Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Fürths Trainer Heiko Vogel: Jan Elvedi vom FCK wollte ich unbedingt

Ist zuversichtlich, den Klassenerhalt mit Greuther Fürth zu schaffen: Heiko Vogel.
Ist zuversichtlich, den Klassenerhalt mit Greuther Fürth zu schaffen: Heiko Vogel.

Der Bad Dürkheimer Heiko Vogel soll die SpVgg Greuther Fürth vor dem Abstieg retten. Was in seiner Karriere heraussticht, das erklärte der Trainer im Interview.

Herr Vogel, Ihre Mannschaft kam am Freitag in die Schlagzeilen, als sie im Spiel gegen Magdeburg nach einer 1:0-Führung fünf Tore in etwas mehr als 20 Minuten kassierte, am Ende 4:5 unterlag. Haben Sie das verdaut?
Was heißt verdaut? Nüchtern betrachtet: Die 20 Minuten, in denen wir die fünf Gegentore bekommen, die sind für mich nicht akzeptabel. Der Rest des Spiels war sehr passabel. Wir haben fünf Tore kassiert, das ist de facto zu viel, wir haben aber auch vier Tore geschossen. Wir waren in allen Statistiken dem Gegner überlegen, nur auf der Anzeigetafel, da waren wir unterlegen. Dies zeigt, dass das Ergebnis das Spiel nicht widerspiegelt. Für die 20 Minuten habe ich keine Erklärung, auch heute noch nicht.

Das ist nicht zu erklären?
Nein.

Wie gehen Sie nun mit Ihrer Mannschaft um? Zuckerbrot oder Peitsche? Wie verarbeiten Sie das?
Sachlich. Wir sind alle schon lange in dem Geschäft, auch die Spieler, sie wissen, dass sie in 20 Minuten fünf Gegentore schlucken mussten. Dann ist es völlig fehl am Platz, noch einmal draufzuhauen. Den Spielern geht es in dem Moment nicht gut. Aber sie haben sich ja selbst berappelt, sind auf 4:5 herangekommen. Wir hatten dann 40 Minuten Zeit, den Ausgleich zu erzielen, den wir leider nicht geschafft haben. Die Spieler haben das schnell korrigiert, das spricht für die Moral der Mannschaft. Ich bin ein Mensch, der gerne von dem Positiven ausgeht. Dann reite ich nicht auf dem Negativen rum. Eine sachliche Analyse ist auch hier das Beste.

Die Moral ihrer Mannschaft ist also intakt?
Das würde ich jetzt so behaupten. Ich kenne nicht viele Mannschaften, die in 20 Minuten solche Nackenschläge kassieren – und dann trotzdem 40 Minuten lang die Chance haben, den Ausgleich zu machen.

Sind Sie zuversichtlich, dass Greuther Fürth den Klassenerhalt schafft?
Definitiv.

Die Mannschaft hat das Potenzial, in der Zweiten Liga zu bleiben?
Ja. Wir haben nachgelegt in der zweiten Transferphase. Insofern sind wir auch in der Offensive etwas breiter aufgestellt, nicht abhängig von ein, zwei Spielern.

Wie erleben Sie im Moment den nächsten Gegner, den 1. FC Kaiserslautern?
Mit dem FCK habe ich mich diese Woche zum ersten Mal beschäftigt, zuvor gab es nur mal Kontakt wegen des Transfers von Jan Elvedi. Ich habe natürlich das Spiel in Darmstadt gesehen. Jetzt biege ich voll Richtung FCK ab.

Jan Elvedi ist ein Spieler, den Sie unbedingt wollten?
Ja, ich wollte ihn unbedingt. Jetzt haben wir ihn endlich bekommen. Ich glaube, dass er sich auch ganz gut eingelebt hat. Er steht uns gut zu Gesicht.

Viele Menschen in der Pfalz haben einen engen Bezug zum Betzenberg. Sie auch? Oder ging das an Ihnen vorbei?
Ich bin nicht so weit weg von Kaiserslautern aufgewachsen. Aber das war nie meine oberste Priorität. Ich war schon immer ein Roter, aber kein Roter Teufel (lacht).

Sie waren vor ihrem Engagement in Fürth zwei Jahre ohne Trainerjob. Macht man sich da Gedanken? Wie schwer war es, wieder einzusteigen?
Schwer war es überhaupt nicht, das Umfeld in Fürth hat mir sehr geholfen. Von der ersten Sekunde an hat es Spaß gemacht und mir Freude bereitet. In den zwei Jahren habe ich meine Schulter nach einer Operation auskuriert, das war sehr langwierig. Auch dafür habe ich die Zeit genutzt. Ich habe mich weitergebildet, ich schaue gerne über den Tellerrand hinaus und habe mich auch mit anderen Sportarten beschäftigt.

Hatten Sie die Sorge, dass man Sie vergessen hat in dem Geschäft? Oder kommen solche Gedanken nicht auf?
Solche Gedanken kamen bei mir nicht auf. Ich glaube eher, dass das große Problem ist, für was man sich entscheidet. Es waren Angebote dabei, die ich hätte machen können, bei denen es aber nicht ganz gepasst hat.

Heiko Vogel mit dem späteren Nationalspieler Holger Badstuber.
Heiko Vogel mit dem späteren Nationalspieler Holger Badstuber.

Wo ist Ihre sportliche Heimat? In Basel oder in München?
Im Moment ist sie natürlich bei der Spielvereinigung, beim Kleeblatt. Natürlich hatte ich eine schöne Zeit bei den Bayern, ich bin dort groß geworden, hatte in der Summe 14 Jahre dort. Ich hatte auch tolle Erfolge beim FC Basel. Ich bin generell ein Mensch, der in der Gegenwart lebt, für die Zukunft – und nicht in der Vergangenheit. Ich schätze beide Vereine in höchstem Maße und komme auch gerne nach Basel und zu den Bayern zurück. Im Moment zählt für mich nur das Kleeblatt, das ist meine Passion.

Dennoch die Frage: Der 1:0-Sieg mit dem FC Basel gegen den FC Bayern in der Champions League, ist das, was einmal bleiben wird in Ihrer Karriere?
Klar, es war ein besonderes Spiel, es war das Achtelfinal-Hinspiel. Nein, da gibt es andere Spiele, die ich höher einstufe. Da ist das gewonnene Pokalfinale in Österreich mit Sturm Graz gegen Red Bull Salzburg, da hat keiner mit uns gerechnet, Salzburg stand damals über allen. Wir haben das Finale aber verdient gewonnen. Den 2:1-Sieg gegen Manchester United mit Basel, der uns den Weg ins Achtelfinale geebnet hat, würde ich auch höher einschätzen.

Sie waren lange im Nachwuchsbereich des FC Bayern aktiv. Welcher Spieler hat Sie am meisten beeindruckt, wessen Werdegang?
Große Frage. Keine Antwort. Wenn ich da jetzt einen Namen nenne, trete ich einem anderen auf die Füße. Ich möchte das vor allem nicht auf die Bayern reduzieren, wo ich die Karriere eines Mats Hummels oder Thomas Müller mitbegleiten durfte. Beim FC Basel hatte ich ja auch Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri oder Mo Salah, alles großartige Spieler. Ich finde alle, die ich begleiten durfte, großartig. Ich hatte zu allen eine gute Beziehung. Sie haben alle auf ihre Art, einen Weg gefunden, Karriere zu machen. Da ziehe ich vor jedem meinen Hut.

Heiko Vogel (rechts) als Trainer des FC Basel im Spiel gegen die Bayern mit Jupp Heynckes.
Heiko Vogel (rechts) als Trainer des FC Basel im Spiel gegen die Bayern mit Jupp Heynckes.

Sie haben die Wahlmöglichkeiten angesprochen. Sie haben sich 2019 auch mal für den KFC Uerdingen entschieden. War das ein Fehler? Oder hat Sie die Zeit auch geprägt?
Die Zeit dort war zu kurz, als dass sie mich geprägt hätte. Was heißt ein Fehler? Es ist immer unfair gegenüber einem selbst, im Nachgang über die Vergangenheit zu reden. Mit dem Wissen von heute würde ich sagen: niemals. Aber ich habe schon damals gewusst, auf was ich mich eingelassen habe. Mir war gleich klar: Es läuft so, wie ich es will, oder es läuft gar nicht. Es war dann Fall zwei ...

Wie eng ist Ihre Beziehung zur Pfalz noch?

Ich bin in der Pfalz aufgewachsen, lebe aber schon gut 30 Jahre in Oberbayern und fühle mich dort auch zu Hause. Deshalb ist die Bindung zur Pfalz bei mir schon weniger geworden. Aber natürlich habe ich immer wieder Kontakt in die Pfalz.

Zur Person

Heiko Vogel ist in Bad Dürkheim geboren und wurde in Wachenheim groß. Der heute 50-Jährige war Cheftrainer beim FC Basel, Sturm Graz und KFC Uerdingen, er betreute die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach, er war insgesamt 14 Jahre im Nachwuchs des FC Bayern München aktiv. In Basel war er Meister und Pokalsieger. Seit 1. Dezember arbeitet er für den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth. Vogel ist in Oberbayern zu Hause.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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