uns auf Dänisch angesprochen. Die waren ziemlich erstaunt, als wir auf Deutsch antworteten“, erzählt er lachend.
Gehring hatte an diesem Abend so viel Spaß, dass er die Sache mit der Gesichtsbemalung in der folgenden Saison auch bei einem FCK-Spiel ausprobieren wollte. Seit der Saison 89/90 geht er stets mit rot-weißem Kopf auf den Betzenberg. Und zu Auswärtsspielen. Anfeindungen wegen seines markanten Fanauftretens hat er da nur ganz selten erlebt. Stattdessen kämen viele Fans des Gegners auf ihn zu, um ein Foto mit ihm zu machen. „Und rund um den Betze kennt mich sowieso jeder“, glaubt er.
Zwei Stunden Arbeit und gut 60 Euro Kosten
Der farbige Kopf kostet ihn einiges. Sowohl Zeit als auch Geld. Die Verwandlung vom Normalbürger zum FCK-Gesicht dauert rund zwei Stunden. „Zuerst rasiere ich Kopf und Gesicht. Dann kommt eine spezielle Creme drauf. Anschließend male ich mit einem Konturenstift und mit Wattestäbchen die Umrisse des Logos.“ Ist das erledigt, wird das Logo weiß eingefärbt – eine Malhilfe braucht er dafür nicht: „Mit der Zeit weiß ich, wo ich welchen Strich in meinem Gesicht ansetzen muss.“ Anschließend geht er an alles, was Rot werden soll.
Die Farbe ist professionelle, wasserlösliche Theaterschminke für rund 20 Euro das Töpfchen. Zwei rote und eineinhalb weiße Portionen braucht er. Macht pro Spiel mehr als 60 Euro. Kosten, die Gehring gerne in Kauf nimmt. Er fürchtet nur zwei Dinge: Regen und Hitze. Bei einem Pokalspiel herrschten mal 35 Grad, die Helfer wollten den Fans mit einer Wasserdusche in der Halbzeit etwas Gutes tun. Das Logo war futsch, die Farbe lief ihm übers Gesicht.
Dank Blütenstaub ein Aussehen wie ein Kaktus
Eine andere unangenehme Erinnerung hat er an ein Auswärtsspiel in Hamburg in seinen ersten Farb-Jahren. Denn auf dem Weg zum alten Volksparkstadion mussten die Fans eine etwa zwei Kilometer lange Allee entlang laufen. Und dort blühten die Bäume, verteilten fleißig Blütenstaub, der in der damals noch fetthaltigen Schminke hängenblieb. „Bis ich im Stadion war, sah ich aus wie ein Kaktus“, erzählt er lachend.
Wer so sehr Farbe bekennt für seinen Verein, der engagiert sich auch. Gehring, der inzwischen bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen arbeitet und dort die Geschäftsstelle für Migration und Integration leitet, ist schon seit vielen Jahren für das FCK-Museum auf dem Betzenberg tätig. Ehrenamtlich natürlich. „Das war ein Wunsch von Norbert Thines“, erzählt er. Mit Thines, dem langjährigen Präsidenten und sozialen Gewissen des Vereins, verband Gehring eine enge Freundschaft. Auch Thines freute sich über das farbenfrohe Auftreten. Kein Wunder, hatte doch auch Norbert Thines Erfahrung mit Farben. Nach der Meisterschaft 1991 malten Fans sein Haus rot-weiß an.

