1. FC Kaiserslautern
Extreme Abhängigkeit von Prtajin: Wer soll beim FCK die Tore schießen?
Mit einem dicken Achillessehnenstiefel am lädierten Fuß empfing Ivan Prtajin seine Kollegen vom 1. FC Kaiserslautern nach dem 1:0-Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth am Samstag in den Katakomben des Fritz-Walter-Stadions. Der Kroate klatschte ab, munterte auf und freute sich sichtlich über die hart erkämpften drei Punkte für sein Team. Auf den Platz zurückkehren wird Prtajin nach seinem Achillessehnenriss, den er vor zwei Wochen im Spiel gegen die SV Elversberg (1:3) erlitten hatte, in dieser Saison allerdings definitiv nicht mehr. Und das ist ein gewaltiges Problem für den FCK, denn die Pfälzer waren bisher extrem abhängig von ihrem kopfballstarken Mittelstürmer.
Elf eigene Treffer in 14 Zweitliga-Spielen sind ohnehin eine außergewöhnliche Quote, aber noch eine andere auffällige Statistik sticht ins Auge: Wenn Prtajin ausfiel, hat der FCK in dieser Saison nur neun seiner insgesamt 36 Saisontore erzielt. Spielte der 29-Jährige mit, waren es allerdings 27 Treffer. Wer kann für den quasi Unersetzlichen in die Bresche springen?
Der 1. FC Kaiserslautern sucht händeringend nach einem Angreifer, der zumindest halbwegs die noch viele Monate fehlenden Treffer der Tormaschine Prtajin kompensieren kann. Solange Mergim Berisha, der nach seinem anständigen 30-Minuten-Debüt in Darmstadt (0:4) gegen Fürth mit muskulären Problemen fehlte und gänzlich ohne Spielpraxis in die Pfalz gekommen ist, nicht zu ansprechender Form und Spielfitness findet, trägt neben Routinier Daniel Hanslik (2 Tore/5 Vorlagen) der Belgier Norman Bassette die Hauptlast als Prtajin-Vertreter. Der 21-Jährige, im Winter mit Kaufoption vom englischen Zweitligisten Coventry City ausgeliehen, ist jedoch ein ganz anderer Stürmertyp als der kroatische Kopfballspezialist. Bassette kommt mehr über Tiefenläufe und schnelle Gegenstöße, muss flach angespielt werden, er ist eher ein mitspielender, laufstarker Angreifer als ein klassischer Zielstürmer. Aber auch bei ihm gilt: Er wird als Angreifer letztlich an seinen Toren gemessen werden.
Zwei Erfolgserlebnisse gegen Fürth möglich
Da steht nach fünf Einsätzen für den FCK bei Bassette noch die Null, nachdem er schon bei seiner letzten Leihstation Stade Reims in der Hinrunde nur einen Ligatreffer beigesteuert hatte. Bei einer solchen Torflaute wirkt es umso schmerzhafter, dass Bassette gegen Fürth zwei riesige Gelegenheiten auf sein erstes Erfolgserlebnis auf dem Betzenberg ausließ. In der 27. Minute setzte er sich nach Naatan Skyttäs Balleroberung zunächst stark durch, schoss dann frei vor dem Tor aus knapp zehn Metern aber ein ordentliches Stück vorbei. Das war eine Chance aus der Kategorie „Den muss er machen“. Kurz danach scheiterte der Belgier aus spitzem Winkel an Fürths Torhüter Silas Prufrock (36.). Sein Expected-Goals-Wert lag bei seiner Auswechslung in der zweiten Halbzeit bei 1,14, getroffen hatte der neue FCK-Stürmer aber wieder nicht.
FCK-Trainer Torsten Lieberknecht stärkte Bassette hinterher demonstrativ den Rücken. „Norman kommt seinem Tor immer näher, und er wird es machen, da bin ich mir ziemlich sicher. Er darf nicht hadern, sondern muss immer weitermachen“, sagte der 52-Jährige. Trotz seiner Durststrecke besitze Bassette genügend Selbstvertrauen. Und, in Lieberknechts Augen fast noch wichtiger: „Der Junge hat eines: Ein Riesen-Herz.“
Emrelis Comeback naht
Vielleicht erlebt aber auch ein bei einigen Fans bereits als Fehleinkauf verschmähter Sommerzugang in dieser Saison noch eine Renaissance am Betzenberg? Mahir Emreli soll, wenn alles normal läuft, nach Informationen dieser Zeitung in dieser Woche wieder in den regulären Trainingsbetrieb einsteigen, nachdem er zuletzt bereits „teilintegriert“ mitgemacht hat. Der aserbaidschanische Nationalstürmer war mit großen Erwartungen vom 1. FC Nürnberg in die Pfalz gekommen, verschwand aber nach drei Einsätzen zu Saisonbeginn komplett von der Bildfläche. Lieberknecht nominierte ihn wochenlang nicht für die Spieltagskader, Emreli antwortete mit kryptischen Instagram-Postings.
Als sich der 28-Jährige beim Heimspiel gegen Hertha BSC Anfang November (0:1) wieder zurückgekämpft hatte, in der 63. Minute eingewechselt wurde, musste er wegen eines Teilabrisses der Adduktorensehne schon nach einer knappen Viertelstunde wieder ausgewechselt werden. Es flossen Tränen. Auch Emreli wartet noch auf sein erstes Ligator im FCK-Trikot – möglicherweise feiert er ja schon am Sonntag (13.30 Uhr) bei Preußen Münster sein Comeback.
