1. FC Kaiserslautern
Ein Pokalsieg mit Langzeitwirkung und Michael Schulz’ misslungener FCK-Einstieg
Zum letzten Heimspiel der Saison hatte der 1. FC Kaiserslautern jene Mannschaft eingeladen, die eine Woche nach dem ersten Bundesligaabstieg 1996 den Pokalcoup schaffte, den favorisierten Karlsruher SC im Finale mit 1:0 bezwang. „Wir haben uns nach dem Abstieg eine Woche lang versteckt und dann den KSC überrascht“, feixte Eckhard Krautzun, der inzwischen 85-jährige Trainer der Mannschaft.
Mehr als ein Dutzend Spieler waren zu der Ehrung gekommen, die vor Spielbeginn gegen Arminia Bielefeld ihren Anfang im FCK-Museum nahm und mit einem umjubelten Auftritt vor der Westkurve ihren Höhepunkt fand. Der Pokalsieg trotz des vorherigen Abstiegs sei nicht nur ein besonderer Moment gewesen, sagte Beiratsvorsitzender Rainer Keßler, sondern habe den Grundstein gelegt für das nächste, einmalige Kapitel im deutschen Fußball – den Wiederaufstieg samt unmittelbar folgender Meisterschaft. Er wisse nicht, ergänzte der sichtlich bewegte Krautzun, ob es ohne den Pokalerfolg gelungen wäre, die Mannschaft so zusammenzuhalten und seinen Nachfolger Otto Rehhagel nach Kaiserslautern zu holen.
Als Vizeeuropameister mit in die Zweite Liga
Diese Wirkung würdigte auch Martin Wagner, der Siegtorschütze. „Man muss sich vorstellen: Miro Kadlec und Pavel Kuka sind kurze Zeit später Vize-Europameister mit Tschechien geworden. Und trotzdem sind sie mit uns in die Zweite Liga gegangen“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Mit dem Pokalsieg habe die Mannschaft den Fans und der Region nach dem viel betrauerten Abstieg zumindest ein wenig zurückgegeben.
Wagner und seine Kameraden halten, alle bekamen ein Trikot mit ihrem Namen und der Rückennummer 96, nach wie vor Kontakt – unter anderem über eine WhatsApp-Gruppe. „Aber wir sehen uns viel zu selten, daher ist der heutige Tag etwas Besonderes und eine klasse Aktion des Vereins“, freute er sich.
Miroslav Kadlec lobt die Fans
Ähnlich äußerte sich sein Mannschaftskamerad Miro Kadlec: „Das hier ist einfach eine tolle Sache.“ Dass der FCK in den 90ern so erfolgreich gewesen sei, führe glücklicherweise immer mal wieder dazu, dass sich die Mannschaft bei besonderen Anlässen treffe. Und das Zusammenkommen bei einem Spiel auf dem Betzenberg sei auch heute noch prima. „Die Fans hier sind so wunderbar. Da komme ich immer wieder gerne.“
Den großen Auftritt des Abends hatte jedoch Michael Schulz, von 1987 bis 1989 in Diensten des FCK und zusammen mit dem verstorbenen Wolfram Wuttke der einzige FCK-Kicker, der Edelmetall bei Olympia gewonnen hat: Bronze 1988 nach einem 3:0 im kleinen Finale gegen Italien, nachdem die Elf im Halbfinale unglücklich im Elfmeterschießen an Brasilien gescheitert war. Ihm verlieh Monika Frenger, die Vorsitzende des Vereinsrates, die Ehrenmitgliedschaft.
Von Wuttke gleich zusammengefaltet worden
Schulz selbst, inzwischen 64 Jahre alt und immer noch mit Mähne, erzählte über die Anfänge seiner Profikarriere in Kaiserslautern: „Die Leute waren sehr nett, aber ihre Sprache habe ich nicht verstanden“, sagte er unter Gelächter der Anwesenden. Und: Gleich an seinem ersten Trainingstag mit Spiel in Birkenfeld sei er von Wuttke mit derben Worten zusammengefaltet worden, als ihm ein Ball versprang. Da habe er gedacht: Das fängt ja gut an als Profi.
Er habe anfangs gezweifelt, ob er es mit bereits 26 Jahren noch zum Profi schaffe, daher zunächst auch nur einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben, um gegebenenfalls in den Polizeidienst in Niedersachsen zurückkehren zu können. Das, damals eher ungewöhnlich, hatte der FCK ohne sein Wissen bereits mit dem niedersächsischen Innenministerium ausgehandelt. Das habe es ihm leichter gemacht, seinen Job aufzugeben und sich in der Bundesliga zu versuchen. Zudem habe ihn Hannes Bongartz regelrecht bearbeitet und überzeugt. Den damaligen FCK-Trainer Sepp Stabel, der ihm die Chance zu seiner besonderen Karriere gegeben hatte, nahm er am Freitag entsprechend herzlich in den Arm.
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